Fiber to the Home Daran scheitert der Glasfaserausbau

Glasfasernetzverbindungen bis in die Wohnung des Teilnehmers versprechen schnelle und stabile Datenübertragung mit synchronen Up- und Downstream-Raten. Durchgesetzt hat sich Fibre-to-the-Home in Deutschland bislang jedoch nicht. Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander.

Bei »Fiber to the Home« spielt Deutschland noch lange nicht in der ersten Liga. Von der »digitalen Standspur« sprach Münchens Oberbürgermeister Ude sogar bei seinem Vortrag auf dem 9. Kongress des Fibre to the Home Council Europe im Februar letzten Jahres. Eine Aussage, die offizielle Statistiken des FFTH Council erneut bestätigen: Denn mit gerade einmal 0,5 Prozent Glasfaserpenetration taucht Deutschland in den offiziellen Statistiken des FFTH Council gar nicht erst auf.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zu hochwertig ist die bestehende Telekommunikations-Bestandverkabelung in Deutschland im Vergleich zum Ausland. Vor allem in osteuropäischen Ländern wie Russland, der Ukraine oder Bulgarien gab es bislang keine hochwertige Kupfer-Bestandsverkabelung, weshalb diese Staaten hohe Anschlusszahlen verzeichnen und in der Statistik weit vorne geführt werden. Die Realisierung der FTTH-Verkabelung ist dort oft kostengünstig, erfolgt jedoch meist mit sehr einfachen Mitteln: Statt wie in Deutschland üblich die Kabel mindestens 60 cm unter den Bürgersteigen und damit optisch unauffällig und vor Witterungseinflüssen geschützt zu verlegen, laufen sie dort an Hauswänden entlang, sind mit Nägeln fixiert und von Haus zu Haus durch die Luft verlegt. Dadurch sind die Netze anfällig für extreme Witterungen und sonstige mechanische Einflüsse und halten wahrscheinlich im Durchschnitt nicht länger als sieben Jahre.

In Deutschland sind die Kosten für die FTTx-Vernetzung aufgrund der aufwändigeren Anforderungen an die FTTH-Verkabelung um ein Vielfaches höher. Und genau hier klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander: Denn wünschen wollen würden sich das Highspeed-Internet fast alle, auch wenn sich viele Nutzer die Frage nach der tatsächlich benötigten Bandbreite gar nicht erst stellen. Kommen jedoch die monatlichen Kosten ins Spiel, verringert sich die Zahl derjenigen, die bereit sind dafür zu zahlen, jedoch dramatisch. Schließlich sind hohe Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s im Downstream und bis zu 40 MBit/s im Upstream über die Bestandverkabelung dank neuester Technologie auch heute schon möglich: Über das VDSL2-Vectoring lässt sich die Datenrate in xDSL-Techniken erhöhen, wodurch sich bestehende Kupfer-Verkabelungen auch künftig mit noch höheren Geschwindigkeiten nutzen lassen. Zugleich ist dieses bestehende Breitbandangebot preislich deutlich günstiger als es vergleichbare Glasfasernetzwerke je sein könnten.

Zudem bieten die Kabelnetzbetreiber über das ehemalige Kabelnetz der Deutsche Telekom Triple-Play an und leiten Fernsehen, Internet und Telefon auch ohne Neuvernetzung mit Glasfaser und ohne Abstriche bei der Übertragungsrate über die letzte Meile in die Häuser der Kunden. Vor allem aber bremst die Brüsseler Regulierungsbehörde den schnellen Ausbau des FTTx-Netzes in Deutschland: EU-Gesetzte schreiben den Betreibern von Telekommunikationsnetzen vor, ihre Glasfasernetze auch Mitbewerben zu regulären Preisen zugängig zu machen. Dadurch sinkt die Bereitschaft der Anbieter, Geld in die Neuverkabelung mit Glasfaser zu investieren.

Der Autor André Engel ist Geschäftsführer von tde – trans data elektronik