Kommentar »Bitte nicht an der Oberfläche sparen!«

Falko A. Eidner, FMB Group
Falko A. Eidner, FMB Group

Als Galvanikdienstleister beobachte ich mit Sorge die Sparmaßen in der Branche. Die Rückrufaktionen weltweit in der Automobilindustrie sind ein untrügliches Indiz für eine Fehlentwicklung, ausgelöst durch den Kostendruck, der auf die Zulieferer ausgeübt wird.

Fakt ist, Kosteneinsparungen um jeden Preis gehen auf Kosten der Qualität! Die Industrie hat Optimierungen bei der Automatisierung und die Verlagerung händischer Arbeit in Billiglohnländer bereits vollzogen. Der kalkulierbare Drei-Schicht-Betrieb und die 24-Stunden-Produktion sowie der niedrige Stundenlohn in Schwellenländern sind bis an die machbaren Grenzen ausgereizt.

Bei einer wertanalytischen Betrachtung in den produzierenden Unternehmen rückt somit der Bereich der Hilfs- und Betriebsstoffe in den Fokus des Sparkurses. Bei der Oberfläche, die mehr und mehr die eigentliche Funktion eines elektrischen Bauelements übernimmt, ist das alarmierend: Einsparungen sind  fast nur noch durch eine Reduzierung der Schichtdicke bei Edelmetallen wie Gold und Silber möglich.

Zum Teil auch aus Unkenntnis über die physikalischen Zusammenhänge erfolgen speziell in der Oberflächenindustrie Anforderungen an Galvaniken, die schlichtweg davor warnen lassen, die Gesetze der Physik nicht außer Kraft zu setzen! Der Druck der Kapitalgeber in den Unternehmensstrukturen der »Global Player« und das jeweils geförderte überproportionale Wachstum lassen zur Zeit den Begriff »Made in Germany« in den Hintergrund treten und macht Platz für Begriffe wie »Good enough«. Das wird uns weitere Rückrufaktionen bescheren, die allerdings nur die Spitze des Eisbergs sind! Speziell bei der Oberfläche ist »Good enough« not good enough.