Eucrea Auf der Suche nach »besonderen« Kontaktstiften?

Friedrich Wilhelm Hahne, Eucrea: »Unser Geschäftsmodell – als europäische Firma eine hochwertige und dennoch preislich attraktive Alternative zu gestanzten Kontakten aus Asien anzubieten – scheint voll aufzugehen.«
Friedrich Wilhelm Hahne, Eucrea: »Unser Geschäftsmodell – als europäische Firma eine hochwertige und dennoch preislich attraktive Alternative zu gestanzten Kontakten aus Asien anzubieten – scheint voll aufzugehen.«

Einen guten Lieferanten für Kontaktstifte zu finden, kann Gold wert sein. Vor allem dann, wenn man kleinere Mengen oder technische Besonderheiten benötigt. Eucrea hat sich auf diese Marktnische spezialisiert. Friedrich Wilhelm Hahne, Sales Manager, erläutert, wie sich die Firma von der Konkurrenz aus China unterscheidet.

Markt&Technik: Ein Großteil der Kontaktstifte, also der gestanzten Kontakte, wird heute am asiatischen Markt produziert. Ist das für die Kunden ein Problem?

Friedrich Wilhelm Hahne: In Europa ist das Anbieterfeld in den letzten Jahren stark geschrumpft. Und in China werden gestanzte Kontakte ausschließlich für den Massenmarkt gefertigt, was zum Beispiel die Abnahme gewisser Volumina bedingt. Die Mindestabnahmemenge ist auch bei gedrehten Kontakten oft ein Ausschlusskriterium. Daher kann es für Unternehmen durchaus zu einer Herausforderung werden, am Markt einen verlässlichen Dienstleister für hochwertige und dennoch preiswerte Kontaktstifte zu finden, der sie bei individuellen Projekten unterstützt. Das kann sogar so weit gehen, dass bewährte Steckverbinder-Baureihen abgekündigt werden müssen, weil Kontaktstifte einfach nicht zu vertretbaren Bedingungen zu bekommen sind! Gerade bei kleineren Projekten, die ja in Europa zahlreich angestoßen werden, ist der Einkauf in Asien nicht immer möglich oder wirtschaftlich vertretbar. Übrigens, ich stand in meinem vorherigen Tätigkeitsbereich, bevor ich zu Eucrea wechselte, wiederholt vor genau dieser Hürde.

Das Alleinstellungsmerkmal von Eucrea ist also die hohe Flexibilität bei der Fertigung von Kontaktstiften, die andere Anbieter so nicht bieten können?

Wir sind natürlich nicht alleine am Markt, aber wir bewegen uns doch in einer Nische. Als relativ kleine Firma sind wir so flexibel aufgestellt, dass wir beispielsweise Stückzahlen, Oberflächen oder Geometrien individuell nach Kundenwunsch fertigen können. Damit füllen wir eine Lücke, die in den letzten Jahren am Markt entstanden ist. Eucrea ist zu 100 Prozent ein Dienstleistungsunternehmen, wir suchen die direkte Zusammenarbeit mit unseren Kunden, begleiten und unterstützen daher oft sehr spannende und innovative Projekte. Wir verstehen uns als Manufaktur für Kontaktstifte. Und diese Art von Unternehmen ist in Europa tatsächlich sehr rar geworden.

Sie fertigen keine gestanzten oder gedrehten Kontakte, wie man sie heute überwiegend in der Industrie findet, sondern setzen auf das thermische Reißen. Können Sie das Verfahren erläutern?

Das thermische Reißen ist ein sehr bewährtes Verfahren zur Herstellung von Kontaktstiften. In den  80er Jahren war der Prozess noch gängiger, hat dann aber in den weiteren Jahren einen erheblichen Marktanteil gerade im Bereich der Massenprodukte abgeben müssen. Der Draht wird dabei zwischen zwei Kontaktpunkten fast zum Glühen gebracht, ähnlich wie man das von einer Glühbirne kennt, anschließend erfolgt der Trennprozess durch Ziehen bzw. Reißen. Die Kontaktspitzen, die dabei entstehen, sind von ihren Eigenschaften her besser als bei jedem anderen Verfahren.

Inwiefern sind die thermisch gerissenen Kontakte den gestanzten und gedrehten Kontakten überlegen?

Durch das Reißen wird die Kontaktspitze konvex geformt. Es entsteht also eine vollkommen übergangslose Verjüngung, die beim Design von Kontakten immer angestrebt wird. Dadurch ist der Kraftverlauf homogen. Das wirkt sich beispielsweise positiv auf die Steckkraft bei Steckverbindern aus, diese baut sich gleichmäßig auf. Steckverbindungen mit thermisch gerissenen Kontakten sind qualitativ hochwertig, und das im Zusammenspiel mit nahezu jeder Bauform von Kontaktbuchsen! Daher eignen sich die Kontakte auch für anspruchsvolle Applikationen, etwa in rauen Umgebungen oder mit Vibrationsbelastungen. Bei gestanzten Kontakten sind die Übergänge dagegen relativ scharf, es kommt natürlich zur unerwünschten Gratbildung, die wiederum während des Steckvorgangs zu unerwünschter Spanbildung führen kann.

Beim Stanzen von Kontakten kann man die geometrische Form frei wählen, das ist beim thermischen Reißen wahrscheinlich nicht möglich?

Das ist richtig. Aber wir können anderweitig sehr flexibel agieren: Wir können Drähte mit einer Vielzahl unterschiedlicher Durchmesser und unterschiedlicher Materialien verarbeiten. Es lassen sich auch vorveredelte Materialien einsetzen. Zudem haben wir uns in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit dem 3D-Biegen von Kontakten beschäftigt. Die ersten Projekte, zum Beispiel in S-Form gebogene Kontakte für eine Sensorik-Applikation, haben wir bereits umgesetzt. In diese Richtung werden wir uns auch weiterentwickeln. Unsere Stärke sind kundenspezifische Designs. Dafür haben wir eine eigene Entwicklungsabteilung aufgebaut. Denn uns ist auch bewusst, dass ein Unternehmensmodell, das sich allein auf die Herstellung von Kontaktstiften beschränkt, in unserem stark umkämpften Markt sich hohen Herausforderungen zu stellen hat.

Die Firma Eucrea hat ihren Standort in Polen. Wie wichtig ist der Standortvorteil?

Für unser Unternehmen, das allerdings unter deutscher Leitung steht, ist der Standort in Polen ideal. Das liegt nicht nur an den niedrigeren Löhnen, sondern auch an den steuerlichen Vorteilen, die wir nutzen können. Unser Geschäftsmodell, als europäische Firma eine hochwertige und dennoch preislich attraktive Alternative zu gestanzten Kontakten aus Asien anzubieten, scheint voll aufzugehen. Unser junges Unternehmen, das erst seit einigen Jahren am Markt ist, konnten wir sehr schnell weiterentwickeln, unter anderem den Bereich Biegen und Prägen sowie seit neuestem durch weitere Dienstleistungen, zum Beispiel Montagetätigkeiten, ausbauen.

Das Interview führte Corinna Puhlmann-Hespen


Eucrea - ein Unternehmen der FMB Group
Eucrea gehört zur FMB Group, die sich auf die selektive Veredelung von Schüttgut (Einzelteile), überwiegend mit Gold und Silber, spezialisiert hat. Durch ein von FMB entwickeltes Verfahren lassen sich zum Teil große Kostenvorteile beim Materialeinsatz bei der Oberflächenveredelung erzielen. Die FMB Group ist mit ihren  zwei Werken in Sternenfels und Langenberg der Marktführer in diesem Segment.

Eucrea auf der productronica 2015: Halle B2,  Stand 146