Markt&Technik-Forum »Aktuelle Trends bei passiven Bauelementen«

Die Marktteilnehmer sehen für 2017 kontinuierliches Wachstum auf dem deutschen Markt für passive Bauelemente
Die Marktteilnehmer sehen für 2017 kontinuierliches Wachstum auf dem deutschen Markt für passive Bauelemente

Stabil entwickelt sich der deutsche Markt für passive Bauelemente. Für Anwender bedeutet das keine steigenden Lieferzeiten und weitgehend konstante Preise. Die Produktionskapazitäten wurden weltweit dem steigenden Bedarf angepasst.

Einen gewisser Unsicherheitsfaktor stellen in den Prognosen für 2017 die geplanten Importzölle von US-Präsident Trump dar, auch wenn sich niemand vorstellen kann, dass es Schutzzölle auf passive Bauelemente geben wird.

Auch wenn passive Bauelemente für manche die »unsexiest products ever« sein mögen, ihre Hersteller erfreuen sich in den letzten Jahren eines sehr kontinuierlich wachsenden Geschäfts. Zwar wächst der deutsche Markt für passive Bauelemente in Summe nur im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich, doch für innovative Unternehmen und Spezialisten ist auch mehr drin. Wenn dann auch noch Währungseffekte dazu kommen, dann können die Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr auch schon mal zweistellig ausfallen. 

Zu den existierenden Projekten der letzten Jahre kommt nach Einschätzung von Uwe Reinecke, Regional Vice President Sales Central & East Europe, bei TTI, »immer mehr Geschäft im Beriech Home-Security hinzu, konkret vor allem Rauchmelder, aber auch Alarmanlagen und smarte Bedienungskonzepte«. Sein Kollege Dr. Thomas Ebel, Geschäftsführer der FTCAP, verweist auf die nach wie vor steigende Auftragslage im Bereich regenerativer Energien, aber auch das Thema E-Mobility nehme in Deutschland immer mehr Fahr auf. 

Ole Bjørn, General Manager bei Jianghai Europe Electronic Components, war das Jahr 2016 ein Jahr der Konsolidierung, »diese Entwicklung setzt sich auch im neuen Geschäftsjahr europaweit fort, ich würde sagen in einer dramatisch positiven Entwicklung«. »Wir können uns über zwei gesunde Jahre freuen«, pflichtet ihm Reinecke zu, »es ist ganz einfach ein über alle Applikationsbereiche stetig steigender Nachfragebedarf zu beobachten«. 

Mit einer der stärksten Treiber ist nach wie vor die Automobilbranche, und damit der Automotive-Bereich, wie Dr. Christiane Endrich, Managing Director der Endrich Bauelemente versichert, »auch das Diesel-Gate bei VW konnte dieser Entwicklung nichts anhaben. Die Elektrifizierung und Elektronifizierung des Autos schreitet ungebrochen fort, damit bleibt der Automotive-Bereich nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für passive Bauelemente jeder Art«.

Ob das langsam an Bedeutung gewinnende Thema E-Mobility in Zukunft zusätzlichen Schwung in das Geschäft mit passiven Bauelementen bringen könnte, darüber gingen die Meinungen unter den Diskutanten auseinander. Das Spektrum reichte von zusätzlichem Bedarf, bis zum Nullsummenspiel im Vergleich mit einem klassischen Verbrennungsmotor. Während Tobias Lauerer, Regional Sales Manager Central Europe bei Bourns E-Mobility in Europa und Deutschland nach wie vor für zu teuer hält, und damit eine Chicken-Egg-Problematik beschreibt, die sich auch durch die bisherige »staatliche Förderung«, des Elektroauto-Kaufs wohl kaum kurzfristig beheben lässt, sieht Annette Landschoof, Produktmanagerin Katalogredaktion Product Manager bei Schukat electronic, durchaus Chancen, und das nicht nur in Fahrzeugen der Oberklasse, entscheidend sei die Vermittlung des Fahrerlebnisses Elektromobilität. Ob daraus dann Zusatzgeschäft entstehen würde, müsse die Zukunft zeigen.

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Markt&Technik-Forumsdiskussion

Die Teilnehmer

Kontinuität gibt es beim Thema passive Bauelemente aber nicht nur in puncto Markt- und Umsatzentwicklung, sondern auch beim dominierenden Entwicklungstrend der letzten Jahrzehnte, der Miniaturisierung. Auch wenn die Wachstumszahlen im Smartphone-Bereich nicht mehr zweistellig sind, und auch die Verkaufszahlen bei Tablets nicht mehr dieselbe Dynamik wie in der Vergangenheit aufweisen, der Trend zur Miniaturisierung, versichert Reinhard Sperlich, Vice President Sales, bei Murata Europe, wird dadurch nicht gebremst: »In einem neuen Smartphone sind heute doppelt so viele Filter für LTE enthalten, als noch vor einem Jahr. Das Handy deshalb größer machen? Niemals«

Sein Kollege, Josef Vissing, Senior Vice President, Head of Sales Germany, Netherlands Switzerland, bei TDK Europe, sieht das genauso: »Auch wenn die zweistelligen Wachstumsraten bei den Smartphones wohl der Vergangenheit angehören, so bleibt diese Technologie doch ein Treiber der Miniaturisierung. Denken Sie an das Thema Internet of Things und Wearables, da will doch niemand mit einem großen Handy in der Tasche rumlaufen oder zum Joggen gehen«. Sperlich verweist auf Pläne, etwa die Apple-Watch in Zukunft durch weitere Funktionen aufzurüsten: »Da werden weitere Sensoren reinkommen und alles, was da außen rum Stützfunktionen hat, wie passive Bauelemente, oder die Batterie muss kleiner werden, aber gleichzeitig die Performance steigern«.

Man hole aus immer kleineren Bauelementen die Leistung der vorherigen, größeren Bauteile raus, pflichtet Olaf Lüthje, Vice President Regional Sales, bei EMEA Vishay, bei: »Zwar glaube ich nicht, dass die Automobilleute irgendwann ein ABS-System mit Bauteilen der Größe 0201 realisieren wollen, aber die träumen durchaus von 1 W in 0603, das bedeutet schlicht, dass sich die Leistungsdichte erhöhen muss«. Dr. Ebel wirft ein, dass sich diese Entwicklung nicht nur auf kleine Kondensatoren beschränkt, »diese Anforderungen treffen auch auf größere Bauteile zu, die Energiedichte wird nach oben geschraubt, die Abmessungen werden kompakter«. 

»Die Miniaturisierung schreitet im Bereich der passiven Bauelemente auf der gesamten Bandbreite fort«, fügt Vissing hinzu, »nehmen Sie beispielsweise einen Solar-Inverter. Wenn der früher 30 kW geliefert hat, dann sind das heute 60 kW, aber das in der gleichen Baugröße«! Ohne einen entscheidenden Beitrag im Bereich der Miniaturisierung passiver Bauelemente, so der TDK-Manager, wäre so etwas nicht möglich. 

Sperlich weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Automotive-Industrie aufgrund ihrer längeren Entwicklungszyklen oft an Baugrößen hänge, die für Hersteller wie etwa Murata zunehmend an Bedeutung verlieren. »Ein 0805 mit 100 nF, ist für uns irgendwann nicht mehr relevant, das gibt es heute in 0201, wer hier nicht mit der Zeit geht, wird irgendwann umdesignen müssen«. Er verweist darauf, dass die Automobilbranche vielleicht nicht vom Platz her zum Einsatz immer kleinerer Bauteile gezwungen wird, aber über die Marktverfügbarkeit bestimmter Bauteilgrößen, »vor ein paar Jahren hieß es noch, es führe kein Weg zu 0402 im Auto, heute ist diese Bauteilgröße Standard«!