Markt&Technik Forum "Distribution" Woher kommt das (fast) unerklärliche Wachstum?

Forum Distribution 2017
Das Markt&Technik Forum "Distribution & Supply Chain" - diesmal auf dem Markt&Technik Spitzentreffen.

Goldgräberstimmung in der Elektronik-Industrie: Distributoren und Hersteller berichten von einer Book-to-Bill-Rate von 1,2 für Zentraleuropa und einem Wachstumsanstieg seit Jahresbeginn, dessen Ursprung mit dem üblichen Argumentarium kaum zu erklären ist. Was steckt dahinter?

Dieser Frage gingen Distributoren, Komponenten-Hersteller und EMS-Firmen im Forum “Distribution & Supply Chain” auf den Grund. 

In der Vergangenheit sei stets eine Branche einem negativen Trend gefolgt, stellt Johann Weber fest, Vorstandsvorsitzen der von Zollner Elektronik. »Seit einem halben Jahr wachsen nun alle Branchen: Datentechnik, Messtechnik, Medizintechnik, Industrie und so weiter. Heute treibt nicht mehr eine einzelne Killerapplikation den Bedarf«. Im Zuge von IoT, Industrie 4.0 und Connected Cars schießen neue Applikationen wie Unkraut aus dem Boden und der Bedarf an Elektronik-Hardware steigt rasant. »Mit Blick auf  Deutschland verzeichnen wir seit 2009 außerdem eine kontinuierliche Steigerung des Exports. Gleichzeitig hat der Import abgenommen«, so Weber weiter.

Wie Umfragen und Studien belegen, wird inzwischen wieder mehr Elektronik für den hiesigen Markt auch direkt in Deutschland bzw. Zentraleuropa produziert. Die Automatisierung der Produktion macht vermeintlich “schlechtere” Standortbedingungen und höhere Lohnkosten wett. Der DMASS Report, in dem der Absatz von Halbleitern in Europa dokumentiert wird, spiegelte das in den letzten Jahren nicht unbedingt wider – hier war vor allem in Osteuropa eine stetige Zunahme zu sehen, während Deutschland seit Jahren im Absatzwachstum von Halbleitern “hinterherhinkte”. Aber auch dafür hat Georg Steinberger, VP Communications von Avnet, eine Erklärung: »Man muss bedenken, dass ein Großteil des Wachstums in Osteuropa durch deutsche Firmen getriggert wird.« Das zeigt sich zum Beispiel anhand der deutschen EMS-Industrie. Fast alle Top-Ten EMS aus Zentraleuropa haben inzwischen auch eine Tandem-Fabrik in Tschechien, Rumänien, Ungarn oder Polen.

Das Auto als IoT-Knoten

Auch die Automoblindustrie leistet ihren “Beitrag”, um den Elektronik-Absatz anzufachen: »Durch das Diesel-Gate ist die Automobilindustrie gezwungen, zu investieren. Das pusht natürlich auch die Elektronik-Industrie«, argumentiert Karsten Bier, CEO von Recom. »Zumal Elektronik nun auch zum “Aufhübschen” von Autos benutzt wird, um den Kunden einen Mehrwert zu suggerieren, so dass sie trotzdem ein Diesel-Fahrzeug kaufen«, meint Joachim Kaiser, Vertriebsleiter von Glyn. Ob nun “Beischmuck für Ladenhüter”, Steigerung der Credibility der Auto-Industrie oder technologische Weiterentwicklung – Fakt ist: »Das Auto ist der komplexeste Knoten, den wir im Internet haben werden. Der Value Added, der künftig ins Auto einfließen wird, ist gewaltig«, fasst Lutz van Remmen zusammen, Sales Director Distributon Zentraleuropa und Osteuropa von NXP. Teilweise sind Mehrwert-Features im Auto gar keine Option mehr, sondern die Konsequenz aus Sicherheits-Regularien. Und auch die werden künftig weiter zunehmen.