Farnell »Wir haben uns zum High-Service-Distributor entwickelt«

Bodo Badnowitz, Farnell: »Nicht nur für unsere Kunden auch für unsere Lieferanten ist die Community interessant wegen des direkten Kundenkontaktes.«
Bodo Badnowitz, Farnell

Die online Bestellungen liegen bei Farnell bei über 50 Prozent. Dennoch will der Katalogdistributor seine Kunden nicht in einen bestimmten Kanal drängen und so bleibt der Papierkatalog auch erst mal bestehen, wenn auch die Auflage der Nachfrage angepasst wird, erklärt Bodo Badnowitz, General Manager DACH von Farnell.

Markt & Technik: Die Katalogdistribution in Europa und natürlich dementsprechend in Deutschland ist heiß umkämpft. Was setzt Farnell dagegen?

Bodo Badnowitz: Wir setzten element14 als Technologieplattform und Community dagegen, denn nicht nur der Verkauf des Produktes ist meiner Meinung nach wichtig, sondern der zusätzliche Service und die neuesten Informationen. Mit dem „element14 knode“ haben wir vor kurzem außerdem eine Design-Automation-Plattform auf den Markt gebracht. Damit können Elektronikentwickler über eine einzige Plattform schnell Design-Lösungen suchen, identifizieren und kaufen. Knode steht für Knowledge for Design Engineers und soll den kompletten Design-Flow vom Konzept bis zur Produktion unterstützen. (Anm. d. Redaktion: mehr Informationen zum element14knode stehen im Kastentext im Anschluss.)

Was muss ein Katalogdistributor also bieten, um am Markt bestehen zu können?

Wir als Katalogdistributor haben uns ja zum High-Service-Distributor weiterentwickelt. Das heißt für uns, ein Katalogdistributor muss die neuesten Technologien bieten, aber gleichzeitig auch sehr schnell reagieren können, wie im Fall der Katastrophe von Japan.

Innerhalb kurzer Zeit haben wir über die element14 Plattform die Informationen zur Verfügung gestellt, die wir von den Herstellern bekommen haben. War ein Kunde nicht sicher, ob z.B. ein Produkt von Ihm betroffen war, konnte er dort nachsehen. Auf Basis dessen haben wir sogar personalisierte Informationen an den Kunden verschickt, in denen wir aufgelistet haben, was der Kunde bei uns gekauft hat und was schwer verfügbar war. Soweit ich weiß, hat kein anderer Distributor so schnell reagiert und informiert – und das ist nach meiner Definition wirklich »High Service«.

Warum ist die lokale Nähe eines Katalogdistributors wichtig?     

Eine lokale Nähe, also z.B. eine Niederlassung in Deutschland, vermittelt dem Kunden das Gefühl, dass wir den Markt kennen und die Bedürfnisse der Kunden direkt aus erster Hand erfahren. Wir sprechen die Sprache des Kunden und können somit in allen Bereichen - zum Beispiel Technik, Angebotsabteilung, Auftragsannahme oder Außendienst mit Muttersprachlern aufwarten.

Wie umfangreich ist der Lagerbestand?

Unsere generelle Zielsetzung ist es, unsere Produkte direkt auf Lager zu haben, um eine Lieferung am nächsten Arbeitstag auch garantieren zu können. Zusätzlich zu unserem eigenen Lagerbestand liefern wir auch noch 200.000 Produkte direkt vom Hersteller.

Der Lagerbestand wird natürlich auch der Nachfrage angepasst. Dieses System kommt nur bei einer Katastrophe wie in Japan kurzfristig ins Schwanken, wenn Produkte auf einmal allokiert sind.

Bleiben wir gleich beim Beispiel Japan: Wir haben sehr schnell mit unseren Herstellern auf www.element14.com eine Plattform eingerichtet, wo genau die neuesten Informationen zu den betroffenen Produkten ersichtlich waren und der Kunde bei Bedarf nach Alternativen suchen konnte bzw. kann.

Wie hoch ist der Anteil der verschiedenen Vertriebskanäle?

Bei Online-Bestellungen liegen wir bei über 50%, dafür spielt das Telefon eher eine untergeordnete Rolle mit unter 6%. Aber generell liegt es natürlich in der Hand des Kunden, wie er bei uns bestellt. Wir bieten mit unserem Außendienst, Telemarketing, Telesales und technischen Support außerdem weitere Ansprechpartner an, an die sich der Kunde wenden kann.

Lohnt sich denn ein Print Katalog dann überhaupt noch?

Sie haben Recht, bei so viel online-Angebot stellt sich die Frage nach einer Papierversion. Ja, der Katalog besteht derzeit weiter, doch haben wir bereits in der Vergangenheit die Auflagenhöhe der Nachfrage angepasst. Was man zusätzlich nicht vergessen darf ist, dass der Papierkatalog nur eine Auswahl an Produkten enthalten kann. Wenn wir unseren Kunden laufend die neuesten Technologien bieten wollen, dann ist das online einfach viel schneller und vor allem vollständig, denn wir ergänzen unsere Angebot im Web um 700 neue Produkte pro Woche.

Inwieweit arbeiten Sie bei technischen Fragen mit den Herstellern zusammen?

Wir arbeiten hier sehr eng mit den Herstellern zusammen. Inhouse leisten wir einen »Fist Level Support«. Für den »Second Level Support« kommen dann neben unserem Produktmarketing auch die Hersteller und internationale Spezialisten mit ins Boot. Pro Wochen sprechen wir von circa 400 Anfragen.

Und wie viele Mitarbeiter bewerkstelligen weltweit diesen technischen Support bei Farnell?

Das kann ich nicht genau in eine Zahl fassen, denn wir sprechen hier einerseits von Kollegen, die für die Regionen/Länder arbeiten, andererseits können wir innerhalb der Organisation auch auf viele Experten zugreifen, die europaweit, international oder global tätig sind. Global sind es etwa 70 bis 80 Mitarbeiter.