Interview Wie geht es weiter bei MSC-Gleichmann?

Lothar Kümmerlin, CEO der MSC Gleichmann-Gruppe (rechts im Bild), und Manfred Schwarztrauber, Chairman der MSC Gleichmann-Gruppe
Lothar Kümmerlin, CEO der MSC Gleichmann-Gruppe (rechts im Bild), und Manfred Schwarztrauber, Chairman der MSC Gleichmann-Gruppe

»Perspektivisch nach vorne«, so lautet das Motto der MSC-Gleichmann nach Bekanntgabe der geplanten Akquisition durch Avnet. Über die nächsten Schritte sprach Markt&Technik mit Manfred Schwarztrauber, Chairman der MSC Gleichmann-Gruppe, und Lothar Kümmerlin, CEO der MSC Gleichmann-Gruppe.

Markt&Technik: Wie ist heute der Stand der Dinge, und was sind die nächsten Schritte?

Die Verträge mit Avnet und Schubert wurden bereits notariell beurkundet. Beide Transaktionen sind miteinander gekoppelt und abhängig von der Zustimmung der EU-Kartellbehörden in Brüssel. Bis zur Entscheidung der Europäischen Kommission ändert sich nichts in unserem Unternehmen! Es gilt »business as usual«. Wir konzentrieren uns – wie immer – auf die Anforderungen unserer Kunden und Hersteller und neue Aufträge und Design-Ins. Alle aktuellen und zukünftigen Vorgänge bearbeiten unsere MSC-Gleichmann-Teams auch weiterhin mit höchster Professionalität.  

Bis zur Zustimmung der EU-Kartellbehörde sind Avnet und MSC Gleichmann unabhängige Mitbewerber. Nach der Kartellfreigabe wird Avnet zunächst eine Mehrheitsbeteiligung an MSC/Gleichmann erwerben. Der derzeit avisierte Zeitpunkt dafür ist Anfang Oktober, wobei das jedoch in der Hand der Europäischen Kommission liegt. Für die restlichen Anteile wurden Erwerbsrechte vereinbart. Wenn diese Erwerbsrechte ausgeübt werden, wird Avnet alleinige Gesellschafterin der MSC. Wir werden Sie hierüber auf dem Laufenden halten.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Wir sehen in der Einbindung in den Avnet-Konzern eine große Chance, Produkte und Dienstleistungen von MSC und Gleichmann noch besser zu positionieren. Wir haben als Design-In-Haus dank unserer tiefen Engineering-Kompetenz eine hohe Anerkennung in den Bereichen beratungsintensive Bauelemente-Distribution, Embedded Computer Technologies und Display Solutions erlangt. Darüber hinaus sind wir in der Lage, komplette Subsysteme zu entwickeln und zu fertigen. Jetzt haben wir die Chance, noch schneller in unseren Zielmärkten zu wachsen, vor allem in Europa. Avnet kann durch die Akquisition strategische Lücken in seinem Portfolio schließen und sein Geschäft vor allem in diesen drei Bereichen erweitern. Zu erwähnen ist auch, dass die unternehmerischen Kulturen beider Unternehmen recht gut zusammenpassen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Die nächsten Schritte sind die Nutzung des in der MSC Gleichmann-Gruppe vorhandenen Know-hows durch Avnet und die optimale Koordination der Linecards. Die Ziele sind klar definiert: neue, innovative Angebote bei Produkten und Dienstleistungen, optimaler Kundenservice und, daraus resultierend, beschleunigtes Wachstum. Dies betrifft insbesondere das Display-, Embedded- und Systemgeschäft. Der Standort Stutensee wird nach wie vor die Zentrale der MSC-Gruppe sein. Die dedizierten Bereiche wie Logistik, Programmierservice, R&D und Produktion, um einige Teile zu nennen, sollen ausgebaut werden. Vertriebs- und Marketing-Strukturen für ausgewählte Distributionslinien werden ebenso zur Standortsicherung in Stutensee beitragen.

Wie sieht die weitere Vorgehensweise von Avnet mit der MSC Gleichmann konkret aus?

MSC Gleichmann soll als ein separater Geschäftsbereich der Avnet, also als Speedboat – mit den Schwerpunkten Embedded, Displays und Special-Distribution wie Batterien, LED Lighting u.a. – organisiert werden. Das Speedboat-Modell von Avnet umfasst eine Gruppe sehr erfolgreicher Spezial-Distributoren, die nach Technologien organisiert ist: EBV Elektronik, Silica, Avnet Memec und Avnet Abacus. Die Speedboats operieren eigenständig als Business Units; insofern bleibt die Selbständigkeit erhalten.

Wird MSC mit Avnet Embedded verschmolzen?

Die MSC Gruppe soll als separate Einheit mit den obigen Schwerpunktthemen vollumfänglich erhalten bleiben. Soweit wir von Avnet wissen, bleibt Avnet Embedded ein unabhängiger Geschäftsbereich – Speedboat – mit Schwerpunkt auf Westeuropa.

Verschwindet das Branding »MSC« vom Markt?

Die MSC Gleichmann-Gruppe ist seit vielen Jahren bei Kunden, Herstellern und Lieferanten als angesehener und technisch versierter Partner bekannt. Die Marke »MSC« ist sehr gut im Marktumfeld etabliert und stellt somit auch einen festen Bestandteil in der zukünftigen Strategie bei der Einbindung in den Avnet-Konzern dar.

Wie haben die Mitarbeiter auf den Verkauf reagiert?

Die meisten Mitarbeiter erkennen die Möglichkeiten, die es bringt, Teil eines starken Konzerns zu sein – sowohl in der eigenen langfristigen Perspektive als auch in der unmittelbaren Arbeit, nämlich die Produkte und Technologien von MSC Gleichmann im Markt noch besser zu platzieren.  

Gibt es schon eine Planung, was mit den MSC-Standorten passiert?

Es bestehen keine  Planungen, Entwicklungs- und Produktionsstandorte zu verlagern. Die Neuausrichtung und lokale Präsenz des Unternehmens, bezogen auf den allgemeinen Distributionsbereich, wird im Zuge der gemeinsamen Evolution zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Das wird natürlich unter Berücksichtigung der optimalen Nutzung von bestehendem Know-how und Synergien erfolgen.

Wie geht es mit der MSC Tuttlingen weiter?

Im Rahmen der geplanten Ausgliederung soll die MSC Tuttlingen GmbH als Schubert System Elektronik GmbH firmiert werden. Nach wie vor bleiben alle mit dem MSC Gleichmann-Konzern vereinbarten langfristigen Partnerschaftsverträge gültig.
Abschließend die Anmerkung: Aufgrund der kartellrechtlichen Überprüfung müssen wir derzeit noch Zurückhaltung bei unserer Informationspolitik üben.