Hilfe vom Distributor Wie der Mittelstand Industrie-4.0-fit wird

Viele Großunternehmen sind bereits auf den Industrie-4.0-Zug aufgesprungen. Der industriellen Mittelstand hinkt dagegen noch hinterher. Wer hilft bei der Umsetzung? Einige Distributoren haben sich das Thema "Industrie 4.0" auf die Fahnen geschrieben. Sie geben "Starthilfe" und unterstüzten von der Hardware bis hin zur Embedded Soft- und Middleware.

»Industrie 4.0 hat zweifelsohne Potenzial, auch wenn sich heute erst schwer abschätzen lässt, wohin die Reise gehen wird«, bekräftigt Gerald Meier, Marketing Manager Central Europe von Future Electronics. »Ein Veränderungsprozess im Maschinenbau und in der industriellen Fertigung ist bereits in vollem Gange, und zwar nicht erst, seit der Begriff für die vierte industrielle Revolution neu geprägt wurde.« So stellt Andreas Mangler, Director Strategic Marketing und Line Management von Rutronik, bereits eine starke Nachfrage in Zusammenhang mit Industrie 4.0 fest: »Dabei geht es meistens um Teilaufgaben bzw. Themen innerhalb des gesamten Szenarios. Am Beispiel der Wireless-Produkte sieht man das ganz deutlich. Unsere Kunden fragen verstärkt nach multifunktionalen Komponenten, die neben der Host-MCU die Lokalisierung, Kommunikation und Identifikation auch noch erledigen.«

Die Aufbruchsstimmung muss jetzt noch richtig kanalisiert werden auf dem Weg zum industriellen Kunden, und das vor allem im Mittelstand. Dort entwickelt sich nach den Worten von Meier und weiteren Branchenvertretern die Nachfrage erst langsam, und es wird durch die Art der Fragestellung deutlich, dass die Unternehmen dabei sind, das Gesamtkonstrukt Industrie 4.0 zu eruieren und zu begreifen. Ein Knackpunkt und Hemmschuh ist die hohe Diversifizierung der Industrie 4.0, die das Thema technisch sehr komplex und vielschichtig macht. Ob optimierte Prozesssteuerung, Automatisierung oder die intelligente Planung von Ressourcen – der Einsatz von Software, Kommunikationstechnik, Messtechnik, Sensorik und Embedded-Systemen in der Industrie 4.0 ist vielfältig. Aber wie kommt der Kunde von den einzelnen Komponenten zu einem Industrie-4.0-fähigen System? Genau an diesem Punkt kommt die Distribution ins Spiel, die in ihrem Geschäftsmodell ohnehin bereits viele Teilprozesse der Industrie 4.0 auf vielfältige Weise unterstützt, wie Andreas Mangler erklärt:  »Viele unserer Kunden nutzen diese Ressourcen der intelligenten Vernetzung, zum Beispiel Logistik, noch nicht vollständig. Deshalb ist das Potenzial sehr groß, mit Hilfe unserer Dienstleistungen neue Prozesse zu etablieren, die die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden steigern.«

Die Wettbewerbsvorteile, die der mittelständische Unternehmer aus neuen vernetzten und intelligenten Produktionsumgebungen hat, müssen allerdings vielfach erst aufgezeigt werden. Ein Distributor kann dabei über die Vielzahl seiner Franchise-Partner helfen, Aufklärungsarbeit zu leisten und einen schnellen Überblick über das Angebot an einzelnen Komponenten und Gesamtlösungsansätzen zu vermitteln, damit die heutigen Visionen zur Realität werden. Die dafür nötigen Lösungsansätze und Produkte umfassen eine große Bandbreite an Disziplinen. »Schließlich gilt es, Informations-, Kommunikations-, Automatisierungs- und Produktionstechnologien miteinander zu verschmelzen, so dass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Projektentwicklung gefordert ist«, gibt Meier zu bedenken.

Als ein wichtiger Bestandteil von Industrie 4.0 gilt beispielsweise die Internetkommunikation, die unter der Bezeichnung »Internet of Things« längst in die Produktionstechnik Einzug gehalten hat. Gerade in der Kommunikation von Endprodukten mit dem Internet sieht Meier mittelfristig den größten Bedeutungszuwachs in Zusammenhang mit Industrie 4.0. Durch die Integration aufwendiger Kommunikationsprotokolle in das Embedded-System werden nach Ansicht von Patrick Delmer, Business Development Manager von Arrow, auch die Anforderungen an Prozessorperformance und integrierter Speichergröße deutlich steigen. »Das wird dem Preisverfall im 32-Bit-MCU-Segment entgegenwirken. Gleichzeitig erhöht sich für die Distribution der Support-Aufwand. Auch Embedded-Software und Middleware muss der Distributor künftig unterstützen, um eine ganzheitliche Lösung anbieten zu können«, fordert der Arrow-Experte.

Zuständig für die Industrie 4.0 sind bei allen befragten Distributoren interdisziplinäre Teams. Bei Rutronik setzt sich das hauptsächlich aus GPS- und Wireless-Spezialisten, Analog&Mixed-Signal-Experten und dem Power-Team zusammen. Arrow hat die Industrie 4.0 in seiner Embedded-Strategie verankert und ein europäisches Kompetenzteam dazu ins Leben gerufen, das ebenfalls aus Spezialisten zu einzelnen Technologien besteht. Schwerpunkte sind die drahtlose Kommunikation und Prozessoren mit Modul-Lösungen und Software.
Aber um den (mittelständischen) Kunden für das »System« Industrie 4.0 zu begeistern, ist es nach den Worten von Delmer wichtig, nicht nur Hardware-Komponenten vorzustellen. »In unseren Workshops und Seminaren sind daher Software- und Cloud-Aspekte integraler Bestandteil.« Ergänzt wird diese Kompetenz bei Arrow von einem Partnernetzwerk, das die Kunden etwa in Fragen zu Internet-Diensten & TCP/IP berät.

Software-Entwicklungspartnerschaften bzw. -Ressourcen gibt es auch bei Future und Rutronik, denn ein kritisches Thema in dem Zusammenhang ist die Datensicherheit, was ja vor allem die Software betrifft. Aber auch auf Hardware-Ebene spielt die Datensicherheit eine Rolle; laut Delmer aber meist noch nicht auf der Sensor-Seite der Applikation, sondern auf der Ebene des Kommunikationsmoduls, das die Verbindung zur Cloud bzw. dem Internet herstellt: »Unsere Lieferanten tragen diesen Anforderungen mit zusätzlichen Hardware-Kryptografielementen Rechnung. Hierzu gehören OTP-Speicher für Schlüssel, AES128 Encrypt/Decrypt Accelerators, Random Number Generators und dedizierte Authentifizierungs-ICs, die neben einer MCU eingesetzt werden«, so Delmer. »Viele neue Microcontroller, basierend auf dem ARM-Cortex-M-Kern, sind in den letzten Monaten auf den Markt gekommen oder in Planung. Spezielle Derivate, die zum Beispiel für Smart-Energy-Anwendungen entwickelt wurden, haben auch in Industrie-4.0-Anwendungen hohes Potenzial«, so Delmer.