Distribution im Wandel Wer sich nicht anpasst, stirbt aus

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Markt&Technik

Was hat die Distribution mit Darwins Evolutionslehre zu tun? Oberflächlich betrachtet eine ganze Menge. Ein Kommentar.

Kaum ist die MSC-Übernahme durch Avnet abgeschlossen, will die Gerüchteküche der Branche schon wieder über neue Akquisitionspläne informiert sein. Nun, da gilt wie so oft das alte Sprichwort: »Die Leute reden viel, wenn der Tag lang ist«. Nicht jedes Gerücht bestätigt sich, aber oft steckt zumindest ein Fünkchen Wahrheit im Kern. Es bleibt also spannend.

Aber unabhängig davon: Der Wandel, in dem sich die deutsche und damit auch die europäische Distribution befindet, ist offensichtlich und war auch einer der Diskussionspunkte auf dem Markt&Technik Forum »Die Zukunft der Distribution«, zu dem sich Ende März Distributoren, Hersteller und EMS-Unternehmen in unserem Verlagshaus trafen. Das Ergebnis dieser Diskussion war durchaus differenziert und die Meinungen, ob und inwieweit sich ein neues Branchenbild formiert, gehen auseinander und reichen von „Business as usual“ über „Die Branche stand noch nie still“, bis hin zu „Kräftige Veränderungen sind im Gange“.

Aber wie man es dreht und wendet, fest steht: Ein »Alles prima, weiter so!«, könnte für so manchen Distributor gefährlich werden, wenn er auch morgen noch erfolgreich in Europa agieren will. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Auf der einen Seite drängen »neue« Distributoren wie Macnica in den europäischen Markt – neu ist Macnica freilich nicht, aber in Europa bisher ein kleines Licht, dafür in Japan umso erfolgreicher. Und was man nicht organisch zugewinnen kann, wird eben zugekauft. Macnica zeigte sich in den letzten Jahren jedenfalls sehr einkaufsfreudig – und weitere Übernahmen sollen folgen, um das Europageschäft anzukurbeln.

Auch die Großen Zwei, Avnet und Arrow, haben sich in Position gebracht. Sie waren in den letzten Jahren kräftig auf Shopping-Tour unterwegs und haben sich Marktanteile in Bereichen zugekauft, in denen sie bisher nicht so stark waren. Arrow sucht seinen USP zudem mit Mehrwert-Dienstleistungen jenseits des klassischen Komponentengeschäfts und hat hier mehr oder weniger unbemerkt von der (europäischen) Öffentlichkeit kräftig zugekauft. Durch die Übernahme von MSC ist Avnet wiederum ein sehr geschickter Schachzug gelungen, um die Konkurrenz in Europa auf Abstand zu halten. Zieht Arrow jetzt nach? Und wenn ja, wer kommt als Übernahmekandidat in Frage? Womit wir dann wieder in der Gerüchteküche angelangt wären.

Und schließlich sind da noch die Katalogdistributoren - ob mit oder ohne Katalog, sei an dieser Stelle einmal vernachlässigt. Was viel interessanter ist als die Frage nach der Zukunft des Katalogs ist die Tatsache, dass Digi-Key, Mouser und Farnell ihren Aktionsradius ausgedehnt haben in Richtung der kleinen und mittelgroßen Produktionsvolumina, eigentlich die Domäne kleiner und mittelgroßer Distributoren. Allen Unkenrufern sei gesagt: Digi-Key praktiziert dieses Modell bereits erfolgreich in den USA. Warum also sollte es nicht auch in Europa funktionieren?

Aber um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Die Konkurrenz schläft nicht – quod erat demonstrandum. Die Belege dafür liegen längst auf dem Tisch. Und wer sie nicht sehen will, dem könnte es so gehen wie einst den Dinosauriern: Wer sich nicht anpasst, stirbt aus, ganz nach dem Darwinschen Leitsatz: „Survival of the fittest“.