FBDi gibt sich kritisch Was bringt 2009?

Der FBDi beurteilt die Auswirkungen der Finanzkrise und die Reglementierungswut der Europäischen Union kritisch. Der Markt werde auf lange Sicht unter Druck bleiben, mit weiteren Konsolidierungen auf Kunden-, Hersteller- und Distributionsseite.

Die weltweite Finanzkrise reißt die sich abschwächende Bauelementekonjunktur in Europa noch weiter in die Krise und lässt damit auch die Distribution nicht außen vor. Schon 2007 war ein vergleichsweise flaches Jahr für die Komponentendistribution. In 2008 hingegen musste die Branche ein Minus von 7 bis 8 Prozent hinnehmen, in manchen Ländern sogar ein zweistelliges Minus. Die Aussichten für 2009 sind nicht minder trübe.

»Der Auftragseingang - die Aussicht auf künftige Umsätze - ist schwach, viele Abnehmerbranchen schrecken ihre Supply-Chain mit Drohungen die Produktion, und damit langfristig auch zu einem großen Teil die Entwicklung, ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. 2009 wird der Markt kontrahieren, die Frage ist nur wie stark und mit welchen Konsequenzen für die gesamte Industrie«, so Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender FBDi e.V.

Europas Anteil an der weltweiten Elektronikindustrie schrumpft weiter. Computer- und Kommunikationsindustrie - die rund 60 Prozent des weltweiten Komponentenverbrauchs ausmachen - finden fertigungstechnisch schon lange nicht mehr in Europa statt. Consumer Electronics, ein weiterer Wachstumstreiber, passiert ebenfalls in Asien. Bleiben zwei Bereiche, in denen Europa eine wichtige Rolle spielt: Automotive und Industrie. »Diesen beiden Branchen ist es zu verdanken, dass Europas Anteil am weltweiten Komponentenmarkt überhaupt noch bei 15% liegt«, meint Georg Steinberger. Allein die deutsche Autoindustrie steht für 25 Prozent des weltweiten Bedarfs für Automotive-Halbleiter. Und die deutsche Industrieelektronik spielt in all ihren Facetten ganz vorne mit. »Wie lange das noch so bleibt, ist abzuwarten«, so Steinberger. »In der Automobilbranche samt Zulieferern macht sich spätestens mit der jetzigen Krise eine Aufbruchstimmung bemerkbar, deren Folgen für den europäischen Elektronikmarkt durchaus radikal sein können. Mehr Elektronik ja, aber nicht in Europa gefertigt.«

Daraus lässt sich - Krise hin oder her - schnell ableiten, dass das künftige Wachstum des Komponentenmarkts an Europa vorbeigehen könnte. Entwicklungen mögen nach wie vor hier laufen, Entscheidungen hier getroffen werden. Die Fertigung der Elektronik und damit der Markt finden allerdings anderswo statt. Was übrig bleibt: Weniger Markt, weniger Entwicklung, weniger Interesse der Komponentenhersteller. »Für immer mehr von ihnen spielt die Musik in Asien, Europa wird zu einer reinen sub-strategischen Vertriebsregion, die keinerlei Rechtfertigung für eine Betreuung durch eine eigene Sales-Force bietet«, befürchtet Steinberger.