Conrad »Unsere Stoßrichtung geht klar in Richtung B2B«

Das zentrale Conrad-Lager 
in Wernberg-Köblitz
Das zentrale Conrad-Lager in Wernberg-Köblitz

Mit seinem Marktplatz geht Conrad seit einem Jahr neue Wege in der B2B-Distribution: Nicht nur das eigene Sortiment ist dort erhältlich, sondern auch andere Distributoren können Seller werden. Holger Ruban, CEO von Conrad, zieht Bilanz und wirft einen Blick in die Zukunft.

Markt&Technik: Zur embedded world 2017 wurde der Conrad B2B Marketplace aus der Taufe gehoben. Wie lautet Ihr Fazit nach gut einem Jahr?

Holger Ruban: Der Conrad Marketplace entwickelt sich sehr dynamisch. Wir haben derzeit etwa 1,2 Millionen Produkte auf dem Marktplatz gelistet und wir wachsen von Monat auf Monat umsatzmäßig bis zu 30 Prozent.

Was gab es seit dem Launch noch nachzujustieren?

Wir haben die Geschwindigkeit nochmal nach oben gezogen, indem wir auf die Goo­gle-Cloud gegangen sind. Mit dieser Maßnahme konnten wir die Performance um etwa 30 Prozent steigern und sind jetzt im Top-Quadranten angelangt. Derzeit verbessern wir noch weitere technische Gegebenheiten, etwa den Filtermechanismus, um die Suche für Ingenieure deutlich zu erleichtern.

Wie viele Seller haben Sie derzeit?

Wir sind derzeit bei über 50. Zum Beispiel kam Future mit eigener Lagerware hinzu. Und wir haben eine riesige Pipeline an KMUs, die demnächst dazukommen werden.

Wie schnell wird geliefert?

Wir wollen, dass alle Produkte, die über den Markplatz bestellt werden, innerhalb von 48 Stunden beim Kunden sind, bei unseren eigenen Produkten bieten wir sogar 24 Stunden Standard-Versand an.

Welche Regionen können über den Marketplace beliefert werden?

Derzeit sind wir mit dem Conrad Marketplace in Deutschland aktiv.

Werden Sie auch mehr in die Volumenlieferung gehen?

Nein, das haben wir zumindest derzeit für das Jahr 2018 nicht vor. Wenn ein EMS industrielle Mengen bei uns beziehen möchte und wir haben die Ware vorrätig, dann bekommt er sie natürlich.

Wie hat sich das Geschäft von Conrad Business Supplies in den letzten zwölf Monaten entwickelt?

Wir konnten das B2B-Geschäft in den letzten fünf Jahren auf europäischer Ebene mehr als verdoppeln und sind in den letzten Jahren immer zweistellig gewachsen. In Deutschland sind wir 2017 in etwa 10 Prozent gewachsen. Insofern sind wir sehr zufrieden. Insbesondere Osteuropa läuft außergewöhnlich stark mit Zuwachsraten deutlich über 30 Prozent. Hier liefern wir über unsere Tochter SOS Electronic auch in die Produktion. Aber dort findet flächendeckend auch viel Entwicklung statt und somit treffen wir auch dort unsere angestammte Klientel.

Und was ist mit dem B2C-Geschäft vor dem Hintergrund sinkender Margen und dem Konkurrenzdruck großer Online-Portale?

Das Umfeld ist hier natürlich sehr kompetitiv und das Filialgeschäft steht insgesamt unter Druck. Grund hierfür ist die stetige Verlagerung von Präsenz- hin zu Online-Geschäft, was sich in Zukunft wohl auch noch verstärken wird. Das heißt auch für uns, dass wir das B2C-Geschäft restrukturieren müssen.

Wollen Sie das B2C-Geschäft ganz aufgeben?

Nein, das sicher nicht. Aber das B2C Geschäft ist unter Druck. Wir sehen daher die Zukunft im B2B-Geschäft und werden die nächsten zwei Jahre noch massiver im B2B-Geschäft investieren, sowohl in Personal als auch in Bezug auf die Technologien. Unsere Stoßrichtung geht klar in Richtung B2B. Ein Ziel dabei ist, mehr Produkte auf Lager zu nehmen und dadurch eine noch höhere Liefer-Performance zu erzielen.

Business Supplies gab unlängst die Meldung „20-jähriges Jubiläum“ heraus – die Gründung erfolgte aber doch erst vor etwa fünf Jahren?

Die Erfolgsgeschichte von Conrad Business Supplies begann schon 1998, als ein kleines Team den ersten Conrad-Katalog für Business-Kunden entwickelte und damit den Grundstein für Conrad Business Supplies legte. Auch davor schon zählten Firmen, egal welcher Größenordnung, zum Kundenstamm von Conrad Electronic. Seit 20 Jahren werden diese jedoch gezielt angesprochen. 2013 wurden diese Aktivitäten in Business Supplies fokussiert und mit Ressourcen weiter unterfüttert.