TTI Steckverbinder-Montage jetzt auch in Europa

Bislang war die Steckverbinder-Konfektionierung eine Domäne von TTI in den USA, seit Beginn des Jahres bietet der IP&E-Spezialist diesen Service auch in Europa an. Zunächst für Steckverbinder des Herstellers Amphenol nach der Spezifikation MIL-DTL-38999 Serie I und III sowie SJT.

Bei etwa 840 Millionen Euro liegt das Marktpotenzial für Steckverbinder aus dem Militär- und Luftfahrtbereich in Europa. Allein etwa 55 Prozent davon entfallen auf Rundsteckverbinder, gefertigt nach MIL-DTL-38999 oder Derivate. TTI erwirtschaftet derzeit rund 12 Prozent des Umsatzes in Europa mit IP&E-Bauteilen für den Miltär- und Luftfahrtbereich.

Hier sieht Ros Kruger, Industry Marketing Director, Europe – Military Aero und Space von TTI, noch deutliches Potenzial nach oben. Schließlich zählt TTI zu den größten Distributoren für passive und elektromechanische Komponenten in Europa. »Wir genießen eine hohe Reputation und verfügen über die entsprechenden Prozesse und Zulassungen, um den Militär- und Luftfahrtbereich beliefern zu können«, so die Managerin.

Ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau der Marktanteile ist nach Ansicht von Kruger, dass TTI die Steckverbinder nun auch sozusagen »vor der Haustüre« für die europäischen Kunden zu konfektionieren vermag. Zum einen könne TTI nun auch kurzfristig kleine Mengen und Prototypen liefern. Zum anderen gibt es für die Steckverbinder-Montage spezifische europäische Normen, die sich grundlegend von denen in den USA unterscheiden. Das, so Kruger, »sind Aspekte, die wir jetzt sehr einfach und flexibel vor Ort berücksichtigen können. Etwa 2800 Komponenten hat TTI für die Steckverbinder-Konfektionierung auf Lager. Wir können jetzt die Kunden sehr zeitnah und flexibel beliefern.« Bereits innerhalb von zwei bis drei Tagen werden Kleinmengen-Bestellungen ab einem Stück gefertigt und ausgeliefert. Hersteller wie Amphenol und Souriau haben durchschnittliche Lieferzeiten von 8 bis 12 Wochen.

Die neue Montagelinie steht im europäischen Headquarter von TTI in Maisach bei München. Derzeit sind 12 Arbeitsplätze eingerichtet und weitere 14 Arbeitsplätze im Aufbau. An der ersten Linie arbeiten sechs Mitarbeiter, weiteres Personal soll in den nächsten Monaten folgen.

Geschult werden die Montage-Arbeiter durch Amphenol bzw. Souriau und unterstützt durch das langjährige Know-how der TTI-Kollegen in den USA. Dort verfügt TTI bereits über eine umfangreiche Steckverbinderfertigung: Über 80 Mitarbeiter montieren in drei Schichten mehr als 1.000.000 Rundstecker pro Jahr, und das trotz eines hohen Handarbeitsanteils in sehr hoher Qualität: Die Fehlerrate beträgt weniger als 25 ppm. In den USA hat sich die Steckverbinder-Konfektionierung längst zu einem erfolgreichen Geschäftsfeld für TTI entwickelt.

Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf das Kerngeschäft

Mit Amphenol hat TTI einen der größten Player im Steckverbinder-Markt in Europa als Partner für diese Dienstleistung gewonnen. Gefertigt werden die Steckverbinder in allen Gehäusegrößen und Layouts in den Ausführungen Cadmium-olivgrün und stromlos vernickelt.  Ab Sommer werden auf einer eigenen Linie auch Produkte von Souriau, ebenfalls einer der europäischen Top-3-Hersteller in diesem Segment, bei TTI montiert.

Zudem liefert der Distributor auch Steckverbinder-Zubehörteile, etwa Wärmeschrumpfschläuche, Adapter, Klemmen, Kontakte und Gehäuseteile. Dass ein Distributor die Steckverbinder-Montage übernimmt, ist keineswegs selbstverständlich. Im Vorfeld finden umfassende Audits und Qualifizierungen durch den Hersteller statt. Bisher zählten der Militär- und Luftfahrtbereich zu Märkten, die ein Hersteller normalerweise allein aufgrund der Qualifizierungen direkt bedient. Warum lagern Amphenol und Souriau die Konfektionierung der Steckverbinder also überhaupt aus? »Die Lieferkette wird immer fragmentierter, weil mehr und mehr OEMs auch im Luftfahrt- und Militärbereich Teilaufgaben an Fertigungsdienstleister übergeben«, erklärt Kruger. Insofern finde derzeit auch bei vielen Komponenten-Herstellern ein Paradigmenwechsel statt. Und davon kann ein Distributor profitieren, wenn er wie TTI entsprechende Value Added Services für den Hersteller übernimmt. »Die Hersteller müssen sich in erster Linie darauf konzentrieren, neue Produkte und Technologien zu entwickeln, und konsolidieren deshalb ihr Geschäft«, so Kruger.