Mit „MEV 2020“ weiter in der Erfolgsspur So punktet der Distributionsmittelstand

Dieter Tappmeyer, MEV

»Ich erwarte ein herausforderndes Jahr 2016 schon auf Grund der vielen ungewissen politischen und religiösen Situationen in unserer Welt. Die Prognosen sind schwierig, hängt doch die wirtschaftliche Entwicklungen in Deutschland stark von Märkten auf anderen Erdteilen ab, die wir direkt nicht beeinflussen können. Mit einer Umsatzsteigerung von 8% wäre die MEV für 2016 sehr zufrieden.«
Dieter Tappmeyer, MEV: »Ich erwarte ein herausforderndes Jahr 2016 schon auf Grund der vielen ungewissen politischen und religiösen Situationen in unserer Welt. Die Prognosen sind schwierig, hängt doch die wirtschaftliche Entwicklungen in Deutschland stark von Märkten auf anderen Erdteilen ab, die wir direkt nicht beeinflussen können. Mit einer Umsatzsteigerung von 8% wäre die MEV für 2016 sehr zufrieden.«

Mit einem Umsatzrekord schloss MEV-Geschäftsführer Dieter Tappmeyer das Jahr 2015 ab. Die Weichen für weiteres Wachstum soll nun das Strategie-Programm „MEV 2020“ stellen, das MEV über das Jahr 2020 hinaus in eine sichere und gesunde Zukunft führen soll.

Markt&Technik: Die KMU-Distribution hat sich insgesamt gesehen in den letzten Jahren konsolidiert, einige Firmen wurden verkauft bzw. übernommen. Worin besteht Ihrer Ansicht nach das Rezept eines mittelständischen Distributors, um den Großen die Stirn zu bieten?
Dieter Tappmeyer: Die Konsolidierung innerhalb der Distribution für elektronische Bauelemente kommt mittelständischen Unternehmen wie der MEV dadurch zugute, dass die Stärken einer schlanken, straffen Organisation besser, schneller und präziser zum Wohle der Kunden zu Geltung kommen. Ich denke da insbesondere an den individuellen Service, die größere Präzision in der Abwicklung komplexer Geschäftsvorgänge und vor allen Dingen an die intensivere Projektunterstützung. Durch eine über Jahre hinweg gewachsene stabile Organisation wird Unruhe und Unsicherheit vermieden. Kompetenz im Detail wird in den meisten  Fällen honoriert und zahlt sich damit am Ende aus.

Wichtig sind natürlich zuverlässige Lieferanten, die das Engagement des „regionalen Spezialisten“ mit funktionierenden Projektschutz-Prozeduren unterstützen. So bleiben den Kunden alternative Quellen mit großer technischer Kompetenz erhalten. 

Wo sehen Sie auf technischer und strategischer Ebene die Hauptstoßrichtung für MEV in den nächsten Jahren – Stichwort „MEV 2020“?
Das Programm „MEV-2020“ wurde entworfen, um das Unternehmen über das Jahr 2020 hinaus in eine sichere und vor allen Dingen gesunde Zukunft zu führen. Dabei fokussieren wir zunächst auf die Förderung und das Training des Managements, den Säulen des Unternehmens. Parallel werden die personellen Strukturen ausgebaut. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Programms ist die Durchleuchtung und anschließende Verbesserung sämtlicher Prozesse und deren Darstellung im MEV-QM-System. Last but not least soll die Nachfolgeregelung der MEV sichergestellt werden.

Neben den hohen Qualitätsansprüchen sind vor allen Dingen die fortdauernde technische Kompetenz des Unternehmens, die IT-Unterstützung und die IT-Sicherheit zu gewährleisten. Große Investitionen sind daher in den nächsten Jahren in diesen Bereichen notwendig. So wird die führende Rolle im Vertrieb technologisch anspruchsvoller und führender Produkte jederzeit sichergestellt.

Mit Ihren Schwerpunkten Powermanagement, Motion Control, Storage, RF µwave/Wireless, Opto-Electronics/Displays, Sensors,  Networking/Datacom und Signal Processing sind Sie für die Trend-Themen IoT und Industrie 4.0 sehr gut aufgestellt. Inwieweit fließen diese beiden Themen in Ihre Gesamtstrategie ein?
Viele Themen, die im Rahmen von IoT und Industrie 4.0 diskutiert werden, sind zumindest teilweise schon bei den Kunden umgesetzt. Die Herausforderung hierbei ist, die Technologien, die einzeln sehr gut funktionieren, zusammenzuführen. Die Entwicklung des Marktes ist stark von den Big-Playern sowohl auf Hersteller- als auch auf Kundenseite abhängig. In der Industrie sind die Zyklen länger als z.B. im IT-Bereich. Firmen kleiner und mittlerer Größe sind solchen neuen Themen gegenüber zurückhaltend. Zusätzliches Potential ist daher erst in einigen Jahren zu erwarten. Die Größenordnung ist heute schwer abschätzbar. Ihre Einschätzung ist korrekt, dass die MEV für diese Themen bereits sehr gut aufgestellt ist. Durch unsere Fähigkeit zu großer Flexibilität ist es uns jederzeit möglich, die Ausrichtung des Unternehmens den sich stetig veränderten Anforderungen und Ausrichtungen der Märkte anzupassen.

Welche Bereiche wollen Sie weiter verstärken – durch neue Linien, neue technische Aspekte in der Beratung etc.?
Traditionell machen die Märkte Industrie, Kommunikation und Medizin mehr als 2/3 des MEV-Geschäftes aus. In diesen und in weiteren wichtigen Marktsegmenten heben wir uns durch das Level des technischen Supports, den wir unseren Kunden bieten, und unser QM-System, das für Luft- und Raumfahrt sowie Militär zertifiziert ist, stark ab. In diesen Bereichen werden wir weiter investieren. 

So haben wir vor kurzem einen EMV-Messplatz für leitungsgebundenen Störaussendung realisiert. Dieser zusätzliche Service kann ab sofort von unseren Kunden genutzt werden. In diesem Jahr soll unser Labor auf die Unterstützung weiterer Kompetenzbereiche erweitert werden.  Als nächstes steht hier der Bereich Motion Control auf dem Programm. Ein weiterer FAE soll dazu eingearbeitet werden.

Was die Aufnahme weiterer Lines angeht, sind wir mit einigen kompetenten Kandidaten in aussichtsreichen Verhandlungen, wobei unser Konzept  des „System Selling“ im Vordergrund steht, d.h. Produktlücken im Angebot müssen geschlossen werden, bei Vermeidung von Konflikten mit bestehenden Partnern.

Die Konsolidierung in der Halbleiterei schreitet extrem schnell voran. Ist die MEV-Linecard aktuell auch davon betroffen?
Verkäufe und Käufe von Halbleiterherstellern führen zwangsläufig zu Konsolidierungen sowohl auf der Produktseite als auch in der Distributionslandschaft der involvierten Hersteller. So hat die MEV nach den Aufkäufen von Hittite und Micrel durch Analog Devices bzw. Michrochip die Verträge mit diesen Partnern verloren. Diese Verluste konnten jedoch mehr als kompensiert werden durch die Ausweitung der Distributionsvereinbarung mit unserem wichtigsten Partner Microsemi. Die Speicherprodukte des von Microsemi aufgekauften Herstellers White Electronic und Microsemis Expansion im HF- und µWave-Bereich werden das MEV-Portfolio stark bereichern.

Gehen solche Konsolidierungswellen auf Herstellerseite vor allem zu Lasten der KMU-Distribution?
Diese Frage ist mit einem klaren „Ja“ zu beantworten. Die kontinuierliche Geschäftsentwicklung wird bei Bekanntwerden entsprechender Kauf- oder Fusionsabsichten gehemmt, weil der Fokus auf das Tagesgeschäft stark unter den plötzlich notwendig werdenden politischen Aktivitäten leidet. Ärgerlich ist vor allen Dingen die jahrelange „Blindleistung“, die sich für den Distributor bei Verlust von Verträgen nicht auszahlen kann. Ob diese Art der Konsolidierungen letztlich den Kunden hilft, bleibt fraglich.

Wie hat sich das Geschäft mit den bestehenden Herstellerpartnern in den letzten zwei Jahren entwickelt?
Insgesamt hat sich das Geschäft mit ihnen sehr positiv entwickelt, so dass wir das Jahr 2015 mit einem Umsatzrekord und einem sehr positiven Betriebsergebnis abschließen konnten. 

Inwieweit spielt die Internationalisierung für Ihre Strategie eine Rolle?
Der Geschäftsfokus der MEV liegt ganz klar auf der DACH-Region. Erfolgreiche Projekte sind in den vergangenen Jahren in Benelux angelaufen. In Osteuropa beschränkte sich das Geschäft bisher auf Fertigungsdienstleister (oder CEMs), die Geräte oder Baugruppen fertigen, in die wir bei unseren Kunden in der DACH-Region Bauelemente eindesignt haben. Projektarbeit fand mit ausgewählten Kunden und Produkten statt. Zukünftig werden wir diese Aktivitäten in Benelux und in Osteuropa stark verstärken durch eigenes Personal und/oder Partnerunternehmen.