Erfolgsmodell »Digi-Key« Skalierbar, eigenständig und mit »local Touch«

Dave Doherty, Digi-Key: »Es ist leicht, Informationen im Web zu zeigen, aber der Kunde wünscht sich auch persönlichen Support.«
Dave Doherty, Digi-Key: »Es ist leicht, Informationen im Web zu zeigen, aber der Kunde wünscht sich auch persönlichen Support.«

500.000 Kunden, über eine Million Produkte, und kürzlich hat Digi-Key das fünfzigmillionste Paket verschickt. An die erfolgreiche Ära »Larson« konnte CEO Dave Doherty nahtlos anknüpfen. Er sieht Digi-Key auch künftig als eigenständiges Unternehmen.

»Wir sind sehr zufrieden, und wir wollen weiterhin organisch wachsen«, bestätigt Doherty. Das Wachstum in Europa bezifferte er auf 19 Prozent – weltweit liege man zwar darunter, sei aber ingesamt zweistellig, so Doherty. Ein skalierbares Geschäftsmodell mit „local Touch“ – das ist nach Ansicht von Doherty der wesentliche Erfolgsfaktor von Digi-Key. Dass lokale Nähe wichtig ist, untermauerte Digi-Key 2012, indem die Firma ihre europäische Präsenz weiter aus- und aufbaute. Davon profitierte ganz besonders Zentraleuropa, denn dort, in München, ist das Headquarter für den Kontinent unter Leitung von Hermann Reiter angesiedelt. Der Kunde möchte möglichst viel automatisiert haben, aber gleichzeitig auch die Betreuung.

»Es ist leicht, Informationen im Web zu zeigen, aber der Kunde wünscht sich auch persönlichen Support«, sagt Dave Doherty. Gleichzeitig ist aber der Kunde – insbesondere in Zentraleuropa – auch an einem automatisierten Bestellprozess interessiert, in den er möglichst wenig händisch eingreifen möchte. Er will automatisiert seine Verfügbarkeit, Preise etc. sehen. Es gilt also für Digi-Key, wie für alle online betonten Distributoren, die richtige Balance zwischen Automatisierung und den Kundenbedürfnissen nach persönlicher Betreuung herzustellen.

Um den optimalen Weg zu finden, setzt Digi-Key weltweit auf das Feedback der Kunden. Aus Zentraleuropa könnte das Feedback gerne stärker sein, unterstreicht Doherty und ermuntert: »Lassen Sie uns wissen, was wir anders oder besser machen können.« Die Wünsche der Kunden fließen umfassend in die Strategie des Unternehmens ein, sei es in punkto Hersteller und/oder neue Technologien. Doherty: »Wir können zum Beispiel anhand von Suchbegriffen auswerten, ob ein Kunde einen bestimmten Hersteller gesucht hat. Dass SiC und GaN bei den Kunden auf Interesse stoßen, haben wir seinerzeit beispielsweise genau auf diesem Weg eruieren können.« Auch die Tendenz, dass immer mehr Module gekauft anstatt “from scratch” selbst entwickelt werden, ist nach Auskunft von Doherty ein Ansatz, den Digi-Key aufgrund des Kaufverhaltens feststellt: »Wir haben unser Angebot an Boards und Referenz-Designs deutlich aufgestockt, und wir führen den Engineer hin zu einem kompletten System.«
 
Aber um eines gleich vorwegzunehmen: Ein eigenes Digi-Key-Lager in Europa, sofern das überhaupt auf der Kunden-Wunschliste steht, wird es auch mittelfristig nicht geben. Der Bedarf sei zum einen nicht gegeben, so Doherty, zum anderen würde das die Breite des Portfolios negativ beeinflussen. »Für unsere Kunden ist aber genau diese Breite im Angebot wichtig«, stellt Doherty klar. »Man vergeudet nur Zeit damit, Waren umherzushiften.« Da investiere Digi-Key lieber in seine Präsenz und den Ausbau des Zentrallagers.