In 10 Jahren Umsatz verfünffacht Silica feiert: eine Dekade und eine Milliarde!

Karlheinz Weigl, Silica: »Zwischen 2001 und 2005 war der Start einer Distributionsfirma eine Sisyphus-Arbeit. Wir mussten erst einmal Vertrauen nach allen Seiten aufbauen: bei den Mitarbeitern, den Herstellern und den Kunden - hatten also drei Baustellen gleichzeitig zu bewerkstelligen.«

Mit fast 50 Prozent Umsatzwachstum knackt Silica in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Euro-Grenze und krönt damit das 10jährige Firmenjubiläum auch gleich noch mit einem Umsatzrekord. Und dabei war der Anfang vor 10 Jahren mitten in der »dot.com-Krise« gar nicht so einfach, wie Karlheinz Weigl, Vice President Zentral- und Osteuropa von Silica, schildert.

Markt & Technik: Der Anfang von Silica zum 1. Juli 2001 war auch gleichzeitig der Beginn des Speedboat-Modells von Avnet. Wie entstand eigentlich die Idee der Speedboats?

Karheinz Weigl: Avnet hatte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre begonnen, in Europa bestehende Distributoren aufzukaufen und war nach diversen Akquisitionen zu einem inhomogenen Koloss mit vielen Marken und zahlreichen unterschiedlichen System-Plattformen geworden. Bildlich können Sie sich das als eine Art Supertanker vorstellen, der nur schwer zu manövrieren war und obendrein auch allein wegen seiner Größe wenig flexibel. Ein solches Unternehmensgebilde zentral zu steuern, wäre langfristig wohl nicht erfolgreich gewesen. Deshalb hat sich Avnet dafür entschieden, sein Spektrum in kleinere und dafür sehr wendige und flexible Firmen aufzuteilen und als Gegenbegriff zum schwerfälligen Supertanker hat man die Bezeichnung Speedboats gewählt.
Dass diese Strategie aufgegangen ist, das zeigt schon allein die Entwicklung, die Silica in den letzten 10 Jahren hingelegt hat.    

Dabei war das Silica-Gründungsjahr im Zuge der dot.com-Krise alles andere als ein günstiger Zeitpunkt für einen Firmenstart …

Ja, das ist richtig. Nachdem die dot.com-Blase geplatzt war, dauerte die Markterholung  wesentlich länger, als bei der letzten Krise 2009. Zwischen 2001 und 2005 war der Start einer Distributionsfirma eine Sisyphus-Arbeit. Wir mussten erst einmal Vertrauen nach allen Seiten aufbauen: bei den Mitarbeitern, den Herstellern und den Kunden - hatten also drei Baustellen gleichzeitig zu bewerkstelligen. 

Aber eine Basis muss doch schon vorhanden gewesen sein, schließlich war die Gründung von Silica ja kein kompletter Start auf der grünen Wiese?

Das schon, aber der Status Quo damals war suboptimal: Silica ging hervor aus den von Avnet akquirierten Unternehmen Setron, SEI und E2000. Die Teams waren daher zusammengewürfelt und nicht homogen. Auch die Lager waren dezentral. Es gab also keinen gemeinsamen Grundstock, auf dem wir hätten aufbauen können. Wir mussten im Prinzip die Strukturen völlig neu schaffen.

Wie haben die Hersteller reagiert?

Die Hersteller reagieren auf die Leistung, die ein Distributor bringt und haben uns die Chance gegeben, uns zu beweisen. Und diese Chance haben wir genutzt, wie unser Werdegang zeigt.   

Wie hat sich die Linecard seit der Gründung von Silica entwickelt?

Die Schlüssel-Linien sind im Wesentlichen gleich geblieben, dazu kamen dann Hersteller wie International Rectifier, Microchip, Maxim, Rohm oder Seoul Semiconductor für den Lighting Bereich. Seit 2005 haben wir zudem die Exklusivdistribution für Xilinx übernommen.  

Und wie haben die Kunden seinerzeit auf den neuen Halbleiterdistributor Silica reagiert?

Die Kundenbetreuung war zu Zeiten der »alten« Avnet nicht gerade vorbildlich, wir haben in der Übergangsphase sehr viele Kunden verloren. Avnet hatte damals in Europa noch keinen hohen Bekanntheitsgrad und die Reputation im Markt war fragwürdig. Wir wurden oft von Kunden mit der Frage konfrontiert: »Warum brauchen wir Silica?« 

Das dürfte die Mitarbeiter damals nicht gerade motiviert haben?

Damals hatten wir sogar Schwierigkeiten, überhaupt Mitarbeiter zu rekrutieren. Begonnen haben wir 2001 mit ca. 380 Mitarbeitern, mittlerweile sind es 600. Und heute sind unsere Mitarbeiter stolz, dass sie bei Silica arbeiten. Wir haben ein tolles Team und sehr viel Kontinuität und Stabilität bei den Mitarbeitern. Trotz der hohen Arbeitsbelastung der unsere Teams letztes Jahr zu Zeiten der Allokation ausgesetzt waren ist die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter weiter gestiegen – dies bestätigen die Ergebnisse einer globalen Mitarbeiterumfrage, die wir jedes Jahr durchführen.

Verglichen mit dem Umsatzwachstum ist die Zahl der Mitarbeiter dann ja eher unterdurchschnittlich gewachsen …

Das kann man so nicht sagen. Wir hatten durch die verschiedenen Avnet Akquisitionen anfangs sehr viel Personal, im Gegensatz dazu aber so gut wie keinen operativen Profit erwirtschaftet. Zudem haben wir durch die Einführung eines europaweiten ERP-Systems in den letzten Jahren kontinuierlich unserer Prozesse optimiert.

Was hat sich strukturell seit der Gründung von Silica verändert?

Wie gesagt, wir mussten erst einmal grundlegende Strukturen schaffen: So haben wir haben von verteilten Lagern umgestellt auf ein Zentrallager und sukzessive europaweit einheitlich SAP eingeführt. Eine solche einheitliche Systemplattform ist heute wirklich ein nicht zu unterschätzender Faktor. Auch personell und strategisch haben wir uns im Laufe der Jahre doch deutlich gewandelt.

 

 

 
 

((1 Bild kh Weigl: Archiv))

Karlheinz Weigl, Silica: »Zwischen 2001 und 2005 war der Start einer Distributionsfirma eine Sisyphus-Arbeit. Wir mussten erst einmal Vertrauen nach allen Seiten aufbauen: bei den Mitarbeitern, den Herstellern und den Kunden - hatten also drei Baustellen gleichzeitig zu bewerkstelligen.«