Markt&Technik-Forum »Distribution« REACH: (k)ein Brennpunkt?

Dietmar Jäger, TDK-EPC: »Die REACH-Verordnung betrifft uns alle, und eine Missachtung kann drastische Folgen haben.«
Dietmar Jäger, TDK-EPC: »Die REACH-Verordnung betrifft uns alle, und eine Missachtung kann drastische Folgen haben.«

Die EU-Verordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) und die damit verbundene Informationspflicht bereitete den Distributoren Kopfzerbrechen – mittlerweile hat sich das Procedere nach Aussage der Forumsteilnehmer aber zum größten Teil eingespielt. Probleme gibt es noch mit »exotischen« Herstellern.

Die REACH-Verordnung ist seit Juni 2007 in Kraft, seit Dezember 2010 gibt es die neue Kandidatenliste der nach REACH verbotenen Inhaltsstoffe. Nach wie vor sind einige Distributionskunden im Umgang mit REACH unsicher oder fordern zu viele Informationen ein.

Die befürchteten drastischen Auswirkungen auf die Elektronikindustrie sind jedoch bislang ausgeblieben. Als problematisch empfinden die meisten Distributionsexperten der Runde den Umgang mit der REACH-Verordnung jedenfalls nicht. »Unser Bottleneck sind nur die Hersteller, die die Inhaltsstoffe ihrer Produkte nicht melden«, fasst Thomas Brachtel, Managing Director Central Europa von Future Electronics, zusammen. Und dabei handelt es sich vor allem um »exotische« Hersteller aus Asien. Wird die Ware in Asien fakturiert, kommt hinzu, dass der Distributor in diesem Fall als Importeur der Ware gilt.

Ansonsten scheint REACH für die Distribution »kein Brennpunkt«, wie Dr. Klaus Barenthin, Director/CTO bei SE Spezial, erklärt. »Natürlich muss man genau hinschauen, dass bestimmte Grenzwerte nicht überschritten sind, und die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen.« Aber, so Barenthin, mit Hilfe eines guten Qualitätsmanagement-Systems lasse sich das sehr gut überwachen. Auch wenn die Distributoren alles im Griff haben: »Die Dynamik einer solchen Verordnung sollte man nicht unterschätzen«, warnt Thomas Ulinsiki, Director Linemanagement von Rutronik. Die Liste von Verbotsstoffen ist schließlich kein statisches Werk und hat sich alleine in den letzten drei Jahren von anfangs 16 auf mittlerweile 40 Stoffe erweitert.      

In der Abstimmung zwischen Distributor und Hersteller sieht Dietmar Jäger, Director Sales Distribution von TDK-EPC, jedenfalls keine Schwierigkeiten. Allerdings warnt er auch davor, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen: »Die Verordnung betrifft uns alle und eine Missachtung kann drastische Folgen haben.« Epcos, ein Tochterunternehmen von TDK-EPC, engagiert sich bereits als Fördermitglied aktiv beim FBDi für das Thema REACH bzw. für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Distributor.

Der FBDi, so Jäger, würde es begrüßen, wenn noch mehr Hersteller sich nach diesem Vorbild engagieren würden. Auch die EMS-Industrie hat das Thema »REACH« gut im Griff, wie Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, betont: »Die Verbände haben sehr gute Aufklärungsarbeit geleistet, so dass sich jeder Kunde umfassend informieren kann.« Ob ein solcher Verordnungswust – REACH ist bekanntlich bei Weitem nicht die einzige EU-Verordnung, die die Elektronik-Lieferkette unmittelbar betrifft – sinnvoll ist, darüber lässt sich allerdings streiten, denn auch eingespielt bedeuten solche Auflagen in Summe einen enormen Dokumentationsaufwand.