Obsolescence betrifft meist Non-Commodity-Halbleiterbausteine »Obsolescence-Management ist ein wichtiger Bestandteil des Kundenservice«

Knut Hansen, Arrow Technology Solutions: »Als globaler Anbieter profitieren wir auch von anderen Geschäftseinheiten im Konzernverbund, die wegen Spezialisierungen einen hohen Bedarf an langfristig verfügbaren Bauteilen haben.«

Werden Halbleiterkomponenten abgekündigt, »sind zumeist Bauteile aus dem Non-Commodity-Bereich bei Halbleitern betroffen«, sagt Knut Hansen, Marketing Director bei Arrow Technology Solutions. Weil in diesem Fall der Kunde aber Alternativen braucht, sind End-of-Life-Produkte für den Distributor ein großes Thema.

Markt&Technik: Warum sind eher Non-Commodity- als Commodity-ICs betroffen?

Knut Hansen, Arrow Technology Solutions: Bei High-Tech-Bausteinen investieren die Hersteller stets in die Entwicklung neuer Generationen, etwa mit höheren Leistungen bei verkleinertem Gehäuse. Im Bereich Commodities sind die Produkt-Lebenszyklen dagegen deutlich länger.

Wie sieht Ihre Obsolescence-Strategie im Detail aus?

In unserem Warenwirtschaftssystem hinterlegen wir bei abgekündigten Komponenten mögliche Alternativen. Darüber hinaus bieten unsere Field Application Engineers unseren Kunden Alternativen an. Was den zweiten Teil der Frage betrifft, also kleinere Hersteller anzuregen, Produkte nachzubauen, lautet die klare Antwort: Nein. In der Regel bieten wir Kunden technische Alternativen oder eine Langzeitbevorratung an. Weil unsere Kunden ohnehin bei einem möglichen Wechsel des Produzenten neue Freigaben erstellen müssen, wird zumeist auf Weiterentwicklungen der Bauteile zurückgegriffen.

Seit wann ist Obsolescence überhaupt ein Thema, hat seine Bedeutung in den letzten Jahren zugenommen?

Obsolescence ist an und für sich schon immer ein Thema. Wir bieten unseren Kunden schon seit langem eine Langzeitbevorratung im Rahmen unserer Supply-Chain-Services an. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch unser Stickstoff-Lager im Distribution Logis-tics Center in Venlo, in das wir ebenfalls schon frühzeitig investiert haben.

Wann raten Sie Kunden zu einer Langzeitlagerung?

Sollte es im Falle von abgekündigten Bauelementen notwendig sein, empfehlen wir dem Kunden eine Langzeitlagerung. Hierbei werden konkret Höhe und Dauer der Bevorratung vereinbart. Als globaler Anbieter profitieren wir auch von anderen Geschäftseinheiten im globalen Konzernverbund, die wegen Spezialisierungen einen hohen Bedarf an langfristig verfügbaren Bauteilen haben. Hier erfolgt eine Bevorratung auch ohne vorhandenen Kundenbacklog. Innerhalb des globalen Business Transfers partizipieren wir daran.

Welche Schritte unternehmen Sie, wenn einer Ihrer Lieferanten eine Komponente abkündigt?

Im Falle der Abkündigung eines Bauteils kennzeichnen wir das Produkt bereits im »Last Time Buy«-Status. Im Anschluss erfolgt eine weitere Kennzeichnung, wenn das Bauteil in den Obsolete-Status übergeht. Parallel hierzu erhält unser Vertrieb eine Aufstellung der Artikel, die der Kunde in der Vergangenheit bezogen hat. Unser Vertrieb nutzt diese Information, um unsere Kunden proaktiv über eine anstehende Abkündigung zu informieren, damit sie die Möglichkeit haben, ihren Bedarf für die nächsten Jahre zu prüfen, und damit wir entsprechend bevorraten können. In Abstimmung mit den Kunden erhalten diese in elektronischer Form Product Change Notifications. Im Vordergrund steht für uns die persönliche Informationen der Kunden über den Vertrieb, um zu gewährleisten, dass keine Information verloren geht und der Kunde sofort reagieren kann.