Blick in die Zukunft von RS Components Multi-Channel und ein weltweit einheitliches Sortiment

Klaus Göldenbot, RS Components: »Wir sind davon überzeugt, dass wir unser Marktanteilswachstum damit generieren, dass wir besser und schneller sind als kleinere lokale und regionale Anbieter, und von denen sind nur wenige im klassischen Volumengeschäft. Ich glaube, dass wir hier noch viel Wachstumspotenzial haben, und darauf ist unsere Strategie ausgelegt.«
Klaus Göldenbot, RS Components (hier im Bild mit Markt&Technik Redakteurin Karin Zühlke): »Wir sind davon überzeugt, dass wir unser Marktanteilswachstum damit generieren, dass wir besser und schneller sind als kleinere lokale und regionale Anbieter, und von denen sind nur wenige im klassischen Volumengeschäft. Ich glaube, dass wir hier noch viel Wachstumspotenzial haben, und darauf ist unsere Strategie ausgelegt.«

Wie bleibt ein globaler Katalogdistributor auf Dauer erfolgreich? Dazu gehört laut Klaus Göldenbot, Global Sales Director von RS Components, in jedem Fall viel Eigeninitiative. Genau die legt RS mit dem fünf-Jahres-Plan der Globalisierungsstrategie an den Tag nach dem RS zum Beispiel das Sortiment weltweit weitgehend vereinheitlichen will.

Markt&Technik: Vor gut einem Jahr haben Sie im Interview das Geschäftsjahr 2012 so kommentiert: »Wir wachsen um 10 Prozent schneller in Europa als unser größter Mitbewerber.« Wie sieht es für das Geschäftsjahr 2013 aus?
(Anm. der Redaktion: von April 2012 bis März 2013)
 
Klaus Göldenbot: Das Geschäftsjahr 2013 war schwieriger, weil die Marktkonditionen schwieriger waren. Wir haben letztes Jahr weltweit mit 1 Prozent Wachstum in der Electrocomponents-Gruppe abgeschnitten. Asien war flach, USA ging um 3 Prozent zurück, Europa ist um 1 Prozent gewachsen. UK wuchs  mit 4 Prozent am stärksten.

Hat sich diese Tendenz im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs - also April bis Juni 2013 - fortgesetzt?  

Ja. Das Wachstum betrug wiederum 1 Prozent. Global ist der Umsatz also relativ stabil, aber die Zusammensetzung hat sich verändert: In UK waren wir leicht rückläufig, international sind wir um 3 Prozent gewachsen.

Ein Blick auf den Jahresbericht 2013 verrät, dass UK vor allem von den Verkaufszahlen des Raspberry Pi profitiert hat, was das Ergebnis ja nicht schmälert. Meiner Meinung nach ist dieser Boom schon eine kleine Sensation. Wie beurteilen Sie das Phänomen des »Raspberry Pi« und der »Low Cost Boards«?

Zu einem bestimmten Prozentsatz ziehen solche Low-Cost-Boards natürlich Bastler an. Unsere Zielsetzung ist aber, dass wir Kunden aufbauen, die langfristig bei uns bleiben, etwa der Ausbildungsbereich mit Schulen und Universitäten, die ebenfalls gerne mit solchen Boards arbeiten. Wir sehen parallel dazu auch den Trend, dass mehr und mehr Geschäftskunden diese Boards in ihren Geschäftsprozessen einsetzen. Wir verzeichnen zum Beispiel immer mehr Raspberry-Pi-Kunden, die neue Anwendungsformen entwickeln und dadurch feststellen, dass sie in diesem Zusammenhang noch weitere Produkte benötigen.

Wie verteilt sich der Umsatz auf Ihre Geschäftsbereiche Electronics und Maintenance?

Der Bereich Maintenance hat in den letzten 18 Monaten mehr zugelegt als Electronics - und das in allen Regionen. Eine detaillierte Verteilung veröffentlichen wir aber nicht.

Werfen wir einen Blick auf Europa: Wie ist die Situation hier, heruntergebrochen auf Regionen?

Wir veröffentlichen keine länderspezifischen Umsaetze, insofern kann ich Ihnen nur eine Tendenz nennen: Interessanterweise ist Spanien zum Beispiel einer unserer größten Wachstumsmärkte. Wir haben sehr viel Zusatzumsatz gewonnen, weil viele der kleineren Anbieter sich aus dem Markt zurückziehen mussten. Das kann man in Spanien ganz klar nachverfolgen. Andere Märkte, die sehr gut gewachsen sind, sind Skandinavien, die Schweiz, Irland und Osteuropa. Interessant ist in Europa außerdem, dass wir hier im Bereich eCommerce nach wie vor zweistellig wachsen. Unser e-commere Anteil liegt nun bei 66 Prozent vom Gesamtumsatz. Was die Gruppe anbelangt, wächst eCommerce weiterhin überdurchschnittlich: im ersten Quartal 2014 um 6% gewachsen, was den e-commerce Anteil in der Gruppe auf 56 Prozent steigert. Wir haben jetzt sogar die ersten Märkte, die einen eCommerce-Anteil von über 70 Prozent haben.

Wie weit ist die Osteuropa-Expansion bislang gediehen?

Das läuft sehr gut. Wir sind sehr zufrieden und haben ein starkes zweistelliges Wachstum. Die Mitarbeiterzahl wurde deutlich erhöht. Wir haben praktisch den Vertrieb und einen Teil des Kundendienstes direkt vor Ort in Osteuropa. Der Rest wird im Wesentlichen von Deutschland aus unterstützt, etwa die Logistik von Bad Hersfeld aus und der Finanzbereich von Mörfelden.

Der DTAM in Osteuropa ist 2013 weiter gestiegen. Inwieweit kann ein Katalogdistributor von den Produktionsverlagerungen nach Osteuropa profitieren?

Dass die Produktionsverlagerungen der Haupttreiber sind, kann ich so nicht bestätigen. Wir haben in Osteuropa sehr klein angefangen und wachsen dort sehr stark über die Neukundenakquise. Die kommt vor allem aus den Bereichen Produktion, Instandhaltung, Transportation, Elektronikfertigung und Medizingeräte. Die Branchencodes sind in Osteuropa auch nicht anders als in den Märkten, in denen wir schon etabliert sind. Den Kunden gefällt die Breite des Sortiments und die schnelle Lieferfähigkeit - in vielen Gebieten Osteuropas innerhalb von 24 Stunden.

Wird es weitere Expansionen geben?

Ja, wir wollen weiter expandieren: zum einen in Osteuropa, aber es gibt noch andere Regionen, zum Beispiel Südamerika, wo wir Potenzial sehen.

Laut FBDi und DMASS sieht es für die Distribution derzeit gar nicht so schlecht aus - wie lautet Ihre Einschätzung?

Wenn Sie sich Indizes wie den Purchasing-Manager-Index PMI ansehen, dann steigen tendenziell die Erwartungen für die entscheidenden Länder wie Deutschland, USA und teilweise auch China. Schenken wir also den Statistiken Glauben, dann müssten wir uns in den nächsten drei bis sechs Monaten nach oben bewegen. Von daher würde ich sagen, wir sind »vorsichtig optimistisch«. Die Book-to-Bill Ratio ist seit ein paar Monaten positiv. Aber das »Superwachstum« ist sicher noch nicht zurück.    

Sind die PMIs denn wirklich ein verlässlicher Indikator?


Zumindest ein relativ verlässlicher Richtungsmesser. Wenn die PMIs steigen oder fallen, folgt unsere Entwicklung dieser Richtung tendenziell nach drei bis sechs Monaten. Das verwundert auch nicht, denn die Katalogdistribution ist ein zyklisches Geschäft. Unsere Umsätze wachsen und fallen mit den Wirtschaftszyklen.

Also reicht es, einfach abzuwarten, weil die Entwicklung sowieso nicht beeinflussbar ist?

Nein, natürlich nicht. Wir verlassen uns nicht auf den Markt, sondern auf unsere Eigeninitiative - das ist unsere klare Strategie, mit der wir unser Wachstum beeinflussen können, wie Sie an der Regionalisierung und Globalisierung unseres Geschäftsmodells sehen können. Sicher erinnern Sie sich an unsere Pressekonferenz im Januar 2011 in Berlin. Damals haben wir die Regionalisierung kommuniziert mit dem Ziel, dadurch in Europa zweistellig zu wachsen. Unsere durchschnittliche Wachstumsgeschwindingkeit in Europa hat sich seither auf 10% erhöht. Das ist ein schöner Erfolg.

Mittlerweile geht es nicht mehr - nur - um die Regionalisierung, sondern um die Globalisierung. Inwieweit ist es inzwischen gelungen, die Regionalisierungs-Strategie weltweit auszurollen?

Die Globalisierung unseres Geschäftsmodells ist in unserem Fünfjahresplan verankert und war für uns der rote Faden durch das letzte Jahr. Er wird uns auch die nächsten Jahre noch intensiv beschäftigen. Vielleicht noch einmal kurz für Ihre Leser zur Erklärung, was wir mit Globalisierung meinen: Wir wollen unseren Kunden weitgehend weltweit dasselbe Sortiment zur Verfügung stellen, verbunden mit einem einheitlichen erstklassigen Kundenservice. Derzeit sind wir dabei, dieses globale Sortiment aufzubauen. Das ist allerdings ein größeres Projekt, das nicht innerhalb von zwölf Monaten erledigt ist. Wir müssen dafür sorgen, dass die Produkte weltweit auf allen Länderseiten sichtbar sind, und wir müssen die Lagerhaltung, den Transport und die Infrastruktur harmonisieren und weltweit abstimmen. Inzwischen haben wir in einer Art Beta-Phase 15.000 Produkte, die vorher nicht überall verfügbar waren, weltweit über unsere Webseite zugänglich gemacht. Die Kundenresonanz ist sehr positiv: Ohne Werbung für diese Aktion zu machen, haben wir innerhalb kurzer Zeit einen schönen Umsatz für diese Produkte generiert. Das zeigt, dass der Ansatz der Globalisierung greift.