Neue Führung für Avnet EMEA »Lang leben die Speedboats!«

Die neue Doppelspitze von Avnet in EMEA: Slobodan Puljarevic (links) und Mario Orlandi

Slobodan Puljarevic, President von EBV Elektronik, und Mario Orlandi, President von Avnet Silica, leiten ab sofort gemeinsam die Geschicke von Avnet in EMEA. Was das konkret bedeutet, schildern die beiden im Gespräch mit Markt&Technik.

Avnet wird in EMEA künftig von einer Doppelspitze geführt. Sie beide übernehmen dieses Amt zusätzlich zu Ihren Aufgaben bei EBV und Avnet Silica. Wie geht das?

Mario Orlandi: EBV und Silica repräsentieren heute über 80 Prozent des Umsatzes von Avnet in EMEA. Viele geschäftsrelevante Entscheidungen – denken Sie an Herstellerbeziehungen – fallen entweder auf Speedboat- oder auf globaler Ebene. Dadurch, dass wir beide unseren Speedboat-Job behalten, aber gleichzeitig an Phil Gallagher berichten, sind wir näher an den globalen Entscheidungen als vorher – eine ideale Situation.

Welche Änderungen stehen denn für Ihr Geschäftsmodell in Europa an?

Slobodan Puljarevic: Wir werden das Modell nicht nur beibehalten, sondern stärken. Unser Fokus und die Spezialisierung, sei es im Hinblick auf Kunden- oder Herstellerbeziehungen, bleibt bestehen.

Wie passt das mit den Herausforderungen des Marktes zusammen? Margendruck, globale Exklusivität und so weiter?

Puljarevic: Den Margendruck gibt es, solange ich in der Distribution arbeite, und das sind über 30 Jahre. Die Kernfrage ist doch: Bringt unser Modell für die Kunden, die Hersteller oder uns selbst (Avnet) einen Vorteil? Bis jetzt tut es das, und wenn Sie den Quartalsergebnissen von Avnet folgen, werden Sie festgestellt haben, dass EMEA sehr oft für seine guten geschäftlichen Ergebnisse genannt wird.

Benutzt Avnet dieses Geschäftsmodell auch in anderen Regionen?

Puljarevic: Die Voraussetzung ist in jeder Region anders und braucht unterschiedliche Antworten. Die USA sind ein großer homogener Markt – gleiche Sprache, gleiches Rechtssystem, riesige Economies of Scale. Das Gleiche gilt für China beispielsweise. Zudem ist dort oft die Kundenstruktur anders, mit einer starken Konzentration auf große Kunden.

EMEA dagegen besteht aus über 45 Ländern mit völlig unterschiedlichem Marktpotenzial, anderen Sprachen, Währungen, Mentalitäten, aber einem extrem hohen technischen Standard. Distribution und Fokus sind hierfür die richtigen Antworten. Orlandi: Was Avnet in allen Regionen auszeichnet, ist der sehr hohe technische Wissensstandard.

Zusammen betreuen Sie nun Avnet EMEA, sozusagen two-in-a-box?

Orlandi: Das eben genau nicht. Wir haben beide unsere sehr klaren unabhängigen Zuständigkeiten – unseren Speedboat-Job plus einen Teil der europäischen Führung. Brian Wilken, President Avnet United, der Bereich für globale Großkunden, berichtet an mich, Nigel Ward, President von Avnet Abacus, unserem IPE-Spezialisten, an Herrn Puljarevic.

Wie – Avnet Abacus gehört nun zu EBV?

Puljarevic: Natürlich nicht, sie bleiben so unabhängig und fokussiert wie bisher. Alle bestehenden Projekte, zum Beispiel das gemeinsame Lighting-Projekt mit Avnet Silica, werden fortgesetzt. Meinen Job sehe ich mehr als Mentor und Helfer, der Nigel unterstützt, um Wachstumsmöglichkeiten zu finden, mit Hilfe der großen EBV-Organisation und ihren exzellenten Kundenverbindungen. Die Umsetzung wird immer Nigels und Abacus‘ Job bleiben.

Die Avnet-Story lautet: EMEA war erfolgreich wegen des Speedboat-Modells. Das bedeutet aber auch internen Wettbewerb. Heutzutage haben Sie jedoch mehr gemeinsame Hersteller denn je zuvor. Was wird sich nun ändern, da die Chefs der beiden Hauptkonkurrenten gemeinsam für EMEA zuständig sind?

Puljarevic: Das Konzept der internen Wettbewerber war nicht das Ziel, sondern die Konsequenz des Modells, kleinere, schlagkräftigere, spezialisierte Distributionseinheiten mit unterscheidbaren Qualitäten zu schaffen. Unser Kundennutzen ist unterschiedlich, auch unser Go-to-Market variiert, sogar nach Ländern.

Orlandi: Es hat uns eine Fülle an sog. Best Practices gebracht, die wir nutzen können, wo immer es am meisten Sinn macht. EBV treibt Avnet Silica zu Verbesserungen und umgekehrt, wir nutzen uns gegenseitig als Benchmark. Das ist einzigartig, den besten Wettbewerber im eigenen Haus zu haben. Zumindest hat es uns in den letzten 16 Jahren sehr genutzt.

Wie soll sich das künftig weiterentwickeln?

Puljarevic: Solange dieses Geschäftsmodell für unsere Geschäftspartner einen positiven Unterschied macht, würde ich sagen: Lang leben die Speedboats! Natürlich ist es unsere Pflicht, diesen Nutzen jeden Tag aufs Neue zu beweisen. Und wir haben natürlich alle die gleiche Herausforderung – die Digitalisierung.

Was heißt das konkret?

Orlandi: Die Lawine an Digitalisierung, die gerade über die Welt und damit natürlich auch über unsere Industrie hereinbricht, zwingt uns auch, unser Geschäft zu digitalisieren – bessere Informationen, bessere Datenanalyse, mehr Prozesseffizienz und natürlich höhere Produktivität.

Puljarevic: Das geschieht aber unabhängig vom Geschäftsmodell. Avnet EMEA wird in eine stabile, moderne und flexible Infrastruktur investieren, die es allen unseren individuellen Geschäftseinheiten – Speedboats – erlauben wird, auf die speziellen Kundenbedürfnisse fixiert zu bleiben. Ich denke, dass die Digitalisierung unser Modell eher stärken wird.