Dr. David Bosshart auf den IDEA/FBDi Trendtagen Konsum 2020 - wie tickt der Kunde von Morgen?

In seiner Keynote auf den IDEA/FBDi Trendtagen im November zeigt Dr. David Bosshart, CEO am Gottlieb Duttweiler Institute in Zürich, auf, wie das Konsumverhalten der Zukunft aussieht und was Unternehmen tun müssen, um den Kunden von Morgen für sich zu gewinnen. Einen Vorgeschmack darauf gibt Bosshart im Markt&Technik-Interview.

Markt&Technik: Was sind die zentralen Bedürfnisse der Konsumenten der Zukunft und wie lassen sie sich am besten in Konzepte umsetzen?
Dr. David Bosshart: Im Konsum geht es weniger um unsere Bedürfnisse als um unsere Wünsche und Sehnsüchte. Und die wollen immer wieder geködert werden. Die Nachfrage nach Individualisierung, emotionaler Verbundenheit, Nachhaltigkeit und Vertrauen gegenüber dem Anbieter wird zunehmen. Convenience entwickelt sich zum entscheidenden Kriterium. Inmitten des materiellen Überflusses etablieren sich Unternehmen mehr und mehr über relevante Dienstleistungen. Service ist das neue Produkt. Gerade die junge Generation besteht stärker auf einem Dialog mit den Anbietern, will sich einbringen und Produkte mit entwickeln. Generell kann man sagen: Die Konsumkultur wird vernünftiger und bewusster.

Was bedeutet das für die großen Massenmärkte – sind die in Zukunft noch profitabel?
Das Zeitalter der großen Massenmärkte, in denen »Mehr vom selben« eine profitable Strategie darstellt, ist vorbei. In der westlichen Welt stehen wir vor dem Ende des Zahlenwachstums. Hochspezialisierte Systeme, die kontinuierlich wachsen, sind irgendwann so komplex, dass sie keinen Gewinn mehr abwerfen. So gesehen ist Wachstum ein Problem und keine Lösung. Um unseren Wohlstand zu halten, müssen wir uns fragen: Was ist unnötig? Wie können wir das Prinzip »sharing and caring« effizient umsetzen?
 
Und welche Lösungsansätze schlagen Sie den Unternehmen in diesem »Age of Less« vor?
Die Herausforderung wird darin bestehen, auch in schrumpfenden Märkten profitable Formen des Wachstums zu finden. Ich sehe eine starke Fragmentierung der Märkte. Insbesondere im Online- und mobilen Bereich werden sehr viele Nischenmärkte und Hybridlösungen entstehen. In einer Welt, in der es kaum noch Massenmärkte gibt, wird vor allem Kreativität Profit erzielen. Hier sind Innovationsgeist und der Mut zum Experimentieren gefragt. Unternehmen müssen wieder lernen, flexibel zu denken, offen für Veränderungen zu bleiben und bereit sein, ständig von vorne zu beginnen.

Dazu gehört auch der Umgang mit den neuen Technologien wie Cloud Computing oder Big Data. Können wir mit ihnen Tendenzen im Konsumverhalten vorhersagen?
Nur wer schnell und flexibel auf diese Entwicklungen reagiert, wird in Zukunft einen Teil vom großen Kuchen abbekommen. Voraussetzung dafür ist jedoch immer ein rudimentäres Verstehen dieser Technologien. Momentan schwimmen wir in einem gewaltigen Meer an Informationen und fragen uns, wie der Datenschatz unter unseren Füßen am besten zu heben ist. Zunächst müssen wir die Vielzahl an vorliegenden Informationen beschreiben, ordnen und kritisch hinterfragen. Erst dann können wir mit Big Data Prognosen über zukünftiges Kaufverhalten abgeben.

Die Fragen stellte Karin Zühlke