Smart Meter vom Distributor Kein Hype, sondern ein Markt mit Nachhaltigkeit

Jürg Siegenthaler, Technical Marketing Manager bei Avnet Memec
Jürg Siegenthaler, Technical Marketing Manager bei Avnet Memec

Mit Smart Meter und weiteren Energiemessgeräten wie Gas- und Wasserzähler tut sich ein viel versprechender Markt für die Distribution auf: Behalten die Marktforscher Recht, so werden allein in Europa bis 2013 über 80 Mio. Smart Meter hergestellt werden. Die technischen Herausforderungen liegen vor allem in der Kommunikationstechnik, wie die von Markt&Technik befragten Distributoren Avnet Memec und EBV erklären.

Jürg Siegenthaler, Technical Marketing Manager bei Avnet Memec:
»Als Distributor müssen wir in der Lage sein, die Technologie für unsere Kunden verfügbar zu machen«

Avnet Memec hat sich auf die Kommunikationseinheit im Smart Meter spezialisiert. Warum gerade hier die Distribution eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Smart Meters spielt, liegt nach Ansicht von Jürg Siegenthaler, Technical Marketing Manager bei Avnet Memec, auf der Hand: »Das Kernproblem bei der Umsetzung von Smart Metering ist die fehlende Standardisierung der erforderlichen Kommunikationstechnik. Als Distributor kennen wir auf der einen Seite die Anforderungen der Kunden sehr gut, auf der anderen Seite stehen wir in engem Kontakt mit den Bauelemente- Herstellern und sind deshalb in der Lage, adäquate Technologien für unsere Kunden verfügbar zu machen«, erklärt Siegenthaler.

Auf welchem Wege man die beim Smart Metering anfallenden enormen Datenmengen überträgt und handhabt, ist nach wie vor nicht per Standard definiert. Tendenzen, welche Technologien bzw. Protokolle sich beim Meter-Reading durchsetzen werden, zeichnen sich aber bereits ab. So verzeichnet Siegenthaler eine wachsende Nachfrage nach Wireless M-Bus.

Auch ZigBee komme in Frage, hier sieht Siegenthaler aber noch keine großen Projekte: »Wir sehen hier das Problem, dass ZigBee nicht unbedingt das energiesparendste Protokoll ist, und sich dadurch momentan nicht für batteriebetriebene Wasser-, Gaszähler etc. eignet.« Dennoch profitiert ZigBee von der starken Allianz, die dahinter steht und dieses Konzept aktiv vermarktet. Auch Metering-Interessensgruppen springen zunehmend auf ZigBee auf, was dieses Übertragungskonzept nichtsdestotrotz weiter beflügeln dürfte. Die Vorteile von ZigBee sind nach Ansicht des Experten, dass dieses Protokoll eine Brückenfunktion zur Home Automation übernehmen und den Weg zu einer durchgängigen Home Infrastruktur ebnen könnte. Für die Datenübertragung zum Energieversorger bietet sich Powerline/PLC und GPRS an. »Dass Powerline/ PLC funktioniert, hat Italien bereits bewiesen, auch in Frankreich setzt man auf diese Technologie. Für abgelegene Regionen kann man auf GPRS zurückgreifen.«

Bei den Komponenten, die zur Funkübertragung benötigt werden, kann Avnet Memec aus einer gut ausgestattete Linecard schöpfen, z.B. Wireless M-Bus Lösung von Silicon Labs, Low Power Cortex-M3 von Energy Micro oder die PLC-Lösungen von Maxim, um nur einige Beispiele zu nennen. Laut Siegenthaler komme es darauf an, dass der Distributor sich nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Komponenten-Herstellern als Partner positionieren kann. »In der jetzigen Phase ist vor allem unsere technische Kompetenz gefragt. Wenn es in die Produktionsphase geht, kommt die Logistik zum Tragen.« Dass aber Logistik-Konzepte und Design-In-Support in jedem Fall automatisch die Türen für den Distributor öffnen, ist nicht immer selbstverständlich, wie Siegenthaler unterstreicht. Denn auch Komponenten-Hersteller selbst können über geeignete Struktur verfügen, um Logistik- und Design-In-Unterstützung zu leisten. Die Entscheidung für den Distributor fällt aufgrund seiner technischen Kompetenz und seiner fokussierten Ausrichtung auf diesen Bereich. »Das macht Distributoren wie Avnet Memec auch für große Zählerhersteller attraktiv«, so der Manager. Genau beziffern lässt sich laut Siegenthaler das Marktpotenzial in diesem dynamischen Bereich allerdings nicht. Avnet Memec sei aber bereits in mehrere große Projekte involviert.

Sind in der Kommunikationseinheit des Smart Meter besondere Aspekte des Obsolescence-Managements zu beachten? »Im Prinzip geht es vor allem um den Mikrocontroller als Herz des Meter- Points, und dabei ist das Abkündigungsmanagement sehr gut beherrschbar «, so Siegenthaler. »Die Cortex-M3-Architektur beherrschen schließlich viele Mikrocontroller- Hersteller.« Überdies gebe es von einigen Komponenten-Herstellern sogar Absichtserklärungen über Langzeitverfügbarkeiten von zehn oder zwölf Jahren. Schließlich gehe es dabei für die Hersteller um einen Milliarden-Markt und damit um strategische Investitionen, ähnlich wie für den Automotive-Markt.