Arrow "Industrie 4.0 ist Teil unserer Embedded Strategie"

Patrick Delmer, Arrow

Industrie 4.0 ist für Arrow ein wichtiger Teil der Embedded-Strategie. Wie Arrow das Thema angeht, dazu gibt Patrick Delmer, Marketing Manager, Strategy & Technology von Arrow, im Markt&Technik Interview Auskunft.

Markt& Technik: Gibt es in Ihrem Haus zur Industrie 4.0 Initiativen oder Forschungskooperationen?
Patrick Delmer: Die zunehmende Vernetzung von Embedded-Systemen und deren autonomer Datenaustausch ist bei Arrow unter dem Begriff »Intelligent Systems« positioniert, umfasst aber neben der Fabrikautomation auch Bereiche wie Gebäudeautomation, Smart Energy und Medizintechnik. Wir sind in engem Kontakt mit unseren Lieferanten, insbesondere hinsichtlich der Proliferation von neuen Kommunikationsstandards und einer vereinfachten Integration der notwendigen Protokolle im Embedded-System. Einige unserer neuen Referenzplattformen und Entwicklungssysteme tragen diesen Anforderungen bereits Rechnung, z.B. die Arrow Cloud Connect. Bei dieser Lösung wird in wenigen Schritten ein Microcontroller der Freescale-Kinetis-Familie an eine Cloud angebunden. Weitere solcher Lösungen sind in Vorbereitung.

Was erwarten Sie von diesem Thema für die Distribution?
Durch die Integration aufwendiger Kommunikationsprotokolle in das Embedded-System werden die Anforderungen an Prozessorperformance und integrierte Speichergröße deutlich steigen. Dies wird dem Preisverfall im 32-Bit-MCU-Segment entgegenwirken. Gleichzeitig erhöht sich für die Distribution der Support-Aufwand. Auch Embedded Software und Middleware muss künftig vom Distributor unterstützt werden, um eine ganzheitliche Lösung anbieten zu können.

Gibt es dafür ein eigenes Kompetenzteam für Industrie 4.0 in Ihrem Unternehmen?  
Ja, wir haben ein europäisches Team geschaffen, das auch Spezialisten zu einzelnen Technologien enthält. Schwerpunkte sind dabei die drahtlose Kommunikation einerseits und Prozessoren mit Modul-Lösungen und Software andererseits. Entlang der gesamten Signalkette verfügen wir über Spezialisten, die sich in Design-Aspekten auskennen. Aus unserer Sicht ist die Signalkette hierfür vom Sensor zur MCU/MPU via wireless/wired Kommunikation zur Cloud. Ergänzt wird diese Kompetenz durch ein ausgewähltes Partnernetzwerk, das etwa in Fragen zu Internet-Diensten & TCP/IP unterstützt.

Wird das Thema von den Kunden bereits nachgefragt?
Seit längerem ist die Vernetzung von Embedded-Systemen ein wichtiges Thema. Obwohl die Bundesregierung den Begriff »Industrie 4.0« prägt, sind viele unserer Projekte Weiterentwicklungen bestehender Systeme. Auch die Begriffe »Cyber Physical Systems« oder »Smart Factory«, die hier oft genannt werden, sind in der Industrie eher eine Evolution als eine Revolution.

Wie adressieren Sie die Kunden in diesem Bereich?
Um lösungsorientiert Kunden zu adressieren, ist es wichtig, nicht nur Hardware-Komponenten vorzustellen. In Workshops und Seminaren beispielsweise sind Software- und Cloud-Aspekte mittlerweile integraler Bestandteil.

Ein kritisches Thema in diesem Zusammenhang ist die Datensicherheit, was ja vor allem die Software betrifft. Inwieweit ist die Datensicherheit auch auf Hardware-Ebene ein Thema?
In der Tat spielt dies eine wichtige Rolle, meist jedoch noch nicht auf der Sensor-Seite der Applikation, sondern auf Ebene des Kommunikationsmoduls, das die Verbindung zu Cloud/Internet herstellt. Unsere Lieferanten tragen diesen Anforderungen mit zusätzlichen Hardware-Kryptografielementen Rechnung. Hierzu gehören OTP-Speicher für Schlüssel, AES128 encrypt/decrypt accelerators, Random Number Generators und dedizierte Authentifizierungs-ICs (die neben einer MCU eingesetzt werden). Viele neue Microcontroller, basierend auf dem ARM-Cortex-M-Kern, sind in den letzten Monaten auf den Markt gekommen oder in Planung. Spezielle Derivate, die z.B. für Smart-Energy-Anwendungen entwickelt wurden, haben auch in Industrie-4.0-Anwendungen hohes Potenzial.

Wie sieht die Awareness für das Thema außerhalb Deutschlands aus?
Der Begriff »Industrie 4.0« wird meines Erachtens außerhalb Deutschlands zumindest bisher kaum wahrgenommen, wenn man von den führenden Fabrikautomations-Firmen mal absieht. Auch die verwendeten Kommunikationsstandards sind europäisch wie weltweit sehr unterschiedlich. In den USA spricht man in diesem Kontext eher von M2M – erfasst dabei aber auch Bereiche, die über die Fabrikautomation hinausgehen.
Das Interview führte Karin Zühlke