Michael Negel zum Merger zwischen HPI und ce Global Sourcing »Für Procurement ist hierzulande noch viel Potenzial vorhanden«

Michael Negel, ce Global Sourcing: »Unsere Dienstleistung ist das Procurement. Allerdings eben mit starker Fokussierung auf Elektronik. Über HPI können wir jetzt auch in andere Branchen vordringen, werden also unabhängiger.«

Die ce Global Sourcing und die HPI GmbH haben sich kürzlich zur HPI AG zusammengeschlossen. Ziel ist es, zu einen in Europa führenden Einkaufs- und Prozessdienstleister aufzusteigen. Laut Michael Negel, Vorstand der ce Global Sourcing AG, will das neue Unternehmen sowohl durch Zukauf als auch organisch ein schnelles Wachstum vorlegen.

Markt&Technik: Sie sprechen von einem Merger zwischen HPI und ce global Sourcing. Künftig firmiert das neue Unternehmen als HPI AG. Bleiben Sie wesentlich an ce beteiligt?

Michael Negel: Die Altgesellschafter der HPI halten einen Anteil von 49 Prozent, ich selber 38 Prozent, außerdem bin ich Vorstand der Gesellschaft. Ich hatte vorher über 70 Prozent der Anteile der ce AG, durch die Kapitalerhöhung kam das neue Anteilsverhältnis gewollt heraus. Die restlichen circa 13 Prozent sind Freefloat, wir sind börsennotiert.

HPI AG wird der Börsenname der Unternehmensholding, damit wollen wir auch die neue Ausrichtung dokumentieren. Die ce Global Sourcing wird in eine GmbH übergeführt, somit bleibt der Markenname erhalten, und das operative Chipgeschäft der ehemaligen AG wird weiter mit Harald Heutink als Verantwortlichem betrieben. Sie gehört zu 100 Prozent zur HPI AG,  genauso wie die ce Distribution GmbH, ce Cyber Exchange Canada, VCE Virtual Chip Exchange und ce Taiwan.

HPI kommt, wie der Name schon sagt, aus der Chemie- und Pharma-Industrie. Wie passt das mit ce Global Sourcing als ehemaligem Chip-Broker zusammen?

Zunächst einmal: HPI ist seit einigen Jahren auch als Procurementgesellschaft in der Elektronik tätig, unterhält dafür sogar ein großes Einkaufsbüro in Shanghai mit 25 Einkäufern. HPI war auf der Suche nach einem Spezialisten im Elektronik-Procurement, weil dieser Geschäftszweig bei HPI stark wächst. ce wurde 1976 zwar als Chip-Broker gegründet, ist mittlerweile jedoch ein anerkannter Teil der Supply-Chain und des Procurements der Elektronikindustrie. Wir sind seit zwölf Jahren an der Börse notiert. Jetzt haben sogar Distributoren Chip-Broker gekauft, um diesen Bereich abzudecken. Die Chip-Broker sind den Cowboy-Stiefeln also längst entwachsen und ein wichtiger Bestandteil der Supply-Chain der Industrie.

Hätte ce Global Sourcing also nicht unter Distributoren oder den übrigen Brokern Partner finden können, die ebenfalls starkes Know-how hätten einbringen können?

Wir haben festgestellt, dass wir uns über die letzten zehn Jahre anders entwickelt haben als ein typischer Broker - von denen es, nebenbei gesagt, so viele auch nicht mehr gibt. Als internationale Einkaufsorganisation bedienen wie rund 400 Kunden weltweit. Das so genannte Best Country Sourcing, also für die Kunden möglichst günstig einzukaufen, war schon seit langem unser Brot- und Butter-Geschäft. Außerdem haben wir uns schon lange um die End-of-Life-Bevorratung gekümmert. Die Funktion als Feuerwahr bei Engpässen füllen wir auch aus, aber sie steht gar nicht mehr im Vordergrund. Zwischen 2001 und 2009 hat es ja auch keine Engpässe gegeben.

Andere Broker kaufen häufig Lagerüberbestände auf und verkaufen sie dann wieder an die Interessanten. Das machen wir gar nicht, wir haben überhaupt kein Access-Lager. Unsere Dienstleistung ist das Procurement. Allerdings eben mit starker Fokussierung auf Elektronik. Über HPI können wir jetzt auch in andere Branchen vordringen, werden also unabhängiger.

HPI war also am Know-how speziell im Elektronik-Markt interessiert?

Ja, und sie konnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn sie haben dadurch nicht nur Zugang zu unserem Know-how im Elektronikbereich bekommen, sie konnten über einen Reverse IPO an die Börse gehen, ohne einen eigentlichen Börsengang durchführen zu müssen, der für ein mittelständisches Unternehmen ja recht teuer ist.

Bleibt dann von ce Global Sourcing noch viel übrig?

Es bleibt alles übrig: Wie schon gesagt, alle einzelnen ehemaligen Firmen von ce operieren weiter unter ihrem Namen im Elektronik-Markt und kümmern sich um Engpässe, die Versorgung mit abgekündigten Produkten, Best Country Sourcing und Benchmarking im Elektronikmarkt. Alle Firmen von HPI agieren in den übrigen Märkten wie etwa HPI Components, HPI Sourcing, HPI Chemicals etc. HPI Components unterhält ein Lager bei den Kunden, der Kunde bezahlt nach Entnahme, er hat nur noch einen Lieferanten für B+C-Teile, nicht mehr Dutzende.

Wie hoch ist der Umsatz der neuen ce-HPI (HPI AG)?

2010 erwarten wir konsolidiert ca. 30 Mio. Euro Umsatz, davon ist einiges Dienstleistungsgebühr, läuft also nicht als Umsatz über unsere Bücher. Es wird ein Einkaufsvolumen von 4,3 Milliarden Euro gemanagt, sog. »Spend under Control«. 2011 wollen wir die 50-Millionen-Euro-Umsatz-Hürde nehmen, 2012 dann auf 75 bis 100 Mio. Euro kommen.

Und der Umsatz von HPI Components?

In diesem Jahr wird er bei 5 Mio. Euro liegen, für 2011 prognostizieren wir 12 Mio. Euro und für 2012 rund 20 Mio. Euro im Segment B+C-Teile-Outsourcing.

Worauf gründen sich die Hoffnungen auf das schnelle Wachstum?

Erstens durch Zukauf, wir schauen uns nach weiteren Procurement- und Logistk-Firmen um, die zu uns passen. Zweitens durch organisches Wachstum. Wir fokussieren uns vor allem auf  die Versorgung mit B- und C-Komponenten. Zusammen mit HPI können wir hier sehr viel mehr anbieten als früher. Und für die großen Firmen besteht das Know-how ja nicht darin, die B- und C-Teile einzukaufen. Diesen Einkauf auszulagern, liegt also nahe. Da sind uns andere Länder wie die USA, Großbritannien und Frankreich voraus, wo es schon große Pro-curement-Firmen gibt. Es ist also hierzulande, aber auch weltweit noch viel Potenzial vorhanden. Mit zwei Kunden haben wir die entsprechenden Verträge für 2011 schon abgeschlossen, was einem niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag entspricht. Schritt für Schritt wird das über die nächsten Jahre so weiter wachsen. Ein großer Wachstumstreiber neben der Akquisition wird auch sein, Dienstleistungsumsätze in Umsatzvolumen zu wandeln und selber zu fakturieren.

Was genau ist die Aufgabe von HPI Components?

HPI Components übernimmt die komplette Abwicklung von B+C-Komponenten für die elektronikverarbeitende Industrie. Einkauf, Zwischenlagerung, Logistik, Lieferung, Disposition von Memory-, Logik-, Linear-ICs, Transistoren, Dioden und passiven Bauelementen. Eben alles auf der Platine, was für den Kunden kein reiner A-Artikel ist.