Nächsten Jahre bringen dramatische Veränderungen »Feuerwerk der Chancen«

Harriet Green, CEO bei Premier Farnell, ist überzeugt, dass die kommenden drei Jahren dramatische Änderungen bringen werden, die vor allem die Technologien, die industrielle Infrastruktur und das Internet-Geschäft betreffen. »Die Krise wird eine Vielzahl von Möglichkeiten mit sich bringen«.

Die Prognosen für 2009 fallen düster aus. Worauf wird man sich aus Ihrer Sicht einstellen müssen?

Harriet Green: Auf eine längere Eiszeit. Ich rechne nicht damit, dass die Wirtschaft vor 2011 einen Aufschwung sehen wird. Insbesondere Nordamerika, Europa und Japan werden in den kommenden zwei bis drei Jahren mit einer starken Rezession zu kämpfen haben. 2009 wird das Jahr der Bilanzen sein - vor allem im Hinblick auf die Refinanzierung großer Firmen.

Welche Hoffnungen setzen Sie in die sogenannten »developing regions«?

Sehr große. Ich denke, dass China, Indien und Osteuropa mit Ausnahme von Russland und der Türkei weiter wachsen werden. China identifiziert bereits sehr genau seine Investitionen in Infrastruktur, R&D, Export und Pipelines, und ist bereit dafür viel Geld auszugeben. In Indien ist die Situation etwas anders aufgrund der politischen Lage und Osteuropa ist von der Sorge um Russland geprägt. Aber ich bin überzeugt, das China, Osteuropa und Indien als Entwicklungsstandorte weiter enorm an Bedeutung gewinnen.

Farnell hat sich zum Ziel gesetzt seinen Umsatzanteil in China, Osteuropa und Indien bis 2010 von 10 Prozent (2007) auf 25 Prozent zu erhöhen. Lässt sich dieses Ziel noch halten?

Ja, unser Umsatz in diesen Regionen steigt weiter. Im letzten dritten Quartal 2008 lagen wir bereits bei 17 Prozent Umsatzanteil in den - wie wir sie nennen - »developing nations«. Wir investieren kräftig in diese Regionen. In Osteuropa betreiben wir mittlerweile eine Vielzahl von Websites in den jeweiligen Landessprachen und wir haben viele Mitarbeiter in Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn, der Slowakei und Russland eingestellt.

Als Kleinmengendistributor adressiert Farnell vor allem die Entwicklungsingenieure. Wie ausgeprägt sind die Entwicklungsaktivitäten in diesen Regionen, die bislang vor allem als Transfer-Regionen für die Produktion bekannt sind?

Es wandert viel Fertigung in diese Low-Cost-Regionen. Aber wir sehen in China und Indien gleichzeitig sehr starke Entwicklungsaktivitäten. Allein in China verlassen jedes Jahr 500.000 Ingenieure die Universitäten, in Indien sind es 300.000 und das Gros dieser Leute ist anschließend in der Entwicklung beschäftigt. Unsere Umsätze in China, Osteuropa, Indien aber auch Brasilien sind in den letzten anderthalb Jahren signifikant gestiegen.