Interview mit Dr. Marc Schacherer Farnell setzt strategischen Fokus auf Produktionsmengen

Dr. Marc Schacherer im Interview mit Markt&Technik Redakteurin Karin Zühlke: „Wir wollen die Wertschöpfungsvorteile für unsere Kunden konsequent ausbauen, d. h. weniger Schnittstellen.“

Als Regional Sales Director Central Europe leitet Dr. Marc Schacherer seit 1. Mai 2013 die Geschäfte von Farnell element14 in D/A/CH und Osteuropa. Gerade für diese Regionen ist der – neue – Ansatz des (Katalog-)Distributors, der verstärkt auf die Komplettversorgung vom Entwicklerbedarf bis zur Produktion fokussiert ist, ein Gewinn. Dazu Dr. Schacherer im Interview.

Mit Zentral- und Osteuropa vertreten Sie sicher zwei der großen „Flagship-Regionen“ in der Distribution, die aber auch teils große Unterschiede aufweisen. Sind beide Regionen gleich erfolgreich?

Deutschland hatte in den letzten acht Monaten eine vergleichsweise stabile Wirtschaftslage vorzuweisen und Osteuropa erfährt durch die Produktionsverlagerungen, etwa aus England, eine hohe Dynamik. Beide Regionen entwickeln sich also erfreulich. Wir können viele Synergien nutzen, indem wir Firmen, die bereits in der D/A/CH Region mit uns zusammen arbeiten, auch in Osteuropa begleiten

Sie äußerten kürzlich, der Wirtschaftsstandort Deutschland ist eine „Power Engine“ – wird er das Ihrer Meinung nach auch in Zukunft bleiben?

Ich bin überzeugt davon, dass hierzulande auch in Zukunft stark investiert wird: Betrachten wir zum Beispiel die Industrie 4.0 High Tech Initiative, mit der die Bundesregierung die Wettbewerbsfähigkeit ausbauen will. Im Zuge von Industrie 4.0 werden wir deutlich mehr Automatisierung benötigen, was wiederum hohe Investitionen nach sich zieht - von der auch die Distribution profitieren wird. Oder ein anderes Beispiel aus der Automobilindustrie: VW plant nach eigenen Angaben für die Jahre 2013 bis 2015 im Konzernbereich Automobile 50,2 Mrd. Euro zu investieren. Auch das hat einen positiven Effekt für die Distribution.

Das Potenzial ist also da, aber gleichzeitig wird auch der Wind in der Distribution von Jahr zu Jahr rauer, so zumindest mein Eindruck. Und es ist kein Geheimnis, dass die Distribution ein Verdrängungswettbewerb ist. Wie begegnen Sie bzw. Farnell element14 dieser Herausforderung?

Wir wollen die Wertschöpfungsvorteile für unsere Kunden konsequent ausbauen. Der Kunde will mehr Wertschöpfung und weniger Schnittstellen. Das heißt für uns: Wir fokussieren uns in Europa künftig verstärkt darauf, die komplette Wertschöpfungskette vom Entwicklungsbedarf bis hin zu mittleren Produktionsvolumina zu bedienen.

Haben Sie das nicht bisher auch schon?

Ja, wir haben zwar auch bisher schon Aufträge für Produktionsvolumen bedient, wenn der Kunde eine solche Anfrage an uns herangetragen hat, aber das Thema nicht bewusst forciert und nicht wie jetzt, strategisch aufgesetzt.

Sprengt das nicht das Preisgefüge eines Katalogdistributors wie Farnell element14, der ja eigentlich auf kleinere Volumina und damit die teurere Vereinzelung von Bauteilen spezialisiert ist?

Da müssen wir unterscheiden. 99 Prozent der deutschen Unternehmen sind Mittelständler, da sind keine extremen Vorteile durch Millionen-Stückzahlen gegeben. Hier zählt vor allem die Lieferverfügbarkeit und die Geschwindigkeit und dass wir ein verlässlicher Partner sind.

Aber natürlich ändern sich auf dem Weg von der Entwicklung in die Produktion auch der Preis und damit für uns auch die Margen.

Wie sieht das künftige Modell genau aus?

Wie schon gesagt, überall dort, wo wir bereits in der Entwicklung mit dabei sind, wollen wir eine durchgängige Wertschöpfungskette bis zum Produktionsvolumen anbieten.

Gilt das für Ihr komplettes Sortiment?

In Österreich läuft derzeit unsere Pilotphase mit über 100.000 Produkten, für die wir Produktionsmengen anbieten. Welche Bauteile in großen Mengen verfügbar sind, soll künftig gleich im Warenwirtschaftssystem hinterlegt sein.

Wann wird das ganze flächendeckend ausgerollt?

Voraussichtlich bis Mitte dieses Jahres.

Sie sprechen immer wieder von mittleren Stückzahlen – können Sie das etwas konkretisieren?

Das ist produktabhängig und lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei Widerständen sind 10.000 Stück nicht viel, bei High End Controllern sehr wohl. Es gibt aber ganz klare logistische Aspekte, die wir nicht bedienen, wie Just-in-Sequence.