90 Jahre Beck Elektronik »Emotionen verkaufen seit 90 Jahren Produkte«

Patrick Beck, Alexander Beck, Nicolai Beck (v.l.n.r.) Auch wenn die Beck Elektronik inzwischen 60 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielt, steht für Alexander Beck und seine Söhne die Zukunft des Standortes Deutschland für die Beck Elektronik nicht zur Diskussion.
Patrick Beck, Alexander Beck, Nicolai Beck (v.l.n.r.) Auch wenn die Beck Elektronik inzwischen 60 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielt, steht für Alexander Beck und seine Söhne die Zukunft des Standortes Deutschland für die Beck Elektronik nicht zur Diskussion.

Wenige Unternehmen der deutschen Elektronikbranche können wie die Firmengruppe Beck auf eine 90-jährige Tradition zurückblicken.

Erfolg durch Wandel und die frühzeitige Identifizierung neuer Geschäftsfelder sind für Geschäftsführer Alexander Beck die Grundlage des Erfolgs. Mit seinen Söhnen beginnt nun die vierte Generation, Verantwortung zu übernehmen.

Markt&Technik: Herr Beck, Ihr Großvater gründete das Unternehmen 1925 als Handelsvertretung. Ihr Vater formte daraus ein Distributions-Unternehmen, das Sie und Ihr Bruder Dr. Dieter Beck stark internationalisiert haben. Was war entscheidend für diesen generationsübergreifenden Erfolg?

Alexander Beck: Ich würde sagen, dafür gibt es mehrere Gründe: Wir haben uns immer stark auf Industrieapplikationen konzentriert, auch wenn in den 1950er- und 1960er-Jahren auch namhafte Consumer-Elektronik-Hersteller zu unseren Kunden zählten. Wir haben uns auch erst zur Jahrtausendwende dem Automotive-Bereich zugewandt, dort aber auch nur ausgewählte Anwendungsbereiche bedient. Es ist uns zudem über nunmehr neun Jahrzehnte gelungen, unseren Kunden auf Augenhöhe Produkte mit Emotion zu verkaufen. Und ganz wichtig: Wir haben uns früh aus dem IC-Geschäft zurückgezogen und konnten so, im Gegensatz zu vielen anderen mittelständischen Distributoren, unsere Selbstständigkeit bewahren!

Versuchen heute nicht alle, ihre Produkte über Emotionen zu verkaufen, vom Auto bis zur Immobilie?

Der Unterschied liegt darin, dass wir von den Produkten, für die wir unsere Kunden begeistern wollen, überzeugt sind. Das war schon bei meinem Großvater so. Er hat sich beispielsweise bereits in den 1920er-Jahren für die Technik der aufkommenden Phasenschieber-Kondensatoren begeistert. Leider teilten seine Kunden im Bereich Energieversorgung seine Begeisterung zu Anfang nicht. Er hat dann eine Art Leasing-Modell entwickelt, das seinen Ertrag an die Ersparnis der Energieversorger koppelte, die diese Kondensatoren einsetzten. Als die Energieversorger dann vom Nutzen dieser Technologie überzeugt waren, wollten sie die Kondensatoren natürlich kaufen. Darauf ist mein Großvater aber erst dann eingegangen, als seine „Leasing-Verträge“ ausliefen.

Sie sprachen von der deutschen Consumerelektronik der 1950er- und 1960er-Jahre – eine Zeit, die unter anderem von Unternehmern wie Max Grundig und Paul Metz geprägt war. Hat Ihr Großvater diese Firmen beliefert?

Wir haben damals die deutsche Radio- und TV-Industrie unter anderem mit Produkten von Roederstein, Rosenthal Technik und später Draloric beliefert. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang vor allem an zwei Geschichten meines Großvaters: zum einen, wie er nach dem Krieg mit dem Fahrrad von Nürnberg nach Selb geradelt ist, um sich dort als Handelsvertreter wieder zurückzumelden und in Erinnerung zu rufen, und zum anderen, wie er, der in seiner Jugend ein hervorragender Turner war, auf dem Schreibtisch von Paul Metz aus dem Stand einen Kopfstand vollführte. Er wollte ihm damit eindrucksvoll demonstrieren, dass Beck bereit sei, sich für seine Kunden auf den Kopf zu stellen. Die Aktion hat Paul Metz endgültig davon überzeugt, sich für den richtigen Lieferanten entschieden zu haben, und der Vertrag wurde unterzeichnet.

Sie konzentrieren sich auf passive Bauelemente, Optoelektronik, TFTs, LEDs und Elektromechanik – eine Konzentration, die sicher auch Einfluss auf Ihre Lieferkette hatte?

Bis Mitte der 1980er-Jahre haben wir fast alle Produkte, die wir vertrieben haben, in Deutschland eingekauft. Seit dem Eintritt meines Bruders und mir, in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre, hat sich das Schritt für Schritt verändert. Im Zuge der heraufziehenden Globalisierung haben wir in den darauf folgenden Jahren immer intensivere Geschäftskontakte nach Asien entwickelt, speziell zu Herstellern in Japan, Taiwan und Süd-Korea. Was zu Beginn vor allem für das Sourcing galt, hat sich inzwischen auch im Hinblick auf unsere Absatzmärkte verändert: Wir erzielen heute etwa 60 Prozent unseres Umsatzes jenseits der deutschen Grenzen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich für die Beck Elektronik hier ein gewaltiger Wandel vollzogen.

Wie stellt sich denn aktuell die Umsatzsituation der Beck Firmengruppe dar, und wie verteilt sich dieser Umsatz auf die verschiedenen Produktsegmente?

Wir haben mit unseren weltweit rund 160 Mitarbeitern im letzten Jahr einen Umsatz von etwas über 64 Millionen Euro erzielt. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir derzeit von einem hohen einstelligen Wachstum aus. Nach wie vor machen passive Bauelemente etwa die Hälfte unseres Umsatzes aus. TFT rangiert mit 25 Prozent auf Rang 2, gefolgt von unserem LED-Umsatz, der sich bei etwa 15 Prozent bewegt. Der Rest verteilt sich auf Elektromechanik und andere Aktivitäten.