Supply Chain Management vom Feinsten Eine Lieferperformance von 99 Prozent – auch in Allokationszeiten

Joachim Kaiser, Rutronik

„Ein Forecast, der nur um 
25 Prozent schwankt, ist für uns ein guter Forecast, damit können wir gut arbeiten.“
Joachim Kaiser, Rutronik: „Ein Forecast, der nur um 25 Prozent schwankt, ist für uns ein guter Forecast, damit können wir gut arbeiten."

Mit Supply Chain Management die Versorgungssicherheit und die Qualität der Prozesse erhöhen und gleichzeitig die Prozess- und Kapitalbindungskosten in der Lieferkette senken – warum das kein Widerspruch, sondern die Kür des Supply Chain Managements ist, dazu ein Gespräch mit Joachim Kaiser, Geschäftsführer Logistik von Rutronik.

Markt&Technik: Logistik galt vor einigen Jahren noch als Paradestück, heute ist es eher Pflichtprogramm. Was ist heute der Unterschied zu früher?

Joachim Kaiser: Früher hat man Logistikkonzepte in erster Linie umgesetzt, um Kosten zu sparen und Fehler zu reduzieren. Das ist heute nicht mehr der Haupt-Trigger, sondern eine Konsequenz, die sich aus einem guten Supply Management automatisch ergibt.

Worin bestehen dann heute die Problematiken und Herausforderungen?

Lassen Sie mich dazu etwas ausholen: Ein Distributor wie Rutronik hat über 200 Hersteller und zig Millionen Produkte bzw. Artikel im Programm. Durch die langen Produktionsprozesse der Bauteile sind Lieferzeiten von 20 oder mehr Wochen keine Seltenheit. Wir machen unser Geschäft mit weniger als 100.000 Artikeln von den besagten Millionen. Und etwa 45.000 davon sind Artikel, die von vielen Kunden gekauft werden, weitere 45.000 wiederum werden nur von einem oder wenigen Kunden bestellt. Sie können sich also vorstellen, wie komplex es wäre, wenn wir bildlich gesprochen alleine im Kämmerchen versuchen würden, herauszufinden, welche Bauteile welcher Kunde wann bestellt? 

Das klingt in der Tat schwierig. Wie bewerkstelligen Sie diese Herausforderung, alleine über Lagerbestände? 

Nein, wir fahren keine unendlich hohen Lagerbestände, sondern wir arbeiten über die Forecast-Daten der Kunden. 

Wir appellieren an die Kunden, uns so früh wie möglich über ihre Planung respektive Forecasts zu informieren. Wir laden die Forecasts in unser System und disponieren langfristig darauf und schaffen Verfügbarkeit und Flexibilität über langfristiges Backlog-Management. Das heißt, ich bekomme beispielsweise an einem Montag von 500 Kunden 40.000 verschiedene Artikel gemeldet. Das gibt mir die Möglichkeit, diese Forecast-Information langfristig bei meinen Vorlieferanten zu platzieren, so dass ich die Artikel kenne, die der Kunde braucht, und wann etwa wieviel. 

Damit haben wir eine immens hohe Trefferquote – und können eine Lieferperformance von 99 Prozent – auch in Allokationszeiten – sicherstellen, was uns zum Beispiel die Position als weltweiter Exklusivlieferant für Widerstände eines großen Automotive Tier 1 gebracht hat. 

Wenn der Kunde frühzeitig bestellt, hat er dann noch Möglichkeiten, die Ware wieder zu stornieren?

Wenn wir von Massenartikeln sprechen, erlauben wir dem Kunden, eine Woche vor Lieferung seine Ware zu stornieren. Als Gegenpart gibt es aber auch die NC/NR-Artikel, also Non Cancelable und Non Refundable: Hier versuchen wir, auf Artikelebene mit dem Kunden eine Risikoabnahme-Verpflichtung festzulegen. Da kommt es dann im Einzelfall auf die Konditionen an.

Sie erklärten eingangs, dass sich eine Kostenreduzierung sowieso ergäbe, wenn man die Supply-Chain-Management-Prozesse gut aufgesetzt hat. Wie habe ich mir das technisch vorzustellen?

In dem Moment, in dem ich automatische Up- und Downloads im Rahmen von EDIs habe, erreiche ich eine extreme Kostensenkung auf beiden Seiten der Lieferkette. Auch der Kunde kann durch die automatische Fileverarbeitung seinen Arbeitsaufwand deutlich reduzieren. – Viele Kunden sind bereits in der Lage, strukturierte Messages wie Edifact zu liefern. Rutronik hat aber auch viel Zeit und Geld in die Hand genommen und die standardmäßigen SAP IDocs an unser System angedockt, wir können also solche IDocs in unser System zu laden und dem Kunden zur Verfügung stellen. Darüber hinaus können wir natürlich auch die für Automotive genormten VDA-Messages verarbeiten.

Was, wenn der Kunde kein EDI kann? 

Das ist gar kein Problem. Wir können auch jedes Text-, CSV-, XML- oder XLS-File verarbeiten. Dafür brauchen wir keinen Pro-grammierer mehr. Wir haben ein komplettes Frontend entwickelt, in dem ein Produkt-
manager automatisch das Mapping ausführen kann. Das eröffnet auch solchen Kunden die Möglichkeiten, Supply-Chain-Programme mit uns zu fahren, die keine genormten Konverter haben und maximal ein XLS-File generieren können. Aber auch das reicht uns vollkommen aus, um Forecast und Auftrag zu generieren.

Durch die automatischen Up- und Downloads gehen übrigens auch die Fehlerraten extrem nach unten. Die Fehlerrate ist um Faktoren geringer als bei manueller Arbeit. Durch die Transparenz, die wir damit erzielen, können wir mit meist weniger als 10 Prozent der Jahresmenge als Lagerbestand arbeiten, was dann oft weniger als einen Monat Lagerbestand bedeutet, und trotzdem diese immens hohe Liefersicherheit bietetn. 

 

 

 

Markt&Technik: Logistik galt vor einigen Jahren noch als Paradestück, heute ist es eher Pflichtprogramm. Was ist heute der Unterschied zu früher?

Joachim Kaiser: Früher hat man Logistikkonzepte in erster Linie umgesetzt, um Kosten zu sparen und Fehler zu reduzieren. Das ist heute nicht mehr der Haupt-Trigger, sondern eine Konsequenz, die sich aus einem guten Supply Management automatisch ergibt.

 

Worin bestehen dann heute die Problematiken und Herausforderungen?

Lassen Sie mich dazu etwas ausholen: Ein Distributor wie Rutronik hat über 200 Hersteller und zig Millionen Produkte bzw. Artikel im Programm. Durch die langen Produktionsprozesse der Bauteile sind Lieferzeiten von 20 oder mehr Wochen keine Seltenheit. 

Wir machen unser Geschäft mit weniger als 100.000 Artikeln von den besagten Millionen. Und etwa 45.000 davon sind Artikel, die von vielen Kunden gekauft werden, weitere 45.000 wiederum werden nur von einem oder wenigen Kunden bestellt. Sie können sich also vorstellen, wie komplex es wäre, wenn wir bildlich gesprochen alleine im Kämmerchen versuchen würden, herauszufinden, welche Bauteile welcher Kunde wann bestellt? 

 

Das klingt in der Tat schwierig. Wie bewerkstelligen Sie diese Herausforderung, alleine über Lagerbestände? 

Nein, wir fahren keine unendlich hohen Lagerbestände, sondern wir arbeiten über die Forecast-Daten der Kunden. 

Wir appellieren an die Kunden, uns so früh wie möglich über ihre Planung respektive Forecasts zu informieren. Wir laden die Forecasts in unser System und disponieren langfristig darauf und schaffen Verfügbarkeit und Flexibilität über langfristiges Backlog-Management. Das heißt, ich bekomme beispielsweise an einem Montag von 500 Kunden 40.000 verschiedene Artikel gemeldet. Das gibt mir die Möglichkeit, diese Forecast-Information langfristig bei meinen Vorlieferanten zu platzieren, so dass ich die Artikel kenne, die der Kunde braucht, und wann etwa wieviel. 

Damit haben wir eine immens hohe Trefferquote – und können eine Lieferperformance von 99 Prozent – auch in Allokationszeiten – sicherstellen, was uns zum Beispiel die Position als weltweiter Exklusivlieferant für Widerstände eines großen Automotive Tier 1 gebracht hat. 

 

Wenn der Kunde frühzeitig bestellt, hat er dann noch Möglichkeiten, die Ware wieder zu stornieren?

Wenn wir von Massenartikeln sprechen, erlauben wir dem Kunden, eine Woche vor Lieferung seine Ware zu stornieren. Als Gegenpart gibt es aber auch die NC/NR-Artikel, also Non Cancelable und Non Refundable: Hier versuchen wir, auf Artikelebene mit dem Kunden eine Risikoabnahme-Verpflichtung festzulegen. Da kommt es dann im Einzelfall auf die Konditionen an. 

 

Sie erklärten eingangs, dass sich eine Kostenreduzierung sowieso ergäbe, wenn man die Supply-Chain-Management-Prozesse gut aufgesetzt hat. Wie habe ich mir das technisch vorzustellen?

In dem Moment, in dem ich automatische Up- und Downloads im Rahmen von EDIs habe, erreiche ich eine extreme Kostensenkung auf beiden Seiten der Lieferkette. Auch der Kunde kann durch die automatische Fileverarbeitung seinen Arbeitsaufwand deutlich reduzieren. – Viele Kunden sind bereits in der Lage, strukturierte Messages wie Edifact zu liefern. Rutronik hat aber auch viel Zeit und Geld in die Hand genommen und die standardmäßigen SAP IDocs an unser System angedockt, wir können also solche IDocs in unser System zu laden und dem Kunden zur Verfügung stellen. Darüber hinaus können wir natürlich auch die für Automotive genormten VDA-Messages verarbeiten.

Was, wenn der Kunde kein EDI kann? 

Das ist gar kein Problem. Wir können auch
jedes Text-, CSV-, XML- oder XLS-File verarbeiten. Dafür brauchen wir keinen Pro-grammierer mehr. Wir haben ein komplettes Frontend entwickelt, in dem ein Produkt-
manager automatisch das Mapping ausführen kann. Das eröffnet auch solchen Kunden die Möglichkeiten, Supply-Chain-Programme mit uns zu fahren, die keine genormten Konverter haben und maximal ein XLS-File generieren können. Aber auch das reicht uns vollkommen aus, um Forecast und Auftrag zu generieren.

Durch die automatischen Up- und Downloads gehen übrigens auch die Fehlerraten extrem nach unten. Die Fehlerrate ist um Faktoren geringer als bei manueller Arbeit. Durch die Transparenz, die wir damit erzielen, können wir mit meist weniger als 10 Prozent der Jahresmenge als Lagerbestand arbeiten, was dann oft weniger als einen Monat Lagerbestand bedeutet, und trotzdem diese immens hohe Liefersicherheit bietetn. 

 

Nun ist in der Branche immer wieder davon zu hören, dass viele Kunden nicht bereit sind, einen ordentlichen Forecast abzugeben. Teilen Sie diese Kritik?

Nein, diese allgemeine Kritik teile ich nicht. Wir machen, wie gesagt, sehr gute Erfahrungen mit unseren Forecasts. Ein Forecast, der nur um 25 Prozent schwankt, ist für uns ein guter Forecast, damit können wir gut arbeiten. 

Aber wir haben uns hier auch Forecast-Prognosemodelle gebaut, so dass wir einen künstlichen Forecast bestimmen können, wenn der Kunde sehr unsicher bei der Planung ist. Nach diesem Verfahren arbeiten wir mit vielen Kunden, was zu einer langfristig sicheren Versorgung führt.

 

Wie funktioniert eine solche Prognose?

Das erkläre ich am besten anhand eines Zahlenbeispiels: Wir berücksichtigen den Forecast zu 30 Prozent, den Verbrauch der letzten sechs Monate ebenfalls zu 30 Prozent und die letzten drei Monate zu 40 Prozent. Aus diesen drei Zahlen berechnen wir eine neue Zahl und erhalten damit den Forecast pro Woche.

 

Was ist Ihrer Ansicht nach die wichtigste Voraussetzung für einen Distributor, um das Supply-Management in den unterschiedlichen Ausprägungen realisieren zu können? 

Man muss die Möglichkeit haben, Artikel für verschiedene Produktionsmodelle unterschiedlich abzubilden. Wir haben heute über 500 verschiedene Logistiksysteme bzw. -Kunden. Kein Logistiksystem gleicht dem anderen zu 100 Prozent, nicht einmal innerhalb eines Unternehmens. Auch hier gibt es unterschiedliche Systeme. Letztlich stehen zwar immer wieder die drei Logistiksysteme Kanban, Lieferplan und Konsignationslager im Mittelpunkt, aber in unterschiedlichen Ausprägungen und Kombinationen. 

 

Wie hoch ist der Anteil der Logistikmodelle bei Rutronik am Geschäft?

Supply-Chain-Solutions ist für Rutronik ein sehr wichtiges Geschäftsfeld. Rutronik erwirtschaftet inzwischen 40 Prozent der Umsätze über Logistikmodelle, und wir betreiben 166 Konsignations-Lager in der ganzen Welt verteilt, mit Millionen an Lagerbeständen. Sehr stark dabei vertreten ist die Automobilindustrie. Wir zählen einige weltweit agierende Tier 1 zu unseren Kunden. 

 

Was macht Rutronik anders als der Mitbewerb?

Wir sind nicht limitiert über lokale Profit Center in Asien, EMEA und USA. Bei uns ist es nicht verboten, in ein anderes Profitcenter hineinzuliefern. Ich kann ein Unternehmen weltweit genauso bedienen mit dem gleichen Logistik-Label. Wir können Konsignationslager in Mexiko oder wo auch immer genauso führen wie in Europa. Natürlich muss man jeweils steuerliche und vertragliche Bedingungen und Vorschriften berücksichtigen. 

Was uns außerdem unterscheidet, ist unser weltweit einheitliches Computersystem. Unsere Mitbewerber haben das nicht. Egal ob Mexiko, Asien oder USA: Alles hängt an einem Computersystem.

 

Wie stellen Sie sicher, dass im Falle eines Ausfalls nicht das komplette System zusammenbricht?

Wir haben aus Sicherheitsgründen zwei Computersysteme in verschiedenen Gebäuden. Jedes von beiden wäre in der Lage, das Geschäft alleine zu bewerkstelligen. 

 

Das Interview führte Karin Zühlke