Avnet Abacus in Zentraleuropa Eine gelungene Übernahme und „signifikantes Wachstum“

Michael Knappmann, Avnet Abacus: "Wenn man eine Firma kauft, kauft man nie die Vergangenheit, sondern das zukünftige Potential."

Vor gut einem Jahr hat Avnet Abacus den Spezialdistributor Altron übernommen. Der Zukauf soll die Marktposition von Avnet Abacus in Deutschland stärken. Denn Wachstum, so Michael Knappmann, Regional Vice President Avnet Abacus Central Europe, ist immer das vordergründige Ziel und keine Option, aber im heiß umkämpften IP&E Markt keine Selbstverständlichkeit.

Markt&Technik: Vor eineinhalb Jahren hat Avnet den Passiv-Spezialisten Altron übernommen. Wie ist die Integration inzwischen gelaufen?
Michael Knappmann: Wenn man eine Firma kauft, kauft man nie die Vergangenheit, sondern das zukünftige Potential. Altron wurde komplett zum 1. Januar 2013 in die Avnet Abacus eingegliedert, mit den meisten Lieferanten und einigen Mitarbeitern.  

Das heißt also, Avnet Abacus hat nicht alle Mitarbeiter übernommen?
Der größte Teil des Personals von Altron war in Lehrte bei Hannover angesiedelt. Lehrte war der Hauptsitz der Altron, von wo aus alle Regionen bedient wurden. Im Zuge der Integration wurde dieser Standort zu einer regionalen Niederlassung, wie es in unserer existierenden Niederlassungsstruktur üblich ist. Dabei haben wir bewusst die Entscheidungspriorität nicht auf die Zahlen gelegt, sondern auf die Mitarbeiter. Da nicht alle Mitarbeiter einen Standortwechsel mitmachen oder unser Angebot annehmen wollten, konnten wir nicht jeden übernehmen. Die ehemaligen Altron-Vertriebs-Teams wurden in die Strukturen der bestehenden Büros von Avnet Abacus in Deutschland integriert. Wir haben versucht, die Änderungen in der Organisation behutsam vorzunehmen, um keine Kundenbeziehungen negativ zu beeinflussen. Es ist nach wie vor unser Credo: Distribution ist ein People-to-People-Business.

In der Presseerklärung zur Übernahmen sagte Avnets EMEA President Patrick Zammit, die Übernahme werde Avnet Abacus und Altron »die kritische Masse« im IP&E-Segment bringen. Was hat die Übernahme aus Ihrer Sicht gebracht?  
Eine ganze Menge! Wir haben neue Hersteller dazugewonnen – wie MPE Garry, Laird und WIMA –, fähige und hoch motivierte Mitarbeiter in unsere Teams eingebunden und natürlich auch neue Kundenbeziehungen aufgebaut. Zudem konnten wir unseren Anteil bei einigen Bestandskunden ausbauen und bestehende Kundenbeziehungen festigen. Last but not least haben wir unseren Netzwerkanteil bei den Lieferanten, die bereits auf der Avnet Abacus Linecard waren, signifikant erhöhen können..

Welche Linienkonsolidierungen gab es?
Wir haben im Zuge der Übernahme keine Linien aus dem Portfolio entfernt, wenn Sie das meinen. Es gab aber sehr wohl Überschneidungen oder »doppelte« Linien. Altron repräsentierte immerhin über 40 Hersteller von Steckern, Passiven & elektromechanische Komponenten.

Wird es für Avnet Abacus weitere Akquisistionen geben?
Darauf erwarten Sie jetzt nicht wirklich eine Antwort – sagen wir so: Für uns ist die Herausforderung, organisch und durch Zukäufe zu wachsen, eine dauernde. Ein »Nicht-Wachstum« ist für uns wie auch für jedes andere Unternehmen keine Option.

Anders gefragt: Rechnen Sie mit weiteren Konsolidierungen auf dem deutschsprachigen Distributionsmarkt in den nächsten Jahren?
Ich glaube zumindest, dass in der nächsten Zeit die eine oder andere Firma zum Verkauf stehen wird, aus dem bestehenden Margendruck heraus oder auch in Folge einer Nachfolgeregelung – die Nachkriegs-Gründergeneration ist mittlerweile im Rentenalter.

Nach Angaben des Branchenverbandes IDEA stiegen die Umsätze mit passiven Bauteilen von 192 Millionen Euro im dritten Quartal 2012 auf 201 Mio. Euro im dritten Quartal 2013. Der Zuwachs ist also insgesamt gesehen nicht gerade üppig. Wie würden Sie die »Marktsituation« derzeit beschreiben?  
Salopp gesagt ist der Markt seit 2011 langweilig und plätschert so vor sich hin. Nun war 2011 ein absolutes Boomjahr für uns und auch insgesamt - ausgelöst durch das gesteigerte Kaufverhalten beispielsweise durch den Vulkanausbruch in Island oder durch Fukushima. 2012 und 2013 dagegen war der Markt weitaus schwieriger, weil er erstens weitgehend gesättigt war und zweitens keine bahnbrechenden Neuerungen weitere Entwicklungen vorangetrieben haben. Umsatzsteigerungen, auch in 2012 und 2013, sind für uns aber trotzdem die Realität und weiterhin Voraussetzung, um heute und künftig gut aufgestellt zu sein. Zudem ist auch das Marktsegment der Bestücker beispielsweise in den letzten Jahren kräftig gewachsen.