Ein Elektronik-Urgestein feiert 50-jähriges Branchenjubiläum »Die Zusammenarbeit mit jungen Leuten hat mich jung gehalten!«

Helmut Rudel (rechts im Bild) und Norbert Pollok sind seit Jahrzehnten berufliche Weggefährten: Die gemeinsamen Wurzeln der beiden reichen bis in den Anfang der Sechziger-Jahre zum damaligen Kondensatorhersteller ITT zurück.
Helmut Rudel (rechts im Bild) und Norbert Pollok sind seit Jahrzehnten berufliche Weggefährten: Die gemeinsamen Wurzeln der beiden reichen bis in den Anfang der Sechziger-Jahre zum damaligen Kondensatorhersteller ITT zurück.

Seit 1961 ist Norbert Pollok in der Bauelementeindustrie tätig und zählt mit 50 Berufsjahren zu den Urgesteinen der Branche. Zwar ist der ehemalige Thomson-Geschäftsführer längst im Rentenalter, aber vom Ruhestand will er noch nichts wissen. Viel lieber gibt Pollok seine Erfahrung in der Praxis weiter: Seit seiner eigentlichen Pensionierung im Jahr 2000 ist der 76-jährige als Berater für Rutronik tätig - und denkt dabei noch lange nicht ans Aufhören.

Nach seinem ruhestandsbedingten Abschied als Geschäftsführer bei Thomson konzentrierte sich seine Schaffenskraft auf Rasen mähen und Rosen schneiden, wie Norbert Pollok anlässlich eines Treffens mit der Markt&Technik-Redaktion zu seinem 50-jährigen Branchenjubiläums schmunzelnd berichtet. Allerdings währte dieses Pensionistendasein nur kurz: »Eines Nachmittags klingelte das Telefon, und am anderen Ende der Leitung war Helmut Rudel, der mich für Rutronik als Berater für besondere Projekte an Bord holen wollte«, schildert Pollok. Dass die Herren sich schnell einig wurden, liegt nahe, kommt doch die Verbindung zwischen Norbert Pollok und Helmut Rudel nicht von ungefähr: Pollok und Rutronik-Gründer Rudel sind seit Jahrzehnten enge Weggefährten und bringen es zusammen auf fast »100 Jahre Elektronikkompetenz«. Die Funktionen und Aufgaben, die Pollok bei Rutronik als Berater und Ratgeber übernahm und bis heute ausübt, sind vielseitig und liegen hauptsächlich im Bereich Businesss Development, in der Personalförderung und im Personalcoaching. Pollok selbst bezeichnet sich augenzwinkernd gern als ZBV, was so viel heißt wie »zur besonderen Verwendung«.

Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs in die Historie von Norbert Pollok und Helmut Rudel: Die gemeinsamen Wurzeln der beiden reichen bis in den Anfang der Sechziger-Jahre zum damaligen Kondensatorhersteller ITT zurück, wo Pollok nach einem Jahr im Siemens-Konzern seine Karriere begann und schließlich zum Vertriebsleiter befördert wurde. Während dieser Zeit war Helmut Rudel zuerst zuständig für das Vertriebsbüro Bremen und danach Leiter der größten Vertriebsniederlassung der ITT in Stuttgart. Auch als Pollok zum Bauelementehersteller Thomson wechselte und dort zum Geschäftsführer aufstieg, verloren sich die beiden nicht aus den Augen. Denn inzwischen hatte sich Helmut Rudel als Distributionsunternehmen »Rutronik Elektronische Bauelemente« selbständig gemacht, und insofern war schnell wieder ein Anknüpfungspunkt gefunden: Rutronik wurde schon bald Distributor von Thomson. Die Produktpalette von Thomson, die über Rutronik erhältlich war, erstreckte sich anfangs auf passive Bauelemente, wie alle Kondensatortechnologien sowie nichtlineare Widerstände und Selengleichrichter. Später kam dann auch der Vertrieb von Halbleitern dazu.

So war Pollok nach zwölf Jahren bei ITT auch 27 weitere Jahre bei Thomson ein ständiger Wegbegleiter von Helmut Rudel bzw. seinem Unternehmen Rutronik. Was lag also vor elf Jahren näher, als die enge Zusammenarbeit auch weiter fortzuführen? Schließlich können im Jahr 2011 nicht mehr viele von sich behaupten, die Anfänge der Elektronikindustrie und mit ihr den Beginn der Bauelemente-Distribution so richtig »live« miterlebt zu haben. »Ende der 60er-Jahre entstand die Distribution aus dem Blickwinkel heraus, dass die Industrie die ’Kleinaufträge’ nicht mehr selbst abwickeln wollte«, erklärt Helmut Rudel, Gründer und Präsident von Rutronik. Anfangs, so Rudel, seien das einfache Händler gewesen. Erst mit der Zeit habe sich das Berufs- bzw. Unternehmensbild der Bauelemente-Distribution in den Grundzügen, wie wir es heute kennen, herauskristallisiert.

Der Kern des Distributionsgeschäftes war damals wie heute ein erfolgreicher Vertrieb. Und hier zählen heute noch die gleichen Werte wie vor 40 Jahren, betont Pollok: »Sie brauchen ein tiefes Produkt- und Fertigungswissen, um kompetent verkaufen zu können. Schließlich muss sich Ihr Gesprächspartner bei Ihnen gut aufgehoben und betreut fühlen.« Es gebe schließlich zig Vertriebsleute, die alle mit dem gleichen Produkt auf den Kunden zukommen, deshalb gilt nach Ansicht von Rudel auch immer noch der entscheidende Vertriebsgrundsatz: »Ohne die Persönlichkeit des Verkäufers ist kein Geschäft zu machen«. Und genau diesen Grundsatz will Pollok, der selbst als Vertriebsprofi gilt, den Rutronik-Nachwuchskräften in seinen Personaltrainings von der Pike auf vermitteln: Denn, so seine Philosophie: »Eine solide Ausbildung ist die Grundlage, um erfolgreich zu sein.« Und auf eine solche solide Ausbildung legt Rutronik von Haus aus ganz besonders großen Wert und arbeitet zu diesem Zweck eng mit Instituten und (Fach-)Hochschulen zusammen, um beispielsweise duale Ausbildungswege aus Beruf und Studium zu fördern. Denn die Investition in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter zählt laut Helmut Rudel zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Distributors. So ist es beispielsweise gelebte Unternehmenskultur bei Rutronik, vakante und neu geschaffene Führungspositionen mit den eigenen Mitarbeitern zu besetzen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet nicht zuletzt Norbert Pollok, der die Mitarbeiter mit Coaching und persönlichen Gesprächen fit macht für die Herausforderungen, die die Mitarbeiter auf ihrer Karriereleiter nach oben erwarten. So sind im Laufe der Jahre viele von Polloks Zöglingen in leitende Positionen bei Rutronik hineingewachsen. Die Mitarbeiter aus den eigenen Reihen auf dem Weg nach oben zu fördern, ist nach Ansicht von Helmut Rudel auch ein sehr probates Mittel, um dem derzeit viel zitierten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu gehöre aber auch, so Rudel, dass man nicht, wie bei vielen Firmen praktiziert, ständig die Personalkosten reduzieren könne. 

Dass Rutronik für die Personalförderung einen Branchenveteran wie Pollok gewinnen konnte, ist gleich in zweifacher Hinsicht ein geschickter Schachzug: Zum einen profitieren junge Zöglinge, zum anderen aber auch gestandene Manager von der jahrzehntelangen Erfahrung Polloks. Auf der anderen Seite hat er als Ratgeber den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand und kann von außen wertvolle Ratschläge in scheinbar kniffligen und vertrackten Situationen geben.  
  
Dabei ist Pollok für die Rutronik-Mitarbeiter weit mehr als ein »Personalcoach«, denn er möchte sich eher als Ratgeber und Mentor verstanden wissen: »In meiner Stellung habe ich auch die Chance, zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung zu vermitteln, und habe dabei immer versucht, im Sinne der Firma eine Lösung zu finden. So suchen nach wie vor viele Rutronik-Kollegen den Rat Polloks, und er ist sozusagen die erste Anlaufstelle für deren Sorgen und Nöte. Das uneingeschränkte Vertrauen genießt Pollok auch deshalb, weil er durch seine besondere Stellung für niemanden ein »Konkurrent aus den eigenen Reihen« ist.

Aber nicht nur in Sachen Personalentwicklung steht Pollok Rutronik beratend zur Seite: Auch wenn es um besonders schwierige Sonderprojekte im Bereich Business Development geht, greift Helmut Rudel gerne auf die Unterstützung seines langjährigen Weggefährten zurück. So hat sich Pollok in den letzten Jahren, auch dank seiner guten französischen Sprachkenntnisse, intensiv um die Geschäftsentwicklung der französischen Rutronik-Niederlassungen gekümmert: Effizienz und Kosten von Rutronik Frankreich mussten optimiert werden. Dazu galt es für Pollok, die Organisation zu straffen und vor allem die Kommunikation mit den französischen Büros neu zu gestalten, denn es hakte beispielsweise schon an der sprachlichen Verständigung. Mittlerweile, so Pollok, sei man hier aber auf einem guten Weg. 

Und wann kommt der verdiente Ruhestand? »Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht«, antwortet Pollok und macht dabei nicht den Eindruck, als könne er sich ein Leben ohne Arbeit überhaupt vorstellen. Zwar wolle er in Zukunft nicht mehr fünf Tage die Woche arbeiten und aus dem Koffer leben und deshalb wohl mehr und mehr auf das Home Office zurückgreifen. Aber ans endgültige Aufhören denkt Pollok noch nicht: »Die Zusammenarbeit mit jungen Leuten hat mich bis heute jung gehalten«, schmunzelt der Branchenveteran. Auf seine Memoiren, die Norbert Pollok schon so lange schreiben will, werden wir also noch warten müssen.