Neues Distributionszentrum in Leipzig »Die Logistik ist einer unserer wichtigsten Wettbewerbsfaktoren«

Gerald Meier, Future Electronics: »Über ein Drittel unserer Umsätze generieren wir über Logistikpartnerschaften mit unseren Kunden.«
Gerald Meier, Future Electronics: »Über ein Drittel unserer Umsätze generieren wir über Logistikpartnerschaften mit unseren Kunden.«

Mit einer Fläche von 15.000 m² ist das neue Distributionszentrum von Future Electronics in Leipzig künftig logistischer »Dreh- und Angelpunkt« für Lieferungen in die EMEA-Region. Dabei strebt Future einen Lagerumschlag von nur 2 bis 3 an, der dafür sorgen soll, dass große Mengen an Komponenten ständig frei verfügbar sind.

Nach einer mehrmonatigen Testphase hat der Distributor das Zentrum Ende September offiziell eröffnet. Über 6.000 Bestellungen im 24-Stunden-Lieferservice sollen künftig täglich über den neuen Logistik-Standort abgewickelt werden. Das Distributionszentrum in Leipzig ist neben den Lagern in Memphis (USA) und Singapur der weltweit dritte Logistikstandort von Future Electronics.

Dass sich die Verantwortlichen für Leipzig entschieden haben, liege an der guten Verkehrsinfrastruktur und der günstigen geografischen Lage, um neben den bestehenden Kunden auch den stark wachsenden Markt in Osteuropa abzudecken, erklärt Gerald Meier, Marketing Manager Central Europe bei Future Electronics. Leipzig ist darüber hinaus einer der wichtigsten DHL-Umschlagplätze Europas, und der Cargo-Verkehr ist nicht durch Nachflugrichtlinien eingeschränkt.

Der neue Logistikstandort bietet eine Fläche von 15.000 m2 und ersetzt das 8000 m2 große Lager in London, wo auch die Europazentrale beheimatet ist. Für Leipzig spricht laut Meier auch, dass man das Gelände bei Bedarf erweitern könne – eine wichtige Option für Future, schließlich will der Distributor mittelfristig »klar die Nummer 3 in Europa werden«, wie Meier betont. So will Future in den kommenden zwei bis drei Jahren in der EMEA-Region die 1-Milliarde-Dollar-Umsatz- Marke knacken.

»Über ein Drittel unserer Umsätze generieren wir über Logistikpartnerschaften mit unseren Kunden«

Um dieses Ziel zu erreichen, scheut der Distributor keine Kosten: Rund 40 Mio. Euro investierte Future in den Standort im Herzen Sachsens, der ständig etwa 150 Mio. US-Dollar an Warenwert vorrätig hält. Dabei strebt Future einen Lagerumschlag um den Faktor 2 bis 3 an, um möglichst viel Ware tatsächlich frei verfügbar zu haben. Ein solch niedriger Faktor sei im Distributionsgeschäft nicht die Regel, erklärt Meier. Üblich seien eher Faktoren zwischen 8 und 10, die aber auf Kosten der Verfügbarkeit gehen.

Dass Future eine solche Lagerstrategie überhaupt realisieren kann, ist laut Meier der Tatsache zu verdanken, dass Future als privates Unternehmen keinen Aktionären verpflichtet ist und daher über eine größere finanzielle Flexibilität verfügt als ein börsennotiertes Unternehmen. »Wir setzen nicht auf das ’Pipelining’ in der Hoffnung, der Hersteller wird dann schon liefern, wenn wir die Ware brauchen, sondern wir möchten die Bauteile auf Lager haben«, führt Meier weiter aus.

Überhaupt ist die Logistik für Future einer der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren, wie der Manager betont: »Über ein Drittel unserer Umsätze generieren wir über Logistikpartnerschaften mit unseren Kunden.« Diesen Anteil wolle Future künftig nicht zuletzt mit Hilfe des neuen Distributionszentrums noch weiter ausbauen. Zunehmend nachgefragt sind Sicherheitslager, die im Rahmen von Logistikverträgen etwa ein Viertel des Jahresbedarfs eines Kunden vorhalten. »Damit lassen sich die Komponentenknappheit und Verfügbarkeitsprobleme zumindest teilweise abfedern«, so Meier. Voraussetzung, um den Bedarf der Kunden so exakt wie möglich zu kalkulieren, sind ein möglichst genauer Forecast und eine sauber aufbereitete Datenbasis.

Die Datenanbindung an den Kunden bietet Future Electronics sehr flexibel und kundenorientiert an. Der Übertragungsweg wie auch das Dateiformat ist an die Systemgegebenheiten des Kunden angepasst. Die Forecastdaten laufen bei Future auf einem zentralen Server zusammen. Sie werden dort nach Abstimmung mit dem Kunden vollautomatisch verarbeitet und führen damit zur Errechnung eines Sicherheitslagers oder zur automatischen Festlegung von Liefermengen. Parallel bietet Future Electronics jedem Kunden die Möglichkeit an, über ein Web-Portal (FIRST-Link) seine Bestellungen und Sicherheitslagermengen jederzeit einzusehen.   

Hoher Automatisierungsgrad – mehr Effizienz

155 Menschen arbeiten am Leipziger Standort im Zweischichtbetrieb. Ein Dreischichtbetrieb wäre laut Meier möglich, derzeit aber (noch) nicht erforderlich. 100.000 unterschiedliche Bauteile sind in Hochregallagern ständig vorrätig, um Just-in-Time-Lieferungen und andere kundenspezifische Supply-Chain-Konzepte realisieren zu können. Bedient werden die 23 Meter hohen und 100 Meter langen Regale durch zwölf Kräne.

Ein vollautomatisiertes »Order Picking System« greift die Ware aus 285.000 Behälter- und 4500 Palettenstellplätzen und führt sie auf Transportbändern zur Order Picking Station. Dort stellen die Mitarbeiter die Bestellungen zusammen. Nachdem das Paket die Qualitätskontrolle passiert hat, wird am Warenausgang der Versandkarton konfektioniert. »Die Mitarbeiter müssen die Ware also nicht mehr händisch aus den Regalen holen, sondern die Ware kommt automatisch auftragsgerecht zu den Mitarbeitern. Dieses Prinzip ist effizienter und reduziert nicht zuletzt auch die Fehlerrate deutlich«, betont Meier. Er erläutert die Effizienzsteigerung an einem Beispiel: »Früher war das so genannte ’konsolidierte Shipment’ ein manueller Prozess. Heute steuert das System solche Sammelbestellungen«.