Neuer Markt für die Elektronikindustrie »Die Labortechnologie ist der Showstopper für die Biotechnologie«

Gerade große Biobanken arbeiten mit flüssigem Stickstoff und verzichten damit auf die elektrische Kühlung. Trotzdem ist die Infrastruktur von der automatischen Auftankung über die Fernüberwachung bis hin zu vollautomatischen Reinigungssystemen im hohen Maße elektrifiziert.
Gerade große Biobanken arbeiten mit flüssigem Stickstoff und verzichten damit auf die elektrische Kühlung. Trotzdem ist die Infrastruktur von der automatischen Auftankung über die Fernüberwachung bis hin zu vollautomatischen Reinigungssystemen im hohen Maße elektrifiziert.

Die Biotechnologie hat enorme Fortschritte in der Stammzellenforschung gemacht, doch die Labortechnologie hinkt hinterher. Hier setzt der Verein »Labor der Zukunft« an: Er bringt Unternehmen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen und soll vor allem die Elektronikindustrie für einen neuen und vielversprechenden Markt begeistern

Bereits seit 2009 entwickelt eine Technologieinitiative unter Führung des Fraunhofer IBMT im Saarland innovative Technologien für biologische, medizinisch-analytische, chemische und physikalische Labore. Anfang Februar dieses Jahres wurde nun auf Initiative des Fraunhofer IBMT der Verein »Labor der Zukunft e.V.« mit einem interdisziplinären Mitgliedskreis aus der Taufe gehoben. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch die EBV Elektronik. Elektronik, Mobilität und Automatisierung zählen nach den Worten von Professor Dr. Heiko Zimmermann, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, zu den wichtigsten Innovationsfelder für die Labortechnologie, die es nun gelte für diesen Bereich zu gewinnen: »Das Ziel des Vereins ist, dass wir unterschiedliche Welten – Anwender der Labortechnologie und Entwickler – zusammenbringen, einen Workflow zwischen unterschiedlichen Disziplinen schaffen und sinnvolle Arbeitsgruppen für die von uns benötigten Technologien bilden.« 

Das Bestreben des Vereins ist nichts weniger als eine Notwendigkeit, wenn die Früchte der Forschungsarbeit der Biotechnologen – in diesem Fall der Zellbiologie – in Zukunft nicht nur im »Labormaßstab«, sondern auf breiter Basis, und damit zum Wohle der gesamten Menschheit, zur Verfügung stehen sollen. So soll in den nächsten Jahren in dem Verbundprojekt »EBiSC« der Innovative Medicines Initiative (IMI) eine zentrale Stammzellbank auf europäischer Ebene entstehen. In der neuen Europäischen Bank sollen induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) zentral gelagert werden, damit Wissenschaft und Industrie sie zur Erforschung von Krankheiten und zur Entwicklung von Therapien zum Beispiel für neurodegenerative Erkrankungen nutzen können (mehr dazu im beigefügten Kasten). 

Ein ehrgeiziges Ziel, das Manko ist allerdings die erforderliche Labortechnik. »In der Zellbiologie brauchen wir komplett neue Labore«, betont Zimmermann. »Die Labortechnologie ist derzeit der Showstopper für die Biotechnologie.« Die Prozesstechnik ist erst am Entstehen und derzeit alles andere als massentauglich. Smartes Labor? Fehlanzeige. Noch wird in den biologischen Laboren mit einfachen Disposables gearbeitet, per Hand pipettiert, und die Proben werden mit Barcode gekennzeichnet. Die vorhandene Automatisierung der medizinischen Analytik ist hier keine Hilfe, denn die Biotechnologie arbeitet mit kleinen Mini-Organismen, die In-Vitro-Bedingungen benötigen. 

Dabei muss auch für biotechnische Labore nicht alles neu erfunden werden, sondern vieles könnte adaptiert und ergänzt werden. »Im Labor sind viele Produktideen noch nicht angekommen«. Als Beispiel nennt der Professor einen Pick&Place-Roboter aus der Automobil-Elektronik, der mit bestimmten ergänzenden Features auch in der Labortechnologie zum Einsatz kommen könnte. Nicht trivial sind allerdings die Anforderungen, die die Biotechnologie sowohl an Bauteile wie auf Baugruppenebene stellt, denn das Design muss so konzipiert sein, dass die Geräte sterilisierbar sind, und die Verträglichkeit der biologischen Proben mit den technischen Materialien muss gewährleistet sein.

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ereits seit 2009 entwickelt eine Technologieinitiative unter Führung des Fraunhofer IBMT im Saarland innovative Technologien für biologische, medizinisch-analytische, chemische und physikalische Labore. Anfang Februar dieses Jahres wurde nun auf Initiative des Fraunhofer IBMT der Verein »Labor der Zukunft e.V.« mit einem interdisziplinären Mitgliedskreis aus der Taufe gehoben. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch die EBV Elektronik. Elektronik, Mobilität und Automatisierung zählen nach den Worten von Professor Dr. Heiko Zimmermann, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, zu den wichtigsten Innovationsfelder für die Labortechnologie, die es nun gelte für diesen Bereich zu gewinnen: »Das Ziel des Vereins ist, dass wir unterschiedliche Welten – Anwender der Labortechnologie und Entwickler – zusammenbringen, einen Workflow zwischen unterschiedlichen Disziplinen schaffen und sinnvolle Arbeitsgruppen für die von uns benötigten Technologien bilden.« 

Das Bestreben des Vereins ist nichts weniger als eine Notwendigkeit, wenn die Früchte der Forschungsarbeit der Biotechnologen – in diesem Fall der Zellbiologie – in Zukunft nicht nur im »Labormaßstab«, sondern auf breiter Basis, und damit zum Wohle der gesamten Menschheit, zur Verfügung stehen sollen. So soll in den nächsten Jahren in dem Verbundprojekt »EBiSC« der Innovative Medicines Initiative (IMI) eine zentrale Stammzellbank auf europäischer Ebene entstehen. In der neuen Europäischen Bank sollen induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) zentral gelagert werden, damit Wissenschaft und Industrie sie zur Erforschung von Krankheiten und zur Entwicklung von Therapien zum Beispiel für neurodegenerative Erkrankungen nutzen können (mehr dazu im beigefügten Kasten). 

Ein ehrgeiziges Ziel, das Manko ist allerdings die erforderliche Labortechnik. »In der Zellbiologie brauchen wir komplett neue Labore«, betont Zimmermann. »Die Labortechnologie ist derzeit der Showstopper für die Biotechnologie.« Die Prozesstechnik ist erst am Entstehen und derzeit alles andere als massentauglich. Smartes Labor? Fehlanzeige. Noch wird in den biologischen Laboren mit einfachen Disposables gearbeitet, per Hand pipettiert, und die Proben werden mit Barcode gekennzeichnet. Die vorhandene Automatisierung der medizinischen Analytik ist hier keine Hilfe, denn die Biotechnologie arbeitet mit kleinen Mini-Organismen, die In-Vitro-Bedingungen benötigen. 

Dabei muss auch für biotechnische Labore nicht alles neu erfunden werden, sondern vieles könnte adaptiert und ergänzt werden. »Im Labor sind viele Produktideen noch nicht angekommen«. Als Beispiel nennt der Professor einen Pick&Place-Roboter aus der Automobil-Elektronik, der mit bestimmten ergänzenden Features auch in der Labortechnologie zum Einsatz kommen könnte. Nicht trivial sind allerdings die Anforderungen, die die Biotechnologie sowohl an Bauteile wie auf Baugruppenebene stellt, denn das Design muss so konzipiert sein, dass die Geräte sterilisierbar sind, und die Verträglichkeit der biologischen Proben mit den technischen Materialien muss gewährleistet sein.

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»Die Labortechnologie ist der Showstopper für die Biotechnologie«

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