#100DaysTrump Der Trump-Effekt – welcher Trump-Effekt?

Die 100-Tage-Bilanz von US-Präsident Trump ist mehr als umstritten. Doch der Elektronikindustrie könnte er in die Hände spielen. Stimmen aus der Realwirtschaft im Markt&Technik Forum "Distribution & Supply Chain".

Seit seinem Amtsantritt im Januar „überrascht” Donald Trump die Welt im Wochen-Rhythmus mit neuen „Ideen”. Auch die deutsche Automobilindustrie rückte in den Fokus des US-Regenten. Trump kündigte Strafzölle auf deutsche/ausländische Autos an, sofern sie nicht in den USA, sondern beim ungeliebten Nachbarn Mexiko produziert würden. Dort haben in den letzten zwei Jahren zahlreiche OEMs und deren Zulieferer riesige hochmoderne Fertigungsparks eröffnet – für den Bedarf in den USA. Was wird nun aus Mexikos Vorzeigefabriken? Inzwischen ist Trump von der Forderung nach Importzöllen wieder etwas abgerückt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: »Herr Trump muss zur Kennntnis nehmen, dass die Fertigungstiefe in den USA nicht sonderlich hoch ist. Er würde seine eigene Industrie mit bestrafen, wenn er die Importzölle umsetzen würde«, erklärt Bernd Pfeil, Vice President Sales CE von EBV Elektronik.

Die Wirtschaftszahlen aus den USA für das erste Quartal lassen kaum den Schluss zu, dass Trump bisher ökonomisch betrachtet erfolgreich agiert hat. Wenn auch seine progressive Art durchaus auch einen positiven Effekt für die USA hat, das zumindest meint Hermann Reiter, Director Sales für Zentraleuropa von Digi-Key und Geschäftsführer der deutschen Digi-Key GmbH: »Er hat seiner Wirtschaft den psychologischen Effekt gebracht, dass sich die Amerikaner besser fühlen.« Dass die Wirtschaft durch psychologische Effekte beeinflussbar ist, ist durch zahlreiche Beispiele belegt.

Gibt es also bereits in die eine oder andere Richtung einen Trump-Effekt? Negative Auswirkungen für Europa sind bislang jedenfalls ausgeblieben, bestätigen die Anwesenden: »Auf das eurpäische Distributionsgeschäft gibt es keinen Trump-Effekt«, bestätigt Martin Bielesch, President EMEA Components von Arrow. »Die Zufriedenheit in der europäischen Industrie ist schon sehr hoch. Die Markt-Indizes deuten derzeit auch nicht darauf hin, dass Europa an einem Trump Effekt leidet«, ergänzt Georg Steinberger, Vice President Communications von Avnet.

Ähnlich sehen das auch die produzierenden Firmen in der Runde: »Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird«, sagt Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik. »Wir merken bislang nichts, auch nicht bei Kunden, die in Mexiko ansässig sind. Wenn wir die Bilanz der ersten 100 Tage ansehen, dann stellen wir fest, dass fast alle Ziele von Trump nicht erreicht worden sind.« Zollner produziert selbst für die Region nicht in Mexiko, sondern in Kalifornien und Costa Rica.
Wenn Trump die geplante Steuerreform umsetzen kann, dann würde dies nach Ansicht von Jan Pape, Director EMEA Distribution von TI, einen positiven Effekt für die US-amerikanische Wirtschaft nach sich ziehen, weil die Firmen das Geld vermehrt wieder zurück nach Amerika fließen lassen würden.

Der Geldfluss ist in dieser Hinsicht ein Faktor, der nach Ansicht von Karten Bier, CEO von Recom, nicht zu unterschätzen ist: »Viele Investoren haben während der Obama-Zeit ihr Geld zurückgehalten. Ich könnte mir schon vorstellen, dass jetzt das eine oder andere in den Kreislauf kommt. Es kann also durchaus sein, dass wir in sechs Monaten einen Trump-Effekt feststellen.«