PROFET+-Familie von Infineon "Der Markt braucht Modularität"

Die 24-Volt-Variante der PROFET+s adressiert Nutzfahrzeuge für Bau- und Landwirtschaft oder Trucks aber auch automobil-ferne Applikationen in Nischenmärkten.

Seit einigen Monaten gibt es die ersten PROFET+-Bausteine von Infineon auch in der zur 12-V Version pinkompatiblen 24-V Variante. Bei der Vermarktung dieses Plattform-Konzepts im Mittelstand spielen Distributoren wie Rutronik eine entscheidende Rolle.

Rund ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet Infineon weltweit mit der Distribution, ähnlich stark ist der Distributionsanteil mit 25 bis 28 Prozent auch in Deutschland. Starkes Potenzial sieht Infineon für diesen neuartigen Plattform-Ansatz der PROFET-Familie in Deutschland und Europa vor allem im Mittelstand, weil er bisher nicht gekannte Freiheiten beim Design des Leistungsparts bietet: Der Kunde kann sein Designflexibel entwickeln und ohne großen Aufwand an 12- oder 24-Volt anpassen. Die Bausteine sind gut gegen Kurzschlüsse geschützt und haben eine sehr hohe Diagnosegenauigkeit, was das Detektieren kleiner Lasten bis hin zur LED ermöglicht. Sowohl die 12V- als auch die 24V-Bausteine kommen im selben Pinout und im selben Package. »Dieses Baukasten-Prinzip im Chipdesign ist entscheidend, wenn der Kunde standardisierte Elektronik entwickeln möchte und die Last noch nicht kennt«, erklärt Markus Rick, Key-Account-Manager für Rutronik von Infineon.

Zum Einsatz kommen die Leistungsbaussteine in der 12-Volt-Version vor allem im PKW-Bereich, zum Beispiel zum Schalten von Lampen. Die 24-Volt-Variante dagegen adressiert Nutzfahrzeuge für Bau- und Landwirtschaft oder Trucks aber auch automobil-ferne Applikationen in Nischenmärkten, die auf 24V-Spannungen basieren, wie Haushaltsgeräte, industrielle Automatisierung und medizinische Diagnostik. »Die Distribution spielt eine große Rolle dabei, besonders den mittelständischen Kunden unser modulares Konzept nahe zu bringen«, so Rick. Rutronik zählt in Zentraleuropa zu den stärksten Distributoren von Infineon. Beide Firmen blicken auf eine lange gemeinsame Historie zurück: Seit 1992 sind Infineon und Rutronik Partner. »Rutronik ist in Europa eine feste Größe und hat in den letzten Jahren auch kräftig in die Ressourcen des FAE-Engineerings für den Power-Bereich investiert und sich dadurch sehr gut entwickelt«, erklärt Rick.

Infineon ist im Power-Bereich einer der führenden Hersteller von Rutronik, ebenso wie im Halbleiter-Bereich insgesamt. Zum Vertriebsportfolio des Distributors gehören neben den PROFETs auch die anderen Leistungsbausteine von Infineon. Wie definiert Rutronik insgesamt seinen »Power-Bereich«? Bei uns sind in diesem Produktbereich MOSFETS, Motortreiber, IGBT-Module, Leistungsdioden, Netzteile, Spannungs-Regler-Wandler und Module angesiedelt – also alle Halbleiter und Module, bei denen Leistungsstufen dahinter stehen«, erläutert Mathias Müller, Product Sales Manager Power Semiconductors von Rutronik. 24-Volt Leistungsbausteine sind nach den Worten von Stéphane Fraïssé, Principal Engineer Automotive Body Power von Infineon aufgrund ihrer vielseitigen Einsetzbarkeit gerade auch in mittelständisch geprägten Märkten für die Distribution ein essenziell wichtiges Produkt. Und in diesem speziellen Fall sorgt das besondere Infineon-Konzept nach Ansicht der Gesprächsrunde für zusätzliche Attraktivität: »Das Geschäftspotenzial bedingt sich gegenseitig. Der modulare Ansatz gibt uns die Möglichkeit, neue Wege im Produktmarketing zu gehen und eröffnet uns ein breites Spektrum in der Kundenbetreuung«, betont Müller. Neue Technologien brauchen Zeit, aber das Feedback auf die ersten Bausteine der 24-Volt-Serie ist laut Müller schon jetzt »enorm«. Rutronik hat vor Kurzem den 24V BTT6050-2EKA Baustein gelauncht, der erste aus der PROFET+ 24V-Familie. Um den Kunden die Evaluierung zur erleichtern, stellt Infineon Sample Kits zur Verfügung, die der Kunde seiner Applikation entsprechend frei zusammenstellen kann. Erhältlich sind die Kits ebenfalls über Rutronik oder über Rutronik24 (www.rutronik24.com). Über das neue Online-Bestellportal für kleinere und mittlere Mengen sind u. a. auch die im Beitrag genannten Infineon-Bauteile erhältlich.    

Infineon und Rutronik jedenfalls sind vom Erfolg des modularen Prinzips in der Leistungselektronik überzeugt: Der Markt entwickelt sich nach den Worten von Fraïssé von »tailor made Lösungen« mehr und mehr in Richtung Baukastenprinzip. »Der Markt braucht Modularität«, ist der Principal Engineer überzeugt, weil der Kunde so letztlich Zeit und Geld spart. Er muss nur einmal seine Software, seine Leiterplatte und den Stecker entwickeln und kann den Leistungspart wechseln. »Auch die Qualifizierung muss nur einmal durchgeführt werden«, ergänzt Fraïssé.

In die Hände spielen könnte Infineons PROFET-Plattformansatz auch die Tatsache, dass der Bedarf an Leistungselektronik insgesamt deutlich zunimmt, vor allem durch die Anforderungen an die Energieeffizienz, aber auch die Miniaturisierung der Geräte bei gleichzeitig mehr Leistung.

Einen weiteren Trend sieht Fraïssé im Wechsel vom Relais zum Halbleiter, was automatisch zu einer höheren Komplexität der Elektronik und damit zu neuen Bedarfen und Anforderungen führt. Einzeln betrachtet ist die Halbleiterlösung zwar teuerer, aber in der Gesamtrechnung überwiegen nach den Worten von Fraïssé die Vorteile: Der Kunde profitiere von der höheren Effizienz und weniger Stromverbrauch: »Relais sind Leistungsfresser«, bestätigt Fraïssé. »Die Halbleiterleistung verbraucht nur einen Bruchteil davon.« Als weiteren Pluspunkt nennt Fraïssé den sicheren Zustand der Halbleiterlösung im Gegensatz zum Relais. »Relais werden im Laufe der Zeit vom Markt verschwinden«, ist Fraïssé überzeugt. Bereits heute empfehlen Mathias Müller und seine Kollegen ihren Kunden, vom Relais auf die IC-Lösung umzustellen. Insbesondere bei kostensensitiven Applikationen, bei denen das Preisargument schwerer wiegt als die zusätzlichen Diagnose- und Schutzfunktionen eines ICs, bevorzugt der Kunde teilweise dennoch das Relais.