»Maker«-Kultur Der Hype um die Low-Cost-Boards

Der Raspberry Pi läutete den Hype um die Low-Cost-Boards ein.
Der Raspberry Pi läutete den Hype um die Low-Cost-Boards ein.

Raspberry Pi, Beagle Bone, Arduino, MBED, Wandboard & Co haben sich zu absoluten »High Runnern« entwickelt: Sie kosten teils nur um die 30 Euro, werden von Open-Source Communities getragen und weiterentwickelt und adressieren Hobbybastler und professionelle Entwickler gleichermaßen.

Erhältlich sind diese Boards fast ausschließlich über die Katalogdistributoren, mit Ausnahme des Wandboards, das zum Beispiel auch Future im Sortiment hat. Für die Katalogdistributoren sind diese Boards ein probates Marketing-Tool, denn sie bringen die Elektronik einer breiten Öffentlichkeit nahe und erschließen damit auch neue Kundensegmente. »Diese Boards sind sehr wichtig für uns. Für die Welt der Elektronik bedeuten sie das, was der Acorn-BBC-Computer für die Verbreitung des Programmierens und von Software im Allgemeinen war«, bringt es Simon Duggleby auf den Punkt, Category Marketing Manager Semiconductors von RS Components.

Das Beagle Board ist seit 2008 auf dem Markt und Arduino, der Pionier auf diesem Gebiet, sogar noch länger. So richtig begonnen hat der Hype um die Low-Cost-Boards aber erst mit dem Raspberry Pi im Februar 2012. Er verhalf den Vorgängern sozusagen zu einer Rennaissance. Binnen Sekunden war der Erstbestand des Raspberry Pi bei den beiden Exklusivdistributoren Farnell element14 und RS Components ausverkauft. So etwas kennt man sonst nur von Consumer-Produkten. Ähnlich heiß erwartet wurde dann vor wenigen Wochen das »Beagle Bone Black«, das zuerst bei Mouser erhältlich war. Der Newsletter, in dem Mouser die Verfügbarkeit des Beagle Bone Black ankündigte, brachte es laut Mark Burr-Lonnon, Mousers Senior Vice President für Asien und Europa, auf eine Öffnungsrate von 100 Prozent. 

Wie werden aus Low-Cost-Boards High Runner? Bei geringen Kosten und niedrigen Einstieghürden bekommt der Kunde leistungsfähige Entwicklungsplattformen und Microcomputer, oft unterstützt durch umfangreiche Software-Ökosysteme. Die Bekanntheit und Beliebtheit, die solche Boards genießen, kommt laut Chris Sullivan, Head of Global Solutions Marketing bei Farnell element14, vor allem aus der aufstrebenden Maker-Kultur und der Möglichkeit für Einzelpersonen und Kleinstbetriebe, preiswerte Produkte zu entwickeln. »Für Distributoren wie Farnell element14 ist dieser Bereich gerade deshalb interessant, weil wir den gesamten Produktzyklus unterstützen können - vom Konzept bis zum fertigen Produkt. Low-Cost-Boards sind daher nur ein Teil dieses Aspekts«, unterstreicht Sullivan. »Sie ermöglichen es uns jedenfalls, weiterhin eine entscheidende Rolle für Entwicklungsingenieure zu spielen, wenn es darum geht, Architekturen zu evaluieren und ein neues Design zu starten.«

Hinzu kommt, dass die jeweiligen Communities, die hinter einem dieser Boards stehen, zahlreiche Tools und Hilfsmittel bieten, um diese Boards auch für all jene nutzbar zu machen, die an Elektronik interessiert sind, aber nicht wissen, wie sie starten sollen. Aber auch der Profi-Entwickler holt sich gerne Tipps aus der Community. Die Low-Cost-Boards sind in jedem Fall ein guter Einstieg für Entwickler, bestimmte Prozessoren, wie im Fall des Wandboards der Freescale i.MX6, schnell und einfach kennen zu lernen. »Durch den Software-Support aus der Linux-Community bieten sich solche Boards für die breite Masse an. Ihr ursprünglicher Ansatz, war, einen für die Ausbildung an Schulen und Universitäten geeigneten ’Volkscomputer’ zu niedrigsten Preise zur Verfügung zu stellen. Über Schule und Hobby wächst die Erfahrung in der Entwicklung mit solchen Plattformen, die dann auch im späteren Berufsleben sinnvoll wieder aufgegriffen werden kann«, schildert Michael Röder, Technical Solutions Manager von Future Electronics. »Sie machen eine schnelle Prototypenentwicklung möglich und erlauben schnelle Machbarkeitsstudien. Entwickler können ihre Konzepte sehr schnell und preisgünstig in Hardware umsetzen«, betont Duggleby. So sind die günstigen Community-Boards nicht nur in der Amateur-Welt »en vogue«, sondern halten mehr und mehr auch in die professionelle Entwicklerszene Einzug und sind daher für die Distributoren auch ein interessanter Anhaltspunkt, um neue Design-Projekte zu gewinnen.

Der monetäre Mehrwert solcher Boards liegt für die Katalogdistributoren weniger in den Boards selber, sondern vor allem im erforderlichen Zubehör. Schließlich brauchen Kunden, die solche Boards kaufen, auch Komponenten wie Stecker und Gehäuse. Insofern gehen die von Markt&Technik befragten Katalogdistributoren übereinstimmend davon aus, dass die Kunden, die ein solches Board gekauft haben, sich auch mit ihrem zusätzlichen Bedarf wieder an sie wenden werden. Die Kundenbindung, die durch den Kauf eines solchen Low-Cost-Board entsteht, ist nicht zu unterschätzen. Unterstützt wird sie vor allem von den Communities der Katalogdistributoren. Zu nennen wären hier beispielsweise »Design Spark« von RS und »element14« von Farnell element14, die einigen Low-Cost-Boards eigene Diskussionsforen widmen.