Digi-Key Der erste Katalogdistributor ohne Katalog

Mark Larson, Digi-Key
Mark Larson, Digi-Key

Einen mutigen Schritt hat Digi-Key vor einigen Wochen getan und den Katalog komplett eliminiert. Dass dem US amerikanischen Anbieter damit Umsätze in Europa verloren gehen, glaubt Mark Larson, Cief Chief Operations Officer, nicht. Vielmehr zeige man Flagge als umweltfreundlicher Anbieter und forciere den Weg in Richtung "vollständig internetbasierter Katalogdistributor".

Markt & Technik:Digi-Key ist der derzeit einzige Katalogdistributor, der seinen gedruckten Katalog eingestellt hat. Was veranlasste Sie zu diesem Schritt?

Mark Larson: Wir sind stolz darauf, dass wir der erste umweltfreundliche Kataloganbieter sind. Durch diese Entscheidung werden immerhin hunderttausende Bäume verschont. Darüber hinaus wollen wir dadurch deutlich machen, dass wir ein vollständig integrierter, internetbasierter weltweiter Anbieter elektronischer Bauteile sind. Wir haben übrigens fast nur positives Feedback bekommen. Über 80 Prozent unserer Verkäufe wurden ohnehin schon online über die interaktive oder die pdf-Version des Katalogs abgewickelt.

Wird Digi-Key im Zuge dessen das Online-Angebot weiter ausbauen?

Ja auf alle Fälle, denn der Erfolg unserer Online-Services ist ein entscheidender Beitrag für den Erfolg des gesamten Unternehmens. Dementsprechend erweitern wir das Angebot natürlich laufend. Demnächst werden wir unser deutschsprachiges Angebot um eine Referenzdesign-Bibliothek erweitern. Darüber haben die Kunden dann auch Zugang zu unserem Netzwerk von Entwicklungs-Dienstleistern für ganz spezielle Projektanforderungen. Global erweitern wollen wir auch unsere kürzlich gestartete TechXchange-Community. Eine deutsche Seite gibt es dazu bereits. Die TechXchange-Community ist ein Online-Forum für Entwicklungingenieure, Experten der Elektronikbranche aber auch Hobby-Entwickler. Dort können sie untereinander Ideen und Erfahrungen austauschen.

Digi-Key liefert weltweit von einem einzigen Standort in den USA aus. Werden Sie diese Strategie weiter verfolgen? Immerhin bedeutet das, dass Sie den Kunden nicht von einem Tag auf den anderen beliefern können …

Wir haben die Entscheidung, die Welt von einem Standort aus zu beliefern getroffen, weil uns das einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, die weltweite Nachfrage zu bündeln und erst dadurch können wir unseren Kunden das weltweit größte Sortiment an sofort lieferbaren Produkten überhaupt anbieten. Wir haben derzeit immerhin über 600.000 Teile auf Lager, die sofort lieferbar sind. Wettbewerber, die von regionalen Vertriebszentren aus liefern können das so nicht bieten. Der Expressversand und die niedrigen Anforderungen für den kostenlosen Versand bedeuten im Normalfall, dass ein Kunde seine Bestellung trotzdem innerhalb von 48 Stunden bekommt und auch keine Versandkosten zahlt.

Und welche Erwartungen haben Sie für das Geschäftsjahr 2011?

Mark Larson: Ich gehe davon aus, dass der weltweite Umsatz im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 um 10 bis 15 Prozent steigen wird. Damit läge unser Gesamtumsatz bei rund 1,2 Mrd. Euro.

In den USA ist DigiKey Marktführer. Wie entwickeln sich der europäische und der deutsche Markt?

Ich erwarte, dass unser Umsatz in Europa und Deutschland schneller steigen wird als der weltweite Umsatz. Meiner Einschätzung nach wird unser Umsatz 2011 in Europa ein Wachstum im Bereich von 25 Prozent erreichen, das wären rund 160 Millionen Euro. In Deutschland rechne ich mit einem Wachstum im Bereich von 30 Prozent. Das entspräche einem Umsatz von rund 50 Millionen Euro.

Nun ist Europa im Gegensatz zu den USA nicht ein homogener, sondern ein sehr fragmentierter Markt. Inwieweit berücksichtigen Sie als globaler Katalogdistributor die länderspezifischen Besonderheiten in Europa?

Wir wollen unser Angebot in allen relevanten Sprachen zur Verfügung stellen und auch die Abrechnung in den jeweiligen Währungen ermöglichen. Dieses Projekt ist noch nicht ganz abgeschlossen. Wir geben uns natürlich Mühe, kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen. Unsere Erfahrung mit hunderttausenden Kunden auf der ganzen Welt hat aber gezeigt, dass kulturelle Unterschiede weitaus weniger wichtig sind als die Gemeinsamkeiten: Ingenieure und Einkäufer auf der ganzen Welt möchten die größtmögliche Produktauswahl, eine sofortige Lieferung der bestellten Produkte, einen angemessenen Preis sowie eine schnelle und sachgerechte Abwicklung von etwaigen Problemen.