RS Components »Das Internet spielt in unserem Channel-Mix eine Schlüsselrolle«

Klaus Göldenbot, RS Components

Mit dem Konzept der verteilten Distributionszentren fährt RS eine andere Strategie als die globalen Mitbewerber des Konzerns, die konsequent auf das Single-Lager-Prinzip setzen. »Das würde bei uns nicht funktionieren«, betont Klaus Göldenbot, RS Vorstandsmitglied für den Bereich Europa, Mittlerer Osten und Afrika. RS garantiert die Lieferung zumindest in Ballungszentren bereits für den nächsten Tag, wenn die Bestellung über das Internet und bis 22:00 Uhr eingegangen ist.

RS garantiert die Lieferung zumindest in Ballungszentren bereits für den nächsten Tag, wenn die Bestellung über das Internet und bis 22:00 Uhr eingegangen ist.

Braucht ein Kunde ein Bauteil unbedingt sofort, kommt – im Extremfall - auch mal der Helikopter zum Einsatz. »Diese Flexibilität hätten wir nicht, wenn wir nur aus einem Zentrallager liefern würden«, so Göldenbot. Dass, was für die meisten Zulieferer der Elektronik-Lieferkette ein Problem ist, ist für RS Alltag: »Wir müssen Bestände planen, ohne wirklich zu wissen, was der Kunde morgen kauft«, gibt Göldenbot zu bedenken. Damit das funktionieren kann, ist die enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten genauso entscheidend wie ein ausgeklügeltes Supply-Chain-Modell. Denn der Katalogdistributor ist anders als der Volumendistributor sozusagen die Feuerwehr für schnelle Bestellungen bzw. für Bedarfe jenseits der direkten Produktionsplanung. Damit das funktionieren kann, fahre RS zum einen eine »sehr rigorose Sortimentspolitik«, so Göldenbot. Dazu gehört auch, dass das Produktspektrum seit Juli in allen Ländern Europas einheitlich ist.

Zum anderen beliefert der Katalogdistributor nach Konsignationsprinzip zum Teil auch direkt aus den Lagern der Hersteller. Das kommt natürlich auch dem Hersteller zugute, der damit einen Teil seiner Supply Chain an den Distributor abgibt. Für Hersteller ist RS laut Göldenbot auch deshalb ein wichtiger Partner, weil das Unternehmen als einer der wenigen Katalogdistributoren ein stark differenziertes Kundensegment aus den Bereichen Automation und Elektronik anspricht. Die Entwicklung der Verkaufzahlen in Europa zeige, dass diese Strategie der Partnerschaft Früchte trägt:  Der Umsatz der Electrocomponents-Gruppe, Konzernmutter von RS und Allied hat im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. März 2011 endete, erstmals die 1-Milliarde-Pfund-Marke übertroffen. Dieses Ergebnis bedeutet ein Umsatzwachstum von 21 Prozent, zu dem alle Regionen mit zweistelligen Zuwachsraten beigetragen haben. Auch die weiteren Aussichten für den Konzern mit den Handelsmarken RS und Allied sind nach Aussage von Göldenbot sonnig: »In den ersten sieben Wochen des neuen Finanzjahres konnten wir weiterhin starke Wachstumsraten verzeichnen. Kontinentaleuropa legte erneut um 20 Prozent zu.«

Ein Erfolgstreiber von RS ist das Internet: Was den Online-Handel anbelangt gehört RS Components zu den Pionieren. Bereits seit 1996 ist RS »E-Commerce-fähig«. Seitdem spielt das Internet im Channel-Mix eine Schlüsselrolle, wie Göldenbot bekräftigt: »Wir streben den Platz der unangefochtenen Nummer eins in Europa an und verfolgen die Vision, Schritt für Schritt zum web-basierten Unternehmen zu werden.« Dazu wolle RS dem Kunden das bestmögliche Online-Einkaufserlebnis und den einfachsten und schnellsten Weg zum gesuchten Produkt bieten. Dennoch setzt RS auch weiterhin auf die Multi-Channel-Strategie und will den Print-Katalog zumindest auch mittelfristig weiterführen. Denn, so Göldenbot: »Der Katalog ist das Schaufenster zu unserem Sortiment. Natürlich können wir nicht alle 575.000 Produkte dort abbilden.« Aber damit erhalte der Kunde eine gute Übersicht an die Hand. Überdies habe eine interne Analyse ergeben, dass Kunden, die zwei oder drei Kanäle nutzen, mehr Potenzial bergen und umsatzmäßig schneller wachsen, als Kunden, die nur auf einen Bestellkanal zurückgreifen. Deutschland zählt in Europa mit rund 60 Prozent Internet-Anteil zu den stärksten eCommerce-Märkten für RS. In den nächsten zwei Jahren will RS den eCommerce-Anteil in ganz Europa auf 70 Prozent steigern. Um das zu realisieren, hat RS »signifikante« Investitionen in die Entwicklung von Angeboten getätigt, mit denen sich die Time To Market von Projekten verkürzen lasse, betont Göldenbot. Man unterschätze bei den Online-Aktivitäten aber »mitnichten, dass bereits eine große Menge an Informationen für Entwickler verfügbar ist«. Es gehe deshalb vor allem darum, eine Quelle für »zuverlässige« Informationen aufzubauen, die das breite Vertrauen der Nutzer genieße: Mit dem Mitte letzen Jahres eingeführte Online-Portal »Designspark«, das auch auf Deutsch verfügbar ist, will RS die Arbeit der Elektronikentwicklern noch einfacher und effizienter machen.