One-Stop-Shopping Conrad launcht ersten B2B-Marktplatz für die Elektronik

Für eine kleine Sensation sorgte Conrad auf der embedded world mit dem Launch des ersten B2B-Marktplatzes für die Elektronikindustrie.

Das Konzept ist bislang einzigartig und könnte die Online-Distribution revolutionieren. Die unter dem Namen „Conrad Marketplace“ vorgestellte Online-Plattform vereint nicht nur das Online-Angebot der Conrad-Gruppe, sondern holt auch Hersteller aus Elektronik- und elektroniknahen Gebieten sowie andere Distributoren als Seller an Board. Noch handelt es sich um eine Beta-Version, die aber nach Auskunft von Holger Ruban, CEO von Conrad, bereits voll funktionsfähig ist.  Am den Start gehen soll der Marktplatz Ende April. Bis zum Herbst soll die Vollversion gelauncht werden. »Wir wollen die Plattform sein, die in der Elektronik den entscheidenden Stellenwert hat«, fasst Ruban das Ziel zusammen.

Der Ansatz der Plattform ist im Grunde so einfach wie genial, denn er vereint alles, was der Entwicklungsingenieur aus Elektronik und Elektrotechnik benötigt. Daher sind auf dem Conrad Marketplace nicht nur Firmen aus der Elektronik zu finden, sondern auch aus verschiedenen interdisziplinären Bereichen wie Pneumatik und Elektromechanik bis hin zu einfachen mechanischen Lösungen.

»Ein Ingenieur bekommt mit einer Million Produkte noch nicht das geboten, was er braucht«, sagt Ruban. »Die Kernsortimente eines Ingenieurs sind zwar relativ klein, aber bisweilen werden auch exotische Komponenten benötigt, die man als einzelner Händler kaum mehr abbilden kann. Wir gehen davon aus, dass der Bedarf bei 10 bis 20 Millionen Produkten aus der Technik liegt. Daher ist es aus unsere Sicht die einzige Möglichkeit, eine Plattform aufzubauen, um dem Kunden einen One-Stop-Shop zu bieten.« Auf diese Weise gelänge es, dem Kunden sowohl die neuesten Produkte zu bieten als auch die typischen Exoten und so den Kunden auf einer Plattform zu halten. Könnte man den neuen Marktplatz also als „Amazon“ der Elektronik bezeichnen? »Nein«, sagt Holger Ruban, »das tritt es nicht ganz: Wir lassen nicht jeden auf den Marktplatz, sondern nur Unternehmen, die ISO-9001-zertifiziert sind. Uns liegt die Qualität der Supply Chain maximal am Herzen. Dementsprechend ist die Selektion bei uns anders als bei Amazon, und unser Ansatz ist rein an den Anforderungen der Industrie orientiert.«

Damit ist der Conrad Marketplace aber durchaus eine schlagkräftige Antwort auf die Versuche von Amazon und Alibaba, sukzessive einen Fuß in die Türe des B2B-Elektronik-Vertriebs zu bekommen. Der Druck auf die Distribution steigt, und die Margen erodieren seit Jahren. Insofern liegt es nahe, B2B-Kompetenzen auf einer Plattform zu bündeln. »Es war keine Frage, ob, sondern wann jemand mit dieser Idee an den Markt geht und wer das sein würde«, betont Ruban. »Ich bin überzeugt davon, dass unser Ansatz erfolgsversprechend ist. Wir wollen schnell hochskalieren – wir wissen, wie die Supply Chain funktioniert, und wir selber haben schon die entscheidende Relevanz.«