»Kein Selbstläufer« Beschaffung in China auf dem Prüfstand

Die Investoren aus dem Reich der Mitte zeigten sich bislang kooperativer als viele Finanzinvestoren, meldet die Hans-Böckler-Stiftung.

Leiterplatten, Bauelemente, Materialien: Die Beschaffung in China stand bei der produzierenden Elektronik-Industrie lange Zeit hoch im Kurs, vor allem der günstigeren Preise wegen. Doch der Wirtschaftsabschwung vor Ort stellt nun auch die Stabilität der chinesischen Lieferanten auf den Prüfstand.

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet für China im Jahr 2015 mit 8 Prozent mehr Insolvenzen. Unternehmen sind also gut beraten, bei der Beschaffung in China nicht nur die Qualität genau zu hinterfragen, sondern auch die wirtschaftliche Substanz. Einer aktuellen Studie von msg zufolge, die sich auf mittelgroße Unternehmen fokussiert, ist China für die Beschaffung weltweit nach wie vor sehr beliebt. Fast 75 Prozent der von msg befragten Unternehmen setzen in ihrem Lieferantenmix auf eine kleine, aber konstante Anzahl an Lieferanten aus China. Klar ist aber auch: Vor dem Hintergrund der sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in China verlassen sich die Firmen und ihre Einkäufer aber zunehmend nicht mehr alleine auf eine Lieferquelle, sondern setzen auf Second Sources. China wird sich in einigen Bereichen künftig mehr auf Konkurrenz aus anderen Emerging Markets in Osteuropa oder Südostasien einstellen müssen.

»Das enorme Potenzial des chinesischen Marktes für hiesige Einkäufer ist seit Jahren bekannt. Dabei ist eins aber genauso unbestritten wie das hohe Potential: Die Ausrichtung des eigenen Einkaufs auf den chinesischen Lieferantenmarkt ist kein Selbstläufer«, unterstreicht Dr. Bernhard Höveler, Geschäftsführer von Höveler Holzmann Consulting. »Der Eintritt in den chinesischen Lieferantenmarkt sollte entsprechend gut durchdacht sein«. Höveler empfiehlt daher für eine erste Testphase zunächst unkritische Warengruppen mit einem möglichst hohen Einkaufsvolumen ausgewählt werden. So können einerseits Anfangsinvestitionen (z.B. Reisekosten durch erste Lieferantenbesuche, Anbindung der IT-Systeme, etc.) durch ein höheres Einsparpotential aufgefangen werden, andererseits riskiert der Einkäufer auf diese Weise keine Lieferengpässe durch einen Lieferantenwechsel in einer strategischen Warengruppe. Anschließend gilt es - nach einer ersten Eingrenzung des chinesischen Einkaufsmarkts - mit Hilfe einer Lieferantenselbstauskunft weitergehende Informationen wie Umsatz, eingesetzte Technologien, Zertifizierungen über interessante Lieferanten zu erheben und sich bei Lieferanten in der engeren Auswahl selbst ein Bild von deren Produktionsstätte vor Ort zu verschaffen, um sicherzugehen, dass die Teile auch wirklich dort produziert und nicht irgendwo zugekauft werden.

Nach wie vor ist das Risiko gefälschte oder minderwertige Bauteile untergejubelt zu bekommen in China am größten. Insofern sollten Einkäufer in dieser Hinsicht auch die Beschaffung aus nicht autorisierten Quellen – Broker und Spotmarkt-Händler - genau prüfen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in China dürften den Handel mit gefälschten und qualitativ minderwertigen Bauteilen weiter befeuern.