Kommentar Avnet spielt die regionale Karte

Karin Zühlke, Markt&Technik
Karin Zühlke, Markt&Technik

Wenn ein amerikanisches Unternehmen einen deutschen Mittelständler übernimmt, schrillen erst mal die Alarmglocken: Was bleibt am Ende übrig vom Kern des Übernommenen? Ein Kommentar zur MSC-Übernahme.

Übernahmen deutscher Firmen durch US-amerikanische Konzerne nähren oft das unangenehme Gefühl, dass der Übernommene nicht nur seine Souveränität einbüßt, sondern auch zum sprichwörtlichen Underdog wird, der sich in Strukturen fügen muss, die nicht zu einem deutschen Mittelständler passen. Bedeutet doch der Einstieg eines amerikanischen Investors in vielen Fällen »Kaufen, um zu übernehmen«, und nicht, um miteinander in Synergie zu wachsen. Diese Vorbehalte mögen in vielen Fällen berechtigt sein – der Einstieg von Avnet bei MSC hingegen ist sicherlich anders gelagert, wie die Übernahme-Historie des Konzerns alleine in Deutschland zeigt. Die Avnet-Führung hat bislang in Europa ein gutes Gespür bewiesen, wenn es darum ging, lokal starke Marken in die Konzernstrukturen einzugliedern.

Mit dem Speedboat-Modell setzt der Konzern einen Kontrapunkt zur ansonsten eher zentralistisch geprägten amerikanischen Unternehmenskultur und hat es damit in vielen Bereichen bereits geschafft, als Konzern mit „regionalem Touch“ wahrgenommen zu werden. Dieser regionale Anstrich ist vor allem für das Embedded-Distributions-Geschäft essenziell: Der klassische Embedded-Kunde möchte profunden technischen Support – und das möglichst nahe und in seiner Landessprache. Hier hatte Avnet in Europa bislang noch Nachholbedarf und MSC kommt da wie gerufen. Der Embedded- und Display-Bereich von MSC ist bekanntlich das Filestück des Unternehmens, auf den alleine etwa 50 Prozent des Umsatzes entfallen. Die Tatsache, dass die Reputation der MSC-Gruppe in diesen Bereichen sehr hoch ist, lässt also hoffen, dass Avnet auch in diesem Fall auf eine „regionale Lösung“ setzt.