Brennpunkt »Russland und Ukraine« Auswirkungen auf die (Elektronik-)Lieferkette sind wahrscheinlich!

Distributions-Forum 2014
Wenn sich auch die Auswirkungen des Krisenherdes in der Ukraine derzeit noch nicht genau einschätzen lassen, so ist doch ein Einfluss auf das Komponentengeschäft zu erwarten, wie Branchenvertreter auf dem Markt&Technik Forum zur Zukunft der Distribution übereinstimmend bestätigen.

Hat der Russland/Ukraine Konflikt einen Einfluss auf die Elektronikbranche? Er hat! Darin sind sich nicht nur die Teilnehmer des Markt&Technik Forums »Die Zukunft der Distribution« einig. Auch der ZVEI betrachtet die Russland-Krise »mit Sorge«.

"Beeinträchtigungen des Handels würden sich auf unsere Branche auswirken", erklärte ZVEI-Präsident Friedhelm Loh diese Woche auf der Hannover Messe.

Wenn sich auch die Auswirkungen dieses Krisenherdes derzeit noch nicht genau einschätzen lassen, so ist doch ein Einfluss auf das Komponentengeschäft zu erwarten, wie Branchenvertreter übereinstimmend bestätigen. Das zeigt schon alleine der Blick in den Makrokosmos der Exportzahlen des ZVEI für die deutsche Elektroindustrie: Die unmittelbaren Exporte der deutschen Elektroindustrie nach Russland waren nach Angaben des ZVEI 2013 5,6 Milliarden Euro hoch. Sie markieren damit 3,5 Prozent der gesamten Elektroexporte. Im Abnehmer-Ranking belegt Russland Rang zehn. „Zwischen 2000 und 2013 haben sich die deutschen Elektroausfuhren nach Russland mehr als vervierfacht“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. »Demgegenüber sind die Elektroexporte insgesamt nur um knapp die Hälfte gestiegen.«

Vergangenes Jahr kam der größte Beitrag zu den Branchenausfuhren nach Russland aus den Bereichen Automation (eine Milliarde Euro), Elektromedizin (552 Millionen Euro), Hausgeräte (532 Millionen Euro) und Energietechnik (516 Millionen Euro). Auf der Einfuhrseite spielt Russland mit einem 2013er Importwert von 224 Millionen Euro bzw. einem Anteil von 0,2 Prozent an den gesamten deutschen Elektroimporten eine wesentlich geringere Rolle als bei den Ausfuhren. Die Einfuhren aus der Ukraine liegen mit 263 Millionen Euro höher. Das Direktinvestitionsengagement der deutschen Elektroindustrie in Russland beläuft sich auf rund 1,2 Milliarden Euro - verglichen mit 57,2 Milliarden Euro weltweit.

Soweit die Gesamtschau der Elektroexporte. Ähnlich verhält sich die Abhängigkeit aber auch im »Mikrokosmos« der Elektronik-Lieferkette: Viele Distributoren liefern von Zentraleuropa auch nach Russland und vor allem in die Ukraine. So auch Schukat: Der mittelständische Distributor bedient die beiden Märkte über Partner und Subdistributoren. Und laut Axel Wieczorek, Vertriebsleiter von Schukat, sind die Auswirkungen bereits spürbar, weil Projekte gestoppt wurden. Maxim spürt laut Florian Schrott, Director Distribution EMEA, zwar noch keine Auswirkungen. »Aber der russische Halbleiter-Markt bewegt sich parallel zum Ölpreis, weil viele Produkte, in die die Halbleiter einfließen vom russischen Staat getrieben sind, z.B. Meterin. Wie sich der Halbleiterabstz in Russland entwickelt, hängt also sehr stark davon ab, wie viel der russische Staat an Geld zur Verfügung hat. Und das wiederum hängt davon ab, inwieweit die Europäer weiterhin das Gas in Russland kaufen.«  

Nicht nur die unmittelbare wirtschaftliche Abhängigkeit dürfte Probleme bereiten, sondern die Unwägbarkeiten können auch die Lieferkette und damit die Verfügbarkeit von Bauteilen beeinflussen. So sieht Frank Wolinski, im zweiten Halbjahr  - auch bedingt durch den Russland/Ukraine Konflikt - Unwägbarkeiten bei der Materialversorgung auf die Branche zukommen. Sollte sich der Konflikt schnell lösen, würden auch die Bedarfe kurzfristig nach oben schnellen. Die sind aber ohnehin aufgrund der guten Konjunktur derzeit ohnehin schon relativ hoch, wie die Markt&Technik in ihrer Ausgabe 14 berichtete.