Asien, USA, Europa Arrow stellt sein Automotive-Geschäft auf globale Füße

Das SAM-Car (Semi Autonomes Motorcar) 
wurde für einen behinderten Rennfahrer gebaut .
Das SAM-Car (Semi Autonomes Motorcar) wurde von Arrow und Partnern für einen querschnittsgelähmten Rennfahrer gebaut.

Arrow hat sein Vertical »Automotive« global aufgestellt. Die Fäden im neuen Vertical werden von Deutschland aus gezogen: Der bisherige Arrow VP Sales Central Europe, Thomas Braun, ist als Vice President Global Automotive und Transportation weltweit für den Bereich verantwortlich.

Markt&Technik:  Warum stellen Sie Automotive nun mit einem neuen Vertical verstärkt »ins Rampenlicht« von Arrow?
Das Vertical gab es schon länger in Europa, Asien und den USA. Wir haben ja bereits signifikantes Geschäft in diesem Bereich. Jetzt führen wir die Fäden unter dem Motto »Connect The Dots« global zusammen. In vielen Fällen waren die globalen Verbindungen nicht hergestellt. Ziel ist es, die globalen Anforderungen von Kunden und Herstellern abzubilden und die globale Supply Chain zu managen. Dabei geht es nicht nur um den PKW, sondern auch um  Motorräder, Scooter, Busse, LKWs und Landwirtschafts- und Baufahrzeuge.

Wir wollen künftig sowohl mit Lieferanten Programme global gestalten als auch die Kunden global unterstützen. Wir wollen sicherstellen, dass die Kunden weltweit dieselben Leistungen erhalten. Gleichzeitig brauchen Sie aber auch Teams in Place, die die Sprache des Verticals sprechen. Hier unterscheidet sich Automotive nicht von anderen anspruchsvollen Verticals wie Aerospace & Defense oder Lighting.

Interessant finde ich, dass in einem amerikanischen Konzern wie Arrow die Fäden für Automotive nun durch Ihre Person sozusagen von Deutschland aus gezogen werden.
Deutschland ist bekanntlich einer der Innovationstreiber im Automotive-Geschäft. Man muss natürlich sehr stark auf die Applikationen schauen. Es tummeln sind nicht nur deutsche Firmen in diesem Segment, sondern auch internationale Player im Automotive-Markt.

Was sind Ihrer Meinung nach die Mega-trends im Automotive-Bereich?
Es gibt einige Mega-Trends, die sich in diesem Bereich klar herauszeichnen: Zum einen ist es das vernetzte Auto und die Frage, wie das Auto über entsprechende Applikationen mit seiner Umwelt verbunden ist. Das fließt nahtlos in den Bereich IoT über. Ein weiterer Megatrend ist das autonome Fahren. Irgendwann wird das Auto von alleine fahren. Bis dahin gibt es eine Menge Entwicklungsstufen, die wir auf dem Markt sehen werden. In diesem Zusammenhang taucht auch der Begriff ADAS auf: Advanced Driver Assistance Systems. Dabei geht es um den zunehmenden Komfort, der dem Fahrer das Autofahren erheblich erleichtern sollen: Parksysteme, Radarsysteme, Head-up-Displays mit Augmented Reality, etc. wären solche Themen. Der dritte Trend sind die Hybrid- und E-Vehikels und Powertrain Innovations. Hier haben wir mit der Fragestellung zu tun, was wir tun, um das Autofahren in der traditionellen Form »grüner« zu machen.

Das ist ein breites Spektrum an möglichen Applikationen, die Sie abdecken wollen. Gibt es Grenzen?
Die Bandbreite ist ein Aspekt, über den wir uns differenzieren wollen. Aber es gibt Anwendungen, wie etwa besonders Safety-kritische Applikationen, etwa ein Airbag Design, die wir im ersten Schritt nicht adressieren wollen.  Wir haben auch in diesem Segment Kunden, aber hier geht es dann mehr um Supply Chain Management.

Besteht eine Vernetzung mit Ihren anderen Verticals?
Es gibt nur wenige Überlappungen, etwa mit Lighting oder Aerospace & Defense. Bei Lighting zum Beispiel läuft alles, was im Auto ist, über Automotive, alles was Traffic Lights betrifft, bleibt bei Lighting.

Aber in punkto IoT gibt es doch sicher Überschneidungen?
Für uns ist das Auto ein großer Sensor, insofern ist das voll eingebunden in das Thema IoT. Wir haben die drei großen Verticals Lighting, Aerospace & Defense und Automotive. IoT wird letztlich ja in nahezu allen Technologie-Bereichen eine große Rolle spielen.

Warum nur diese drei?
Natürlich bedienen wir Medical oder Embedded genauso, aber das ist Definitionssache, ob Sie daraus ein Vertical machen oder nicht. Im Automotive-Bereich gibt es eine Zuliefererkette und Sie müssen mit allen in der Kette von Beginn an bis zum Automobilhersteller sprechen, das ist etwas anders  als in anderen Segmenten.

Automotive ist ja ein stark OEM-dominierter Markt. Was versprechen Sie sich als Distributor davon?
Wir haben hier natürlich verschiedene Kunden, die wir mit verschiedenen Dienstleistungen versorgen. Primär sprechen wir mit den Zulieferern von Tier1 bis TierX. Ganz wichtig für uns sind auch die Ingenieurbüros in diesem Bereich. Hier gibt es alle Größenordnungen von zwei Mitarbeitern bis zu einigen Tausend. Wir reden natürlich auch mit den Autoherstellern, dann aber eher über Themen, die die Supply Chain betreffen, wie Langzeitversorgung und Logistik.

Wir sehen im Automobilgeschäft ein enormes Wachstumspotenzial eines gleichmäßig wachsenden Marktsegments. Und wir sehen, dass Distribution noch nicht den Anteil hat wie im klassischen Geschäft. Insofern gibt es hier noch viel Marktpotenzial. Genaue Zahlen, was unsere Pläne betrifft, dürfen wir hierzu aber leider nicht kommunizieren.

Inwieweit hat sich das Automotive-Umfeld in den letzten Jahren verändert, die neue Strukturen wie in Ihrem Fall erforderlich machen?
Das Automotive-Umfeld war ursprünglich ein sehr überschaubares Marktsegment an Zulieferern. Jetzt gibt es viele neue Firmen, wie etwa Mechanik- und Hydraulik-Firmen, die nun auch Elektronik entwickeln müssen. Es kann sein, dass wir das selbst mit unseren Engineering-Kapazitäten zur Verfügung stellen oder dass wir auf Third Parties zurückgreifen im Software- und Hardware-Segment. Hier bauen wir gerade Netzwerke auf, um das adäquat unterstützen zu können.