Distributoren, Supply-Chain-Management, Logistik und Engineering: Arrow auf Einkaufstour

Thomas Braun, Arrow Central Europe
Thomas Braun, Arrow: »Nu Horizons haben wir mit besonderem Blick auf die Region Asien/Pazifik übernommen, um dort unsere Chancen im schnell wachsenden Markt zu nutzen.«

Sehr akquisitionsfreudig zeigte sich Arrow im vergangenen Jahr. Neben den Distributoren Nu Horizons und Richardson RFPD standen auch Spezialisten für Supply-Chain-Management, Logistik und Engineering auf der Einkaufsliste.» Wir wollen ein Full-Service-Anbieter sein, angefangen von Design-Support über Produktion und Logistik bis hin zum End-of-Life und Aftersales«, erklärt Thomas Braun, Vice President Sales, Arrow Central Europe.

Seit 2010 sind Nu Horizons und der Richardson RFPD Teil des Arrow-Konzerns. Welche Strategie steckt hinter der Akquisition der beiden doch recht unterschiedlichen Unternehmen?

Nu Horizons haben wir mit besonderem Blick auf die Region Asien/Pazifik übernommen, um dort unsere Chancen im schnell wachsenden Markt zu nutzen. Die Akquisition soll aber natürlich auch unsere globale Präsenz und Reichweite stärken. Wir profitieren sowohl von einem erweiterten Marktzugang als auch von zusätzlichen Linien im Portfolio. Richardson RFPD ist ein Unternehmen mit spezieller Expertise bei RF- und Power- und damit ebenfalls eine wertvolle Erweiterung für uns. Entscheidend dabei war auch der Systemgedanke: Konzeption, Assemblierung, Herstellung und Tests von Gesamtsystemen ist eine große Stärke von Richardson und für uns ein wichtiger Baustein in unserem Angebot. Richardson wird als eigenständige Vertriebseinheit mit eigener Marke weiter bestehen.  

Die meisten Übernahmen waren keine direkten Wettbewerber, sondern Unternehmen aus verschiedenen »Service-Bereichen«, beispielsweise dem Engineering. Wie wird dieser Bereich künftig  verstärkt?

Mit Transim Technology haben wir den globalen Marktführer für Online-Design-Lösungen für die Halbleiter-Industrie übernommen. Die Online Design Tools, die in die Webseiten von Herstellern, Distributoren, Online-Portalen und anderen Marketing Kanälen eingebunden werden können, bieten den Entwicklern einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu Design-Know-how, das sie sonst mühsam aus umfangreichen Produktdokumentationen zusammensuchen müssten. Alle von Transim gehosteten Tools sind über unserer Webseite www.arrow.com/designtools verfügbar.

… also eine Art Entwicklungsbeschleuniger?

Ja, die Tools helfen, Anwendungen zu konzipieren und zu testen und erlauben eine direkte Bestellung der benötigten Komponenten vom Hersteller oder Distributor. Für Entwickler stellen die Tools quasi einen elektronischen Applikationsingenieur dar, der ihnen hilft, anhand weniger Designparameter das passende Bauteil zu finden und automatisch ein applikationsspezifisches Referenzdesign zu erstellen und direkt im Webbrowser und bald auch mobilen Applikationen zu testen. Die Hersteller verstärken auf diese Weise Ihre Applikationsteams, während Entwickler sehr viel schneller zu einem funktionierenden Designprototypen gelangen. Die Implementation im Web bietet darüber hinaus eine Vielzahl von Kollaborationsmöglichkeiten. Anwender können Designs sowohl untereinander in global verteilten Teams austauschen, als auch Support vom Hersteller anfordern.

Gab es denn eine gemeinsame Ausgangsbasis für Transim und Arrow?

Die Zielmärkte für die Tools von Transim decken sich mit wichtigen Arrow-Zielmärkten: Power Management, Lighting, Analog und Mixed Signal, Embedded Systeme, Alternative Energietechnik, um nur einige zu nennen. Gegenwärtig arbeiten wir daran, die Basistechnologien von Transim für Arrow-Kunden direkt nutzbar machen.

Neben der technische Beratung, gerät oft fast die Kernkompetenz der Distributoren in Vergessenheit: Supply-Chain- und Logistik-Management. Auch dazu standen Unternehmen auf Ihrer Einkaufsliste. Was ist dadurch neu im Arrow-Logistik/Supply-Chain-Management-Angebot?   

Die Bereiche Supply Chain Management, Logistik und Value-Added Services spielen selbstverständlich nach wie vor eine große Rolle. Die Übernahmen in diesem Bereich verdeutlichen deren Stellenwert, denn diese Segmente entwickeln sich weiter, und es gibt immer wieder neue Ansätze, den Herausforderungen vor allem in der globalen Lieferkette zu begegnen. Ein gutes Beispiel ist dabei Reverse-Logistik. Nach der Übernahme von Converge im letzten Jahr haben wir mit der Marke Resolve einen Spezialisten geschaffen, dessen Reverse-Logistik-Services auf einem wichtigen Teil des Geschäfts von Converge aufbauen. Dazu zählen Services wie die Validierung und Wiedereinführung von After-Market-Produkten und Ersatzteil-Management sowie richtlinienkonformes Recycling.

Unterstützen Sie damit Ihre Kunden auch beim Thema Umweltgesetzgebung?

Gerade die Umweltgesetzgebung spielt ja in den letzten Jahren eine immer stärkere Rolle und erfordert deutlich mehr Aktivitäten bei Kommunikation, Kennzeichnung und Prozessen. Mit Resolve sind wir hier bei Themen wie After Sales Management, RMA und Recycling nun besser aufgestellt und können die individuellen Anforderungen unserer Kunden damit auch noch besser bedienen. Die grundlegenden Ziele bleiben gleich, auch wenn sich die Umweltstandards verschärfen: Lieferengpässe überwinden, Kosten reduzieren, Bestand so effizient wie möglich managen und Time-to-market verbessern.

Mit Verical hat Arrow nun sogar einen eCommerce-Marktplatz im Unternehmensverbund …

Supply Chain Management ist bekanntlich ein weites Feld, und wir haben uns alle Bereiche angesehen, die strategisch wichtig sind. Ziel der Übernahmen war eine möglichst breite Aufstellung. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Übernahme von Verical zu sehen. So bietet Verical eine eCommerce-Plattform, die die Kunden im Einkauf unterstützt: Hersteller können auf der Plattform zum Beispiel ihren Lagerüberschuss platzieren.