Littelfuse Bremen als Kompetenz-Center in Sachen Autosicherungen

Tobias Lauerer, Littelfuse: »Im Fokus unserer Übernahmen steht vor allem die Suche nach ergänzenden Technologien. So haben wir uns zur Nummer 1 im Bereich Elektronikschutz entwickelt, und auf diesem Wege wollen wir auch eine führende Stellung im Bereich Power Control und Sensing erreichen.«
Tobias Lauerer, Littelfuse: »Im Fokus unserer Übernahmen steht vor allem die Suche nach ergänzenden Technologien. So haben wir uns zur Nummer 1 im Bereich Elektronikschutz entwickelt, und auf diesem Wege wollen wir auch eine führende Stellung im Bereich Power Control und Sensing erreichen.«

Littelfuse hat sich in den letzten 15 Jahren nicht nur zur Nr. 1 bei Stromkreisschutz-Lösungen entwickelt, sondern strebt auch eine führende Rolle im Bereich Power Control und Sensing an. Die Übernahme von Wickmann und Pudenz brachte dazu eine starke Stellung im europäischen Markt für Fahrzeugsicherungen ein.

Seit August 2011 ist das europäische Hauptquartier von Littelfuse in Bremen – eine Entscheidung, die wie Tobias Lauerer, Sales Manager Central Europe, erläutert, »sowohl eine historische, als auch eine Mitarbeiter-orientierte Komponente hat«. Gemeint ist damit, dass das europäische Headquarter bereits nach einer unternehmensinternen Restrukturierung 2009 im ehemaligen Pudenz-Standort in Dünsen bei Bremen untergebracht war. Doch Bremen ist für Littelfuse nicht nur das europäische Verwaltungszentrum, der Standort beheimatet auch das Bremen Development Lab des Unternehmens. Neben Hochstromtests und verschiedenen anderen Test-Möglichkeiten beschäftigen sich die Ingenieure dort vor allem mit Neuentwicklungen für Automotive. Ihre Fähigkeiten reichen dabei bis zum Prototypenbau. Produziert werden die Automotive-Sicherungen seit 2011 in Piedras Negras, Mexiko. Mit der Übernahme von Accel vor zwei Jahren verfügt Littelfuse mit dem Werk im litauischen Kaunas nun auch wieder über eine Fabrik in Europa.

In Deutschland mit eigenen Niederlassungen präsent ist Littelfuse seit der Übernahme von Heinrich Industries im Jahr 2004. Ursprünglich aus dem Bergbau kommend, hatte Heinrich Industries 1974 den Sicherungshersteller Wickmann integriert, 1992 folgte die Übernahme von Pudenz. Wickmann seinerseits stand seit einem Lizenzierungsabkommen im Jahr 1960 in Beziehung zu Littelfuse. 1996 versuchte Wickmann sogar, Littelfuse zu übernehmen. Acht Jahre später drehte Littelfuse den Spieß um.

In den Jahren 2000 bis 2006 übernahm Littelfuse acht Unternehmen. Gleichzeitig wurde das Produktportfolio durch Polymer- und Halbleiterprodukte ergänzt und der aus etwa 15 Fabriken bestehende Fertigungscluster in sechs hocheffiziente Produktionsstandorte konsolidiert. Seit 2010 konzentrieren sich man nun darauf, über den Bereich Stromkreisschutz hinauszuwachsen. Ziel ist es, sich zu einem führenden Hersteller im Bereich Power Control und Sensing zu entwickeln.

Ausdruck dieser Bemühungen sind die jüngsten Akquisitionen von Littelfuse in Form von Selco (2011), Accel (2012), Hamlin (2013) und zuletzt SymCom. Im Fall von Selco handelte es sich um einen Schutz- und Überwachungsrelaishersteller, Accel ist im Bereich Automobil-Sensoren aktiv, Hamlin stellt neben Reed- und Halleffekt-basierten Sensoren auch Reed-Schalter und -Relais her, und Symcom bietet Überlastrelais und Pumpen-Controller. Und das werden nicht die letzten Akquisitionen sein. Mit klassischen Sicherungen, Lösungen auf Polymer- und Keramik-Basis sowie Halbleiterlösungen und Relais weist schon heute kein anderes Unternehmen eine ähnlich breite Produkt- und Technologiepalette im Bereich Schaltkreisschutz auf.

Wachstum in den Bereichen Power Control und Sensing erwartet

Künftige Investitionen werden wohl eher im Bereich Power Control und Sensing erfolgen. Das lässt sich auch daran ablesen, dass der in diesem Jahr bei wohl zwei Dritteln liegende Anteil des Schaltkreisschutzes am Littelfuse-Gesamtumsatz bis 2017 auf rund 46 Prozent zurückgehen soll. Dafür soll der aktuell bei etwa 19 Prozent liegende Anteil Power Control bis dahin auf 34 Prozent anwachsen. Ein etwas langsameres Wachstum ist für den Sensing-Bereich vorgesehen, er soll sich von aktuell 15 auf dann 20 Prozent steigern. In diesem Segment legte Littelfuse in den letzten zwei Jahren am kräftigsten zu: Ausgehend von einem Umsatzanteil von 2 Prozent erhöhte sich der Anteil innerhalb von zwei Jahren auf 15 Prozent.

Betrug der Littelfuse-Umsatz 2012 noch 668 Mio. Dollar, wird er in diesem Jahr auf rund 827 Mio. Dollar klettern. Bis 2017, so der Plan, soll sich der Umsatz dann auf 1.3 bis 1.4 Mrd. Dollar erhöhen. Stärkste Umsatzregion ist Amerika mit rund 45 Prozent, auf Platz 2 folgt Asien mit 36 Prozent und genau die Hälfte davon, nämlich 18 Prozent, steuert Europa zum Gesamtumsatz bei.

Boomender Asien-Markt

Getrieben wird das Geschäft aktuell nach Darstellung von Lauerer vor allem durch Elektronik und Automotive, verantwortlich dafür ist der nach wie vor anhaltende Boom in Asien. So entfallen heute 49 Prozent des Unternehmensumsatzes auf den Bereich Elektronik. Zweitgrößter Umsatzträger ist das Automotive-Geschäft mit 35 Prozent. Hier gehört Littelfuse wohl zu den wenigen Unternehmen, die eine durchgängige Applikationshistorie vom Ford T der 1930er-Jahre bis zu den jüngsten Entwicklungen der internationalen Autoindustrie vorweisen können. Mit 16 Prozent stellt der Bereich Elektrik bislang das kleinste Umsatzsegment dar.

Zum angestrebten Wachstum der nächsten Jahre soll neben weiteren Akquisitionen vor allem auch der Einstieg in neue Produktgruppen beitragen. So baut Littelfuse konsequent seine Präsenz im Halbleiterbereich aus. Inzwischen gibt es Automotive-TVS, Automotive-Dioden-Arrays sowie Einzelthyristoren und Thyristormodule. Seit Mai bietet das Unternehmen zudem 600- und 1200-V-IGBT-Module an, hinzu kommen Rectifier-Dioden bis 1800 V mit einer Stromtragfähigkeit von 200 A. Dieses Leistungshalbleiterspektrum soll noch weiter ausgebaut werden. Ebenfalls neu im Produktportfolio sind Überspannungsschutzmodule für Outdoor-Beleuchtungslösungen.