Elektroauto-Boom Zu wenige Ladestationen in Oslo

Ladestationen in Oslo. Norwegen, das 98 Prozent der Energie aus Wasserkraft gewinnt, eignet sich als Versuchskaninchen für Elektromobilität. Das kleine Land ist aber davon abhängig, dass andere Länder folgen, damit der Markt in Gang kommt.
Ladestationen in Oslo. Norwegen, das 98 Prozent der Energie aus Wasserkraft gewinnt, eignet sich als Versuchskaninchen für Elektromobilität. Das kleine Land ist aber davon abhängig, dass andere Länder folgen, damit der Markt in Gang kommt.

Oslo hat ein Elektromobilitätsproblem: Die Stadt kommt mit dem Bau von Ladestationen nicht hinterher. Langfristige Hoffnung: Die Auto-Wende in Deutschland.

Der Elektrowagen-Boom in Norwegen bekommt einen Dämpfer. Die Elektrowagenvereinigung rät Autofahrern in Oslo davon ab, sich ein strombetriebenes Fahrzeug anzuschaffen – wenn sie nicht die Möglichkeit haben, es zu Hause zu laden. »Im Verhältnis zu der Anzahl der verkauften Autos ist die Kommune mit dem Ausbau von Ladestationen nicht nachgekommen«, sagte der Sprecher der Elbilforening, Petter Haugneland. Der prozentuale Anteil der neu zugelassenen E- und Hybrid-Autos liege inzwischen bei 35 Prozent. »Also einer von drei verkauften Neuwagen in Norwegen ist elektrisch«, so Haugneland. In der Hauptstadt seien es sogar 40 Prozent.

50.000 Elektrofahrzeug und 30.000 ladbare Hybrid-Autos sind derzeit im Großraum Oslo registriert, bestätigt Sture Portvik von der Osloer Stadtverwaltung. Demgegenüber stünden 1.300 kommunale Ladestationen. »Jedes Jahr installieren wir 26 Prozent mehr Ladestationen, aber die Anzahl der E-Autos ist über 100 Prozent gestiegen. Die Kluft wird nur größer und größer«, so Sture Portvik.

Dass die Elektroautos in Norwegen so beliebt sind, liegt vor allem an den finanziellen Vorteilen, die der Staat den Autofahrern gewährt: Mehrwertsteuer, Importsteuer und Kfz-Steuer fallen weg. In der Anschaffung kann die E-Variante vieler Autos deshalb billiger sein als die mit Verbrennungsmotor. Außerdem kann man in vielen Kommunen kostenlos parken, laden und zahlt keine Mautgebühren. 

Nullemissionsfahrzeuge ab 2020

Diese Förderung kostet den Staat eine Menge Geld. Dennoch hat das Parlament entschieden, dass bis 2020 erst einmal nicht daran gerüttelt werden soll. Ein Grund dafür ist die ehrgeizige Verpflichtung, dass bis 2025 alle neu zugelassenen Autos in Norwegen Nullemissionsfahrzeuge sein sollen.

Erreichen will man das mit einem Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche. Zuckerbrot in Form von Abgabenbefreiung für die, die mit Strom fahren. Peitsche in Form von hohen Abgaben und hohen Benzinpreisen, für die, die weiter mit fossilem Brennstoff fahren.

Über das Zuckerbrot herrscht bei den Parteien im Parlament breite Einigkeit. Über die Peitsche ist man sich nicht einig. Vor allem die rechtspopulistische Fortschrittspartei, die nach den Wahlen Mitte September wieder eine Regierungsbeteiligung anstrebt, will das Autofahren nicht teurer machen. Ihrem Widerstand ist es zu verdanken, dass die Erhöhung der Abgaben auf Benzin- und Diesel vor einem Jahr moderat blieb, der Peitscheneffekt damit also ausblieb.   
 
Große Vermieter in der Pflicht

Die E-Experten Haugneland und Portvik sind dennoch beide der Meinung, dass das Ziel 2025 zu schaffen sei. »Es kommen ja nun in den nächsten Jahren viele neue Modelle auf den Markt, und so lange diese Förderpolitik fortgesetzt wird, halten wir das für möglich.«

Die Kommune muss nur sehen, dass sie hinterherkommt. Die größte Herausforderung sei es jetzt, so Portvik, dass 60 Prozent der Osloer Bevölkerung in einer Wohnung lebe, also nicht in einem Einfamilienhaus mit Garage, in der sie ihren Wagen über Nacht aufladen können.

Deshalb drängt man Wohnungsbaugenossenschaften und große Vermieter, ihre Parkgaragen mit Steckdosen auszustatten. Doch die Anzahl der Ladestationen zu vergrößern, sei nicht die Lösung, meint Portvik. »Wir müssen dafür sorgen, dass das System effektiver wird«, sagte er. »Wir brauchen smartere, schnellere Lader und Mobilitätshäuser, wo man nicht nur sein Auto laden kann, sondern auch sein E–Fahrrad, E-Motorrad, E-Scooter und so weiter.«