Uncoole Fragen nerven nur Tesla verdoppelt Verlust – Musk sieht baldigen Gewinn

Wegen eines »Produktionsengpäases« könne Tesla laut Elon Musk die Fertgung des Model 3 nicht so schnell hochfahren wie ursprünglich geplant, grundsätzliche Probleme gebe es nicht.
Dass Elon Musk auf der Telefonkonferenz zu den jüngsten Quartalsergebnissen einige Fragen als »nicht cool« bewertete und lieber nicht beantwortete, ließ den Kurs der Aktie kurz darauf um 4,5 Prozent sinken.

Umsatz plus 26 Prozent, Verlust verdoppelt. Doch Tesla-CEO Musk verspricht bald Gewinne. Uncoole Fragen beantwortet er lieber nicht.

Trotz eines Rekordverlusts hat der Elektroautobauer Tesla die Erwartungen zu Jahresbeginn übertroffen. Zudem meldete die Firma Fortschritte in der Produktion des Hoffnungsträgers Model 3.

Im ersten Quartal nahm der Verlust im Jahresvergleich von 330,3 Millionen auf 709,6 Millionen Dollar (592,1 Mio. Euro) zu. Der Umsatz wuchs um 26 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Damit übertrafen die Ergebnisse die Prognosen der Analysten.
Für Erleichterung sorgte, dass Tesla die Ziele für sein erstes Mittelklasseauto Model 3 bestätigte und bis Mitte des Jahres trotz Problemen pro Woche rund 5.000 Wagen vom Band laufen lassen will. Ursprünglich war diese Produktionszahl schon für Ende 2017 geplant. Für den Rest des Jahres versprach Musk, endlich Gewinne zu erwirtschaften.

Bisher konnte Tesla nach dem schwierigen Start in die Massenfertigung die Stückzahlen nur langsam erhöhen. In der letzten Aprilwoche stellte Tesla 2.270 Model 3 her, Ende März waren es nur 2020 gewesen. Musks ehrgeizige Vorgaben waren zuvor schon mehrfach verfehlt und nach hinten verschoben worden. Jetzt sagte er unter anderem, ein gutes Produktionssystem sei vor allem eine Frage der Software – und Tesla sei auf der Software-Ebene viel besser als jedes andere Autounternehmen. Die Fertigung in Gang zu bringen, sei letztlich »nicht Gehirnchirurgie«. Bisher konnte laut Quartalsbericht die Batteriefertigung nicht mithalten, die zu schnell automatisiert worden sei.

Die Erwartungen an das Model 3, Teslas erstes Angebot außerhalb des Luxus-Segments, sind riesig. Das Auto, dessen Preis auf 35.000 Dollar vor Steuern und Vergünstigungen geplant war, derzeit aber noch mehr kostet, soll der Firma und der E-Mobilität den Weg von der Nische in den Massenmarkt ebnen. Um den holprigen Anlauf der Serienproduktion auf Trab zu bringen, hatte Musk die Angelegenheit kürzlich zur Chefsache erklärt und sich wieder ein Schlaflager in der Fabrik eingerichtet.

Tesla baucht laut Musk keine Finanzspritze

Im Brief an die Aktionäre bekräftigte Musk seine jüngste Ansage, Tesla im dritten und vierten Quartal in die schwarzen Zahlen zu bringen. Entscheidend dafür dürfte sein, dass Tesla die Produktionsprobleme beim Model 3 löst und der Verkauf des Modells Geld in die Kassen spült. Einige Finanzmarktexperten rechnen eher damit, dass das Unternehmen dieses Jahr noch einmal frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen muss, um seine ambitionierten Ziele erreichen zu können. Musk bekräftigte in der Telefonkonferenz, Tesla werde keine Finanzspritzen brauchen. Die Firma hat seit der Gründung 2003 noch kein Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen.

Die Telefonkonferenz nahm zwischenzeitlich einen seltsamen Verlauf, als Musk einige Fragen von Analysten als trocken, langweilig und »nicht cool« bezeichnete – und sich stattdessen lieber von Privatanlegern via YouTube befragen ließ. Gewohnt selbstbewusst erklärte er unter anderem, Tesla habe unter allen Herstellern die niedrigsten Kosten pro Kilowattstunde bei den Batterien. Ein neues Detail war auch, dass Tesla bei den Batterien weitgehend ohne Kobalt auskommen wolle. Um Kobalt gibt es viele Diskussionen, weil es zu großen Teilen im Kongo gefördert wird, unter anderem in kleinen Minen mit Kinderarbeit. Große Fahrzeugbatterien fast ohne Kobalt wären daher nicht nur aus finanzieller Sicht ein Durchbruch.

Anleger reagierten unentschlossen auf die Zahlen. Die Aktie stieg nachbörslich zunächst um fast 2 Prozent, die Stimmung drehte jedoch rasch und unter dem Eindruck von Musks Verhalten in der Telefonkonferenz gab es ein Minus von 4,5 Prozent.