Kommentar Soziopathen im Verkehr, einfach irre!

Iris Stroh, Ltd. Redakteurin, IStroh@weka-fachmedien.de
Iris Stroh, Ltd. Redakteurin, IStroh@weka-fachmedien.de

Jeder kennt das: Ein Drängler kriecht dem geplagten Fahrer in den Kofferraum. Was tun?

Im Schnitt fahre ich rund 30.000 km pro Jahr, das meiste auf Autobahnen. Und da passiert es mir immer wieder, dass ich mich entsetzlich ärgere, obwohl ich weiß, dass sich das überhaupt nicht lohnt.

Die Frage ist aber, wie ich mit sozialunverträglichen Autofahrern umgehen soll. Ein Beispiel: Ich fahre auf einer dreispurigen Autobahn auf der linken Spur mit 140 km/h, vor mir ein Fahrzeug, das einfach ein wenig Zeit braucht, um die Autos auf der mittleren Spur zu überholen. Das treibt mir typischerweise keine Zornesröte ins Gesicht, ich halte einfach Abstand und warte ab. Ganz anders aber das Fahrzeug hinter mir. Mit gefühltem Abstand von 3 bis 5 m hängt er mir an der Stoßstange, in dem Fall ein Audi SQ7 – das soll jetzt nicht in eine Beschimpfung gegen Audi enden, denn der Fahrertypus, den ich meine, fährt auch BMW oder Daimler in derselben aggressiven Weise. Der Fahrer-Typus ist der, den ich für gemeingefährlich halte und bei dem ich nicht weiß, wie man ihm umgeht: Manager-Typ, der alles kann, alles darf und sich vom dummen Rest der Menschheit einfach nur belästigt fühlt. Er ist sicher der Meinung, dass es für Gewinnertypen wie ihn eine eigene Fahrbahn geben sollte, ähnlich den Carpool-Lanes in Kalifornien. Ich denke, eine eigene Gummizelle wäre angemessener.

Als ich den Soziopath so nah im Rückspiegel sah, bin ich natürlich doch kurz erschrocken, aber eben nur kurz. Allerdings musste ich an den Unfall denken, den ein Testfahrer verursacht hatte, weil er zu dicht auf einen kleinen Kia aufgefahren war, weshalb die Fahrerin wohl ruckartig ihr Fahrzeug nach rechts lenkte und dabei die Kontrolle verlor. Ergebnis: Frau und Tochter starben, der Drängler bekam eine Gefängnisstrafe mit Bewährung.

Eine Diskussion mit meinem Beifahrer über meinen speziellen Drängler und wie man damit umgeht, ergab einen aus meiner Sicht wichtigen Punkt: Auf keinen Fall provozieren lassen. Denn nur weil ein Soziopath hinter einem fährt, sollte man nicht selbst zu einem werden – auch wenn das zugegebenermaßen nicht immer einfach ist. Spätere Diskussionen mit Unbeteiligten brachten noch zwei weitere Vorschläge:

  • Handy zücken und den Drängler einfach filmen und danach bei der Polizei anzeigen. Allerdings weiß ich nicht, ob das zulässig ist und ob das zu einer Anzeige führen würde;
  • eigenes Tempo langsam drosseln, einfach um ihn zu ärgern. Allerdings würde das wahrscheinlich dazu führen, dass der Soziopath auf die rechte Spur wechselt, um dort zu überholen, was nicht gerade zur Verkehrssicherheit beträgt.

Wie gesagt, ich weiß immer noch nicht, wie man mit solchen Leuten umgeht, vor allem wie ich es verhindere, dass ich mich über soviel Dummdreistigkeit ärgere. Ich weiß nur, dass solche Leute eine wirklich Gefahr im Straßenverkehr darstellen. Und in einem Punkt bin ich mir sicher: Selbst wenn dieser Soziopath bei einer Abstandsmessung erwischt wird, hat das sicherlich nicht den gewünschten Lerneffekt. Die saftige Geldstrafe mag ihn vielleicht ein wenig ärgern, und nicht weil es knapp ist, sondern weil solche Leute es grundsätzlich für eine Frechheit halten, mit Nichtigkeiten belästigt zu werden. Aber sein Verhalten ändern wird er deshalb nicht. Deshalb bin ich der Meinung, bei solchen Leuten hilft - wenn überhaupt - nur langer Führerscheinentzug (einfach um die Menschheit vor ihm zu schützen), unglaublich viele Sozialstunden, und den Wiedereinstieg in die Welt als Fahrer mit einem Fiat 500 oder vergleichbarem Kleinstwagen - vielleicht ändert das ihr Verhalten. Ich kann jedem Autofahrer derweil nur wünschen: Gute Fahrt und noch viel bessere Nerven.