Autos in Cloud-Services einbinden Nie wieder Rückrufaktionen!

Mit der eSync-Plattform und der eSync-Alliance will Excelfore die Netzwerke im Auto kohärent machen und über eine einzige OTA-Pipeline Cloud-Diensten und neuen Geschäftsmodellen den Weg bereiten.

Ein Auto fährt über eine Landstraße durch die Nacht. Der Fahrer hat das Fernlicht eingeschaltet und ist sich sicher, dass er alle eventuell auftauchenden Hindernisse im Scheinwerferlicht erkennt. Was er in dem vom Fernlicht ausgeleuchteten Bereich allerdings nicht sehen kann, ist ein Fahrradfahrer, der – selber schlecht beleuchtet – plötzlich aus einem Feldweg auf die Landstraße eingebogen ist. Diese Situation könnte gefährlich werden. Doch unser Autofahrer hat Glück: Das intelligente Beleuchtungssystem lässt den Fahrradfahrer sofort in einem gesonderten Lichtkegel sichtbar werden, noch bevor die Situation gefährlich werden kann. Leider klappt dies in der Praxis heute noch nicht. Denn dazu kommunizieren die Inselnetze im Auto zu wenig miteinander und die sichere Verbindung Over-the-Air (OTA) zur Cloud, über die die Daten aufwärts und abwärts sicher ausgetauscht werden können, steht häufig nur teilweise oder gar nicht zur Verfügung.

Dass dies aber heute bereits auf Basis der eSync-Plattform von Excelfore möglich ist, zeigt das Unternehmen gemeinsam mit Hella auf ihrem Stand auf der diesjährigen CES. Hella hat die smarte Frontlichtsteuerung entwickelt, Excelfore sorgt dafür, dass die Informationen aus verschiedenen Sensoren und ECUs so vernetzt werden, dass die Systeme harmonisch kooperieren – und die Daten in der Cloud analysiert und ausgewertet werden können. Daraus lassen sich Verbesserungen durchführen und die verbesserte Software wieder an die betroffenen Autos verteilen. Falls erst jetzt ein Fehler im System bemerkt werden sollte – er ließe sich über Software-Updates beheben, ohne teure Rückrufaktionen. Das ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Denn einerseits müssen sich die Autos Over-the-Air mit Cloud-Diensten vernetzen, etwa um sie mit Updates versorgen zu können. Andererseits arbeiten heute verschiedene Inselsysteme im Auto nebeneinander her; der Informationsaustausch zwischen den Inseln findet nur beschränkt statt. Denn an den unterschiedlichen Netzen im Auto arbeiten verschiedene Firmen – Tier-1-Zulieferer und Drittfirmen genauso wie die OEMs selber.

Deshalb ist es so schwierig, selbst einfache übergreifende Funktionen ins Auto zu bringen. Um von der Vernetzung wirklich profitieren zu können, müsste sie über die bestehenden Inselnetze hinweg funktionieren. Genau hier setzt Excelfore an. Gründer und CEO Shrinath Acharya räumt schon zu Beginn des Gesprächs mit einem grundlegenden Missverständnis auf: »Das Auto ist kein „Thing“ im Internet of Things. Es ist selber ein komplexes System aus verschiedenen Netzen. Wer bisher gewohnt war, ein Thing des IoT wie etwa ein Smartphone einzubinden, der wird sich sehr schwer tun, dieses Wissen auf ein Auto anzuwenden. Mit seiner Erfahrung wird er es eben immer nur auf der Thing-Ebene integrieren können, etwa ein Entertainment-System ins IoT einbinden. Leider aber nicht das gesamte Auto.«

Er ist überzeugt, dass Excelfore dies nun grundlegend ändern wird. Denn das Unternehmen stellt die Bausteine bereit, die erforderlich sind, um ein einheitliches und durchgehendes System aufzubauen. Shrinath Acharya nennt es kohärent, denn es arbeitet über die Grenzen verschiedener Netze, Betriebssysteme, ECUs, Sensorsysteme und Prozessoren hinweg. Damit wären die OEMs nicht mehr auf die bisher bestehenden OTA-Insel-Systeme der unterschiedlichen Lieferanten angewiesen, die höchstens im eigenen Umfeld funktionieren, etwa in der Head-Unit oder der Body-Control. Das hilft nicht nur, die bestehende babylonische Sprachverwirrung der unterschiedlichen Netze zu beseitigen, sondern macht ganz neue Ansätze möglich.

Die wesentlichen Elemente auf dieser Ebene sind die APIs und Agents. Sie müssen für jede ECU, für jeden Sensor und jeden Prozessor erstellt werden. »Die Agents sind wohl definiert und interaktiv; wir haben viele solcher Agenten erstellt, das ist unser Geschäft«, sagt Shrinath Acharya. Allerdings: »Wenn wir die einzigen wären, die das machen, würde sich die eSync-Plattform nicht schnell durchsetzen können. Andere Firmen sollten auch Agents kreieren.« Deshalb macht Excelfore die eSync erstens zu einem offenen System und zweitens hat Excelfore die eSync-Alliance gegründet. Damit sollen möglichst viele Firmen aus unterschiedlichen Bereichen animiert werden, solche Agents zu entwickeln.