Kommentar Musk im Mond

Touristen auf dem Weg zum Mond?
Touristen auf dem Weg zum Mond?

Elon Musk will Touristen auf den Mond schießen. Was steckt dahinter?

Menschen auf dem Mond! Ich kann mich noch genau an den Tag im Jahr 1969 erinnern, als wir schulfrei bekamen, um die Mondlandung im Fernsehen verfolgen zu können. Danach schien es Routine zu werden, Menschen auf den Mond zu bringen. Allerdings nur für kurze Zeit: Ende der frühen siebziger Jahre stellte die NASA das Mondlandeprogramm ein. Zu teuer für die Wissenschaft.

Nun will Elon Musk wieder Menschen auf den Mond schießen – allerdings keine Wissenschaftler und Techniker. Für die war es ja zu teuer. Sondern Touristen. Das aber bis Ende nächsten Jahres! Es gebe sogar schon Freiwillige, die bereit sind viel Geld dafür zu bezahlen. Ob sie wohl aus dem Kreise wagemutiger Silicon-Valley-Milliardäre stammen? Denn Mut gehört auf jeden Fall dazu: Noch befinden sich die Dragon2-Kapsel und die Falcon-Heavy-Rakete in der Entwicklung. Ob die hoffnungsfrohen Mondtouristen damit rechnen, dass sich SpaceX, Musks Raketenfirma, einen tödlichen Fehler nicht erlauben könnte?

Darauf würde ich nicht wetten: Denn einem Elon Musk scheinen Rückschläge und Verzögerungen in den ursprünglichen Terminplanungen nichts anhaben zu können. Wie seine Firma Tesla zeigt, bleiben die Geldgeber unverdrossen dabei und vertrauen seinen Visionen. Vertrauen ist gut!

Aber glaubt Musk selber dran? Jedenfalls dürfte ein wiedererstarktes Amerika sich wundervoll in seine Visionen fügen. Denn auch die NASA arbeitet an neuen Raketen und denkt daran, Menschen zum Mond zu bringen – allerdings keine Touristen sondern Astronauten und das erst 2021. Zwar handelt es sich bei der NASA nicht um den Bauträger des Hauptstadtflughafens eines europäischen Landes – es ist also damit zu rechnen, dass sie das Ziel erreicht, falls ernsthaft gewünscht. Aber wirklich schon 2021?

Also zu einem Zeitpunkt, zu dem in Deutschland alleine schon über 1 Million Elektroautos fahren werden? Und viele davon Teslas? Ach, wir wollen uns hier nicht über Zahlen streiten, wo es doch um Visionen geht! Tesla und Musk müssten aber auch unabhängig von der Zahl der Elektroautos in Deutschland nun den Mittelklassewagen auf den Markt bringen, um endlich in Stückzahlen kommen zu können.

Da dürfte es sicher spaßiger sein, sich um Raketen zu kümmern: Ende 2018 – oder sagen wir lieber großzügig 2019, weil das dann genau im Jahre 60 nach der ersten Mondlandung wäre – vielleicht stolpern ja schon erste Touristen über den Erdtrabanten, zwei Jahre später schießt die NASA Astronauten ebenfalls dorthin, deren Mondumrundung die Menschheit dann wieder entscheidende Schritte vorwärts bringen.

Das klingt verwegen – und wäre vielleicht auch gar nicht Musks Vision. Eine US-Regierung, die das Budget für Rüstung um nicht weniger als 10 Prozent aufstocken will, erinnert sich vielleicht auch wehmütig an die Zeit, als die USA Menschen auf den Mond landen ließen und damit nicht zuletzt ein Zeichen im Rüstungswettlauf mit der UdSSR setzte. Es wird also darum gehen, SpaceX als den natürlichen Partner der NATO zu etablieren. Das dürfte für frisches Geld sorgen.

Mit dem amerikanischen Präsidenten soll Musk sich jedenfalls schon getroffen haben. Vielleicht ging es bei den Treffen nicht nur um schöne Frauen und schnelle Autos, vielleicht haben sich die Jungs ja auch über Raketen unterhalten. Eine Vorliebe für vollmundige Ankündigungen und ein Gespür für Geld jedenfalls wird beiden nachgesagt. Und dann noch ein paar Milliardärs-Kollegen auf den Mond schießen zu dürfen? Großartig!