Forschungsprojekt „CoCarX“ LTE-Mobilfunktechnik für Verkehrsanwendungen geeignet

Durch in LTE weiter verbesserte Quality of Service-Funktionen (QoS) lassen sich besonders wichtige Anwendungen, zum Beispiel Gefahrenhinweise, mit Vorrang übertragen.
Durch in LTE weiter verbesserte Quality of Service-Funktionen (QoS) lassen sich besonders wichtige Anwendungen, zum Beispiel Gefahrenhinweise, mit Vorrang übertragen.

Das branchenübergreifende Forschungsprojekt „Cooperative Cars Extended“ (CoCarX) beschäftigte sich mit der Frage: „Welche Technologien eignen sich für den Aufbau eines Informations- und Kommunikationssystems für Telematikanwendungen?“ Und jetzt liegen die Ergebnisse vor.

So sind die Forscher der Überzeugung: Die Kombination von Mobilfunk mit Nahbereichsfunktechniken deckt die Anforderungen der gesamten Anwendungsmöglichkeiten ab - von Infotainment bis zu besonders zeitkritischen Fahrerassistenzfunktionen. Neben bestehenden breitbandigen Mobilfunkverbindungen eignen sich vor allem die neuen LTE-Mobilfunknetze (Long Term Evolution), die derzeit in Deutschland und vielen weiteren Ländern aufgebaut werden, für diese Anwendungen.

Warum ist LTE besonders gut geeignet? Aus mehreren Gründen, so ist beispielsweise die LTE-Netzkapazität deutlich höher als die Kapazität anderer Mobilfunknetze. Das heißt, dass mehr Teilnehmer innerhalb einer Funkzelle gleichzeitig schnelle Kommunikationsverbindungen nutzen können. Dies ist wichtig, um etwa an hoch frequentierten Verkehrsknotenpunkten eine zuverlässige Vernetzung sicherstellen zu können. Ein weiterer wichtiger Punkt bei zeitkritischen Anwendungen sind die sehr geringen Signallaufzeiten im Kommunikationsnetz von unter 100 ms.

Zudem kann bei LTE eine einzige Kommunikationsverbindung effizient für mehrere Dienste gleichzeitig genutzt werden. Durch in LTE weiter verbesserte Quality of Service-Funktionen (QoS) lassen sich besonders wichtige Anwendungen, zum Beispiel Gefahrenhinweise, mit Vorrang übertragen. Sollte also etwa ein Mitfahrer gerade im Internet surfen oder telefonieren, werden Warnmeldungen dennoch ohne Zeitverzug übertragen. Außerdem können bei LTE, auch in Kombination mit aktuellen mobilen Breitbandtechnologien, unterschiedliche Dienste unabhängig voneinander abgerechnet werden. Das ist wichtig, um auf einzelne Anwendungen zugeschnittene Geschäftsmodelle anbieten zu können. So kann bei den künftigen Nutzern eine hohe Akzeptanz für neue Dienste erzielt werden.

René Rembarz, Projektleiter von CoCarX und Senior Research Engineer am Ericsson Eurolab: „Bei der Arbeit unseres branchenübergreifenden Forschungsprojekts hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit der LTE-Netze mehr als ausreicht, zeit- und kapazitätskritische Anwendungen zu realisieren. LTE besitzt das Potential, eine Vielzahl von neuen Anwendungen – sowohl im Fahrerassistenzbereich als auch beim Infotainment – Wirklichkeit werden zu lassen.“

Hintergrund

Für Fahrerassistenzsystemen, also etwa Spurwechselassistenten, Bremsunterstützungs- oder Abstandswarnsystemen, deren Realisierung eine direkte Kommunikation zwischen Fahrzeugen voraussetzen, spielen heute vor allem Nahbereichs-Funktechniken auf Basis des WLAN-Standards 802.11p eine wichtige Rolle. Bei vielen dieser Anwendungen ist es jedoch sinnvoll, je nach Anwendungsfall zusätzlich auf den Mobilfunk zu setzen. Gegenüber WLAN 802.11p zeichnet sich der Mobilfunk nicht nur durch die wesentlich größere Reichweite aus. Mobilfunknetze sind zudem nahezu flächendeckende Kommunikationsinfrastrukturen, die ohne zusätzliche Aufbaukosten auch für Verkehrsanwendungen genutzt werden können.

Das Forschungsprojekt CoCarX wird unter Projektleitung von Ericsson durchgeführt. Weitere Teilnehmer sind die Vodafone Group R&D Germany, Vodafone D2, das Ford Forschungszentrum Aachen und das Bundesamt für Straßenwesen (BASt). Außerdem wurde das Projekt von BMW und BMW Forschung und Technik unterstützt. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Das Forschungsprojekt setzt die Arbeiten fort, die im Rahmen des vorangegangenen Projektes „Cooperative Cars“ (CoCar) durchgeführt wurden. Es ist Bestandteil der Forschungsinitiative AKTIV (Adaptive und Kooperative Technologien für den Intelligenten Verkehr), die in den Jahren 2006 bis 2010 neben Mobilfunkaspekten die Bereiche Verkehrsmanagement (VM) und Aktive Sicherheit (AS) bearbeitete.