IHS Automotive: Autonomes Fahren Google hat die Nase vorn

Autonomes Fahren ist derzeit in aller Munde, jeder der großen Automobilhersteller arbeitet an dem Thema. Dennoch ist in einem Report von IHS Automotive über autonomes Fahren zu lesen, dass nicht die etablierten Automobilhersteller technologisch führend sind, sondern Google.

Unternehmen wie Google würden derzeit an Lösungen im Bereich autonomes Fahren arbeiten, während Organisationen wie Uber oder Lyft, die Car-as-a-Service (CaaS-Dienste) anbieten, ebenfalls in den Startlöchern säßen, um den gesamten Markt durchzurütteln. Sie würden über eine neue operative Expertise verfügen, die in den nächsten zehn Jahren die Entwicklung des autonomen Fahrens und die Kundenakzeptanz sehr stark beeinflussen werden. IHS hält das selbstfahrende oder Fahrerlose Auto für unausweichlich, es sei lediglich eine Frage der Zeit, bis den Kunden verschiedene Optionen verfügbar gemacht werden und somit die Akzeptanz steigt.

Aus der Sicht der Analysten von IHS gibt es derzeit hauptsächlich zwei Forschungs- und Entwicklungsstrategien: evolutionär und revolutionär. Die bestehenden Automobilhersteller würden den evolutionären Weg verfolgen und ihre ADAS-Systeme soweit verbessern, dass zunächst ein teilweise autonomes Fahren möglich wird, und später dann auch ein vollständig autonomes Fahren.

Auf der revolutionären Seite sieht IHS Google in führender Position. Das Marktforschungsunternehmen geht davon aus, dass dieses Unternehmen in den kommenden Jahren in diesem Bereich einen enormen Einfluss haben wird. Aber auch Uber beginne, einige seiner R&D-Anstrengungen auf diesen Bereich zu lenken, für das Unternehmen quasi die nächste Stufe in seiner disruptiven Transportstrategie.

Für IHS ist die Software der Schlüssel zum Erfolg und deshalb sei Google in einer führenden Position. Denn es sei eine Software notwendig, die alle Sensordaten der Fahrzeuge interpretieren und das Fahrverhalten und die Erfahrung der besten Autofahrer nachahmen kann. Google ist nach Einschätzung der Experten von IHS Automotive der Platzhirsch in dieser Arena. Das Unternehmen soll bislang fast 60 Mio. Dollar in die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen investiert haben.

Hinzu kommt aber noch ein anderer Aspekt, der aus der Sicht der IHS-Analysten für Google spricht: Das Unternehmen hat im Gegensatz zu traditionellen Automobilherstellern die Möglichkeit, angrenzende Technologien und Erfahrungen aus anderen Projekten und Investments zu nutzen – einschließlich Robotik, Drohnen und die dazugehörigen Technologien, wie neuronale Netze, Künstliche Intelligenz, Maschinenlernen und maschinelles Sehen - alles Technologien, die beim autonomen Fahren durchaus hilfreich sein können. Dadurch erhielten die Forscher von Google zusätzliche Expertise, die den OEMs nicht zur Verfügung stünde.

»Kein anderes Unternehmen verfügt über so viele relevante Technologien, mit der die Software für autonomes Fahren verbessert werden kann«, erklärt Egil Juliussen, Senior Research Director von IHS Automotive. Dass Toyota vor kurzem angekündigt hat, dass es in den nächsten fünf Jahren 1 Mrd. Dollar in die Bereich Künstliche Intelligenz, fahrerlose Autos und Robotik investieren will, führt Juliussen darauf zurück, dass Google so schnelle Fortschritte in der Technologieentwicklung macht und Toyota hier aufholen will.

Juliussen geht davon aus, dass bereits heute die Google-Software für das selbstfahrende Auto schon besser ist, als die meisten Fahrer in normalen Fahrsituationen – das gelte zumindest für gutes Wetter. Dass Google dennoch weiterforscht, begründet Juliussen damit, dass das Unternehmen derzeit daran arbeitet, den »einen unter Millionen Fälle« zu finden und seine Software so zu trainieren, dass sie auch diesen Vorfall beherrscht. Das heißt, jetzt geht es um gutes Fahrverhalten bei schlechten Wetterbedingungen, bei Straßenbauarbeiten, in besonderen Verkehrssituationen und anderen nicht herkömmlichen Fahrsituationen.

»Google ist in einer einzigartigen Position, angrenzende Technologie für die Software-Entwicklung für das autonome Fahrzeug zu nutzen. Die Strategie und das Ziel von Google ist es, innerhalb einer Dekade oder sogar weniger, die Software und die Karteninfrastruktur bereit zu stellen, damit jeder in den Genuss von Mobilitätsdienstleistungen kommen kann«, so Juliussen weiter.

Diese Entwicklung könnte den Unternehmen, die CaaS-Dienste anbieten, zusätzlichen Schub verleihen. Derzeit sind für diese Dienste noch Fahrer notwendig, in Zukunft sei es sehr wahrscheinlich, dass diese oder ähnliche Dienste über autonome Fahrzeuge abgewickelt werden.